Westdeutschland

AfD in Nordrhein-Westfalen bei 22 Prozent – und in einer Umfrage erstmals vorn

Die AfD kommt in NRW auf 22 Prozent. Im Bundestrend für das Land liegt sie erstmals sogar vor der CDU. Doch in der Landespartei tobt nach wie vor ein Machtkampf.

5 Min
Hat Grund zur Freude: NRW-Landeschef Martin Vincentz steht mit der AfD im bevölkerungsreichsten Bundesland gut da.

Hat Grund zur Freude: NRW-Landeschef Martin Vincentz steht mit der AfD im bevölkerungsreichsten Bundesland gut da.

© Christoph Hardt/Imago

Die neue AfD NRW Umfrage verschiebt die Kräfteverhältnisse im bevölkerungsreichsten Bundesland spürbar. Nach einer repräsentativen Forsa-Erhebung im Auftrag des Kölner Stadt-Anzeiger käme die AfD bei einer Landtagswahl auf 22 Prozent – zwei Punkte mehr als im April.

Die CDU von Ministerpräsident Hendrik Wüst rutscht im selben Zeitraum von 32 auf 29 Prozent. Der Abstand zwischen beiden Parteien ist binnen weniger Monate von zwölf auf sieben Prozentpunkte zusammengeschmolzen. Befragt wurden 1030 Wahlberechtigte zwischen dem 7. und 18. September. Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen findet voraussichtlich am 25. April 2027 statt.

Vor gut einem Jahr sah das Bild noch völlig anders aus. Im Juli 2025 nannten 38 Prozent der Befragten die CDU, die AfD lag bei 16 Prozent – ein Vorsprung von 22 Punkten. Innerhalb von 14 Monaten hat sich dieser Abstand also auf ein knappes Drittel reduziert.

Die übrigen Parteien bewegen sich kaum. Die Grünen legen einen Punkt auf 18 Prozent zu, die SPD bleibt bei 14 Prozent, die Linke gewinnt zwei Punkte auf acht Prozent, die FDP verharrt unverändert bei drei Prozent.

Gemessen an der Landtagswahl 2022 ist die Verschiebung erheblich: Damals holte die CDU 35,7 Prozent, die AfD kam auf 5,4 Prozent und die SPD auf 26,7 Prozent. Vier Jahre später hätte die AfD ihr Ergebnis also vervierfacht, während die Sozialdemokraten fast die Hälfte ihrer Wähler verloren hätten. Für die Grünen ändert sich dagegen praktisch nichts, die FDP läge unter der Fünfprozenthürde.

Bundestagsfrage: AfD erstmals stärkste Kraft in NRW

Noch deutlicher fällt das Ergebnis aus, wenn Forsa nach einer Bundestagswahl fragt. Dort kommt die AfD in NRW auf 24 Prozent – ein Rekordwert in dieser Reihe und erstmals ein Platz vor der CDU.

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Gilt als möglicher Nachfolger von Bundeskanzler Friedrich Merz: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst dürften die gemessenen Werte kaum zufriedenstellen.

Gilt als möglicher Nachfolger von Bundeskanzler Friedrich Merz: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst dürften die gemessenen Werte kaum zufriedenstellen.

© Christoph Hardt/Imago

Die Christdemokraten verlieren vier Punkte und landen bei 22 Prozent. Es ist der niedrigste Wert, den Forsa in Nordrhein-Westfalen je für die CDU gemessen hat. Der bisherige Tiefstand lag im Dezember 2021 bei 23 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 war die CDU in NRW noch auf 30,1 Prozent gekommen.

Grüne (18 Prozent) und FDP (3 Prozent) bleiben unverändert, die SPD legt auf 14 Prozent zu, die Linke springt um drei Punkte auf zwölf Prozent. Von der Auflösung des BSW profitieren nach Güllners Einschätzung neben der Linkspartei auch die Rechtsauslegen.

Der Faktor Merz

Forsa-Gründer Manfred Güllner führt die Entwicklung gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger wesentlich auf den Bundeskanzler zurück. Was sich bundesweit seit Monaten abzeichne, „das manifestiert sich jetzt unausweichlich auch in Nordrhein-Westfalen“, sagte er.

Und: „Dieser Bonus kann aber nicht mehr kompensieren, was die CDU durch den Parteivorsitzenden und Kanzler Friedrich Merz an Potenzial verloren geht.“ 87 Prozent der Befragten äußern sich unzufrieden mit Merz' Arbeit, elf Prozent bewerten sie positiv. Wüst dagegen bleibt stabil: 46 Prozent zufrieden, 37 Prozent unzufrieden. Merz selbst hatte am Montag eingeräumt, die jüngsten Landtagswahlen hätten auch mit seiner Person zu tun gehabt.

Hochburgen im Ruhrgebiet

Die Umfragewerte kommen nicht aus dem Nichts. Bei der Kommunalwahl am 14. September 2025 erreichte die AfD in den Kreistagen und Räten der kreisfreien Städte landesweit 14,5 Prozent – nach 5,1 Prozent im Jahr 2020. Sie wurde drittstärkste Kraft und lag erstmals vor den Grünen.

Besonders stark war sie im Ruhrgebiet: In Gelsenkirchen holte die AfD 29,9 Prozent und lag damit knapp hinter der SPD (30,4 Prozent). In Herne und Hagen kam sie jeweils auf 22,4 Prozent, in Oberhausen auf 21,5, in Duisburg auf 21,2 Prozent. Landesweit blieb sie hinter CDU (33,3 Prozent) und SPD (22,1 Prozent).

Blick von der Mottbruchhalde auf Gelsenkirchen-Mitte: Bei der Kommunalwahl 2025 holte die AfD in der Heimat des Fußballvereins Schalke 04 knapp 30 Prozent der Stimmen.

Blick von der Mottbruchhalde auf Gelsenkirchen-Mitte: Bei der Kommunalwahl 2025 holte die AfD in der Heimat des Fußballvereins Schalke 04 knapp 30 Prozent der Stimmen.

© Oliver Mengedoht/Imago

Parallel zum Höhenflug in den Umfragen ringen in der NRW-AfD zwei Lager um die Führung: Landeschef Martin Vincentz gegen das selbsternannte „patriotische Lager" um den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich und Verbündete wie Sven Tritschler.

Ende Juni hob das Bundesschiedsgericht Helferichs Parteiausschluss endgültig auf – ein Verfahren, das der Landesvorstand betrieben hatte. Bei der Aufstellung der Landesliste für 2027 setzte sich im Juli zunächst Vincentz' Lager durch, Helferichs Anhänger blockierten die Versammlung zeitweise mit zahlreichen Kandidaturen.

Die Bundespartei reagierte mit einer Untersuchungskommission und im September mit Ordnungsmaßnahmen gegen beide Seiten. Am 21. September leitete der Bundesvorstand ein Ausschlussverfahren gegen NRW-Schatzmeister Christian Blex ein, einen Vincentz-Unterstützer. Dessen Mehrheit im Landesvorstand schrumpft dadurch nach WDR-Angaben von 7:5 auf 6:5.

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