Hohe Energiekosten

Alles wird teurer: VdK-Präsidentin Bentele fordert sozialen Ausgleich für Ärmere

Hohe Benzinkosten, teures Heizen – für Verbraucher wird es ein harter Winter. Was kann die Politik dagegen unternehmen?

Anne-Kattrin Palmer Fabian Hartmann
3 Min
Tanken wird immer teurer. Laut ADAC sind die Preise so hoch wie lange nicht mehr.

Tanken wird immer teurer. Laut ADAC sind die Preise so hoch wie lange nicht mehr.

© dpa/Carsten Koall

VdK-Präsidentin Verena Bentele sagte der Berliner Zeitung: „Geringverdiener und Menschen, die von Grundsicherung leben, sind am stärksten von den steigenden Energiepreisen betroffen. Die Bundesregierung muss hier endlich einen sozialen Ausgleich schaffen.“ Bentele fordert, dass in der Grundsicherung und bei Hartz IV die Wohn-, Heiz- und Stromkosten an aktuellen Preisen berechnet und jährlich angepasst werden müssen.

Vor allem für Energie (plus 14,3 Prozent) mussten Verbraucher im September nach Angaben des Statistischen Bundesamts deutlich tiefer in die Tasche greifen als ein Jahr zuvor. Heizöl verteuerte sich innerhalb eines Jahres um 76,5 Prozent. Auch die Preise für Erdgas (plus 5,7 Prozent) und Strom (plus 2,0 Prozent) zogen an. Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich überdurchschnittlich um 4,9 Prozent. Und auch Sprit kostete 28,4 Prozent mehr. Laut ADAC stieg ein Liter Super E10 aktuell um 3,8 Cent im Vergleich zur Vorwoche auf 1,647 Euro. Ein Liter Diesel kostet im Schnitt 1,526 Euro – plus 4,8 Cent. Damit sind die Kraftstoffpreise so hoch wie lange nicht.

Ökonomen sprechen von einem vorübergehendem Problem

Aus Sicht von Ökonomen ist die aktuelle Teuerungsrate allerdings kein Grund zur Sorge. „Innerhalb des Euro-Raums ist die Inflation vor allem ein deutsches Problem – und viel spricht dafür, dass der deutsche Preisaufschub vorübergehend bleibt“, sagt Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Da die Inflation im Vergleich zum Vorjahr gemessen wird, fallen die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung und der neue CO2-Preis zum Jahresbeginn nun statistisch ins Gewicht – 1,3 Prozentpunkte der aktuellen Inflation seien darauf zurückzuführen, so Dullien. Die Energiepreise sind zwar stark gestiegen. Allerdings seien sie in der Corona-Krise zuvor auch abgestürzt. Auch hier handele es sich also um Sondereffekte. Dullien rechnet damit, dass die Inflationsrate ab Januar 2022 deutlich fällt und im Jahresverlauf wieder bei zwei Prozent liegt. „Für einen Eingriff der Europäischen Zentralbank gibt es keinen Grund“, sagte Dullien der Berliner Zeitung.

Auch der Konjunkturchef des Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser, warnt davor, die Geldpolitik etwa durch Zinserhöhung zu straffen. „Solange die Inflation durch temporäre Phänomene oder einzelne Komponenten wie Energie getrieben ist, sollten die Notenbanken abwarten“, sagt der Wissenschaftler. Auch das Ifo-Institut hat nach Ende der Corona-Beschränkungen – etwa bei Restaurants oder Friseuren – kräftige Preissteigerungen beobachtet. „Seit dem Spätsommer nimmt die Preisdynamik bei Waren und Dienstleistungen aber schon wieder ab“, sagte Wollmershäuser der Berliner Zeitung. Solange die Lohnentwicklung moderat bleibe, werde die Inflationsrate „im kommenden Jahr wieder spürbar sinken“.

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