Äußerungen des Zentralbankchefs drücken Euro-Kurs

EZB dementiert Gerüchte um Duisenberg-Rücktritt

BLZ
2 Min

FRANKFURT A. M., 17. Oktober. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Dienstag "kategorisch" Gerüchte über einen Rücktritt ihres Chefs Wim Duisenberg dementiert. Derartige Spekulationen, die an den Finanzmärkten in London und Frankfurt am Main kursierten, seien "absolut falsch", sagte ein EZB-Sprecher. Das Bundesfinanzministerium erklärte: "Wir sind zufrieden mit der Arbeit des EZB-Präsidenten und der Europäischen Zentralbank." Es gebe keine Personaldebatte, sagte Ministeriumssprecher Thorsten Albig. Finanzminister Hans Eichel (SPD) lehnte es ab, sich an den Spekulationen zu beteiligen. Er sehe darin keinen Sinn, sagte der Minister.Auslöser der Rücktrittsgerüchte waren Äußerungen Duisenbergs in einem Zeitungsinterview vom Montag, in dem er Stützungskäufe der Notenbank zu Gunsten des Euro für den Fall ausgeschlossen hatte, dass die europäische Einheitswährung durch die Krise im Nahen Osten erneut unter starken Druck geraten sollte. Anschließend war der Euro auf 84,58 US-Cent gesunken und hatte damit fast wieder seinen Rekordtiefpunkt vom 22. September erreicht. Nach Ansicht von Devisenhändlern hatte Duisenberg durch seine Äußerungen den Euro geschwächt. Bisher hatten die Finanzmärkte weitere Interventionen nicht ausschließen können, nachdem die EZB kürzlich in einer konzertierten Aktion mit der US-amerikanischen und der japanischen Notenbank durch Stützungskäufe den Eurokurs stabilisiert hatte. Durch die Ankündigung Duisenbergs, dass es vorerst keine weiteren Interventionen geben werde, habe die Zentralbank sich unnötig eines Überraschungseffekts beraubt. Am Dienstag setzte die EZB den Euro-Referenzkurs auf 84,96 Cent fest.In dem Interview hatte Duisenberg außerdem die Diskussion um die Dauer seiner Amtszeit neu entfacht. Er halte es für unwahrscheinlich, dass er volle acht Jahre an der Spitze der EZB bleiben werde. Der Zentralbankpräsident sagte, es habe allerdings keine "Absprache" mit den Franzosen gegeben. Seit der Ernennung Duisenbergs im Mai 1998 halten sich Gerüchte, dass der Präsident der französischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, ihn gemäß einer "stillen Vereinbarung" nach vier Jahren ablösen werde. Der heute 65-jährige Duisenberg hielt dem entgegen, er habe gegenüber den Regierungschefs deutlich gemacht, dass es angesichts seines Alters nicht sehr wahrscheinlich sei, dass er "die vollen acht Jahre dienen" werde.Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Ulrich Ramm, warnte davor, die Äußerungen Duisenbergs zu Stützungskäufen überzuinterpretieren. Der unregelmäßige Einsatz von Interventionen zur Kursstabilisierung sei legitim, um Spekulanten zu verwirren. (wi.)(Wirtschaft Seite 31)"Angesichts meines Alters ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass ich volle acht Jahre dienen werde. " EZB-Chef Wim Duisenberg

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