UN-Generalversammlung

Afrika verzerrt: Vereinte Nationen beschließen neue Weltkarte

Die bisherige Mercator-Karte verzerrt die Flächenverhältnisse der Kontinente. Eine UN-Resolution soll nun Abhilfe schaffen - welche Karten sind betroffen?

4 Min
Schülerin hält eine Weltkarte

Schülerin hält eine Weltkarte

© imago

Die UN-Generalversammlung hat für eine stärkere Verwendung flächentreuer Weltkarten gestimmt. Die von Togo vorgelegte Resolution „Correct the Map“ erhielt 164 Ja-Stimmen, eine Gegenstimme und sechs Enthaltungen, wie das offizielle Abstimmungsergebnis der Vereinten Nationen zeigt. Die USA stimmten als einziges Land dagegen; Estland, Georgien, Litauen, Moldau, Serbien und die Ukraine enthielten sich, berichtet die Nachrichtenagentur AP.

Die Resolution ruft Staaten, internationale Organisationen, Schulen, Medien und Technologieunternehmen dazu auf, bei Weltkarten stärker auf flächentreue Darstellungen wie die Equal-Earth-Projektion zu setzen. Diese zeigt die Größenverhältnisse der Kontinente genauer als die weitverbreitete Mercator-Projektion, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Verpflichtend ist die Entscheidung nicht. Sie verbietet Mercator-Karten nicht und schreibt auch keinen sofortigen Austausch bestehender Karten vor. Die unmittelbaren Folgen hängen daher davon ab, ob Regierungen, Bildungseinrichtungen, Medien und Unternehmen der Empfehlung folgen.

Die USA stimmten als einzige Nation gegen eine Reform der Weltkarte.

Die USA stimmten als einzige Nation gegen eine Reform der Weltkarte.

© Bianca Otero/ZUMA Press Wire/dpa

Warum Afrika auf Mercator-Karten kleiner wirkt

Die im Jahr 1569 entwickelte Mercator-Projektion vergrößert Flächen umso stärker, je weiter sie vom Äquator entfernt liegen. Deshalb erscheint Grönland auf Weltkarten mitunter annähernd so groß wie Afrika. Tatsächlich ist der afrikanische Kontinent fast 14-mal größer, wie das französische Außenministerium erläutert.

Die Verzerrung beruht darauf, dass sich die gekrümmte Oberfläche der Erde nicht ohne Abweichungen auf einer flachen Karte abbilden lässt. Mercator bewahrt lokale Winkel und eignet sich deshalb für die Navigation. Für den Vergleich von Flächen ist die Projektion dagegen ungeeignet.

Die Resolution stellt die weitere Verwendung von Mercator-Karten in der See- und Luftfahrt ausdrücklich nicht infrage, erklärte die togolesische Regierung laut Reuters. Navigationskarten müssen infolge der Abstimmung daher nicht ersetzt werden.

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Equal Earth zeigt Flächen im richtigen Verhältnis

Die Equal-Earth-Projektion wurde im Jahr 2018 von Bojan Šavrič, Tom Patterson und Bernhard Jenny vorgestellt. Sie bildet Flächen im richtigen Verhältnis zueinander ab und soll die Umrisse der Kontinente zugleich möglichst ausgewogen darstellen, erklären die Entwickler in ihrer wissenschaftlichen Veröffentlichung.

Auch Equal Earth kann die Erdoberfläche jedoch nicht in jeder Hinsicht unverzerrt abbilden. Während die Flächenverhältnisse stimmen, verändern sich teilweise die Formen und Entfernungen. Die Projektion eignet sich deshalb vor allem für Weltübersichten, bei denen Größenvergleiche wichtiger sind als die Navigation.

Afrika, Südamerika und andere Gebiete in der Nähe des Äquators erscheinen auf solchen Karten im Verhältnis deutlich größer. Europa, Nordamerika, Russland und Grönland nehmen dagegen weniger Raum ein als auf Mercator-Karten. Die Kontinente selbst werden dadurch nicht vergrößert – lediglich ihre Größenverhältnisse werden wirklichkeitsnäher dargestellt.

Folgen für Schulen, Medien und Behörden

Konkrete Veränderungen sind zunächst vor allem bei Schulbüchern, Atlanten, Behördenkarten und Weltkarten in den Medien zu erwarten. Togo will seine Unterrichtsmaterialien noch im Jahr 2026 umstellen und innerhalb von sechs Monaten mit anderen Staaten, internationalen Organisationen und Technologieunternehmen über eine breitere Verwendung flächentreuer Karten beraten, sagte Außenminister Robert Dussey gegenüber Reuters.

Frankreich hat bereits eine praktische Konsequenz angekündigt. Das Außenministerium werde Mercator-Karten bei seiner diplomatischen Arbeit künftig durch Darstellungen ersetzen, die dem jeweiligen Verwendungszweck angepasst sind und Flächen realitätsnäher zeigen.

„Eine andere Karte verändert natürlich nicht die Welt. Aber eine Darstellung zu korrigieren, die sie verzerrt, ist bereits ein Akt der Wahrheit“, erklärte Außenminister Jean-Noël Barrot nach Angaben seines Ministeriums.

Auswirkungen auf Staatsgrenzen, Gebietsansprüche oder den rechtlichen Status umstrittener Regionen hat die Resolution nicht. Darauf verwies die EU-Vertretung bei den Vereinten Nationen ausdrücklich. Auch digitale Kartendienste sind nicht zu einer Umstellung verpflichtet und können Mercator-basierte Darstellungen für interaktive Straßenkarten und Navigation weiterhin verwenden.

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