POTSDAM. Zur vorletzten Runde der Koalitionsverhandlungen am Freitag gibt sich SPD-Regierungschef Manfred Stolpe bester Laune. Die zunehmenden Spekulationen um Zusammensetzung und Zuschnitt seines neuen Kabinetts, grinst er breit, bereiteten ihm Freude: "Es stimmt fast nichts." Unterdessen wächst in beiden Parteien, aber auch unter jenen, die im neuen Kabinett dabei sein wollen, die Nervosität. Offenkundig ist die Verteilung der Posten, über die die Koalitionäre in spe erst am Sonntag verhandeln wollen, allenfalls zwischen ihren Wortführern vorabgestimmt.Auf SPD-Seite als sicher gelten derzeit nur der Regierungschef und die Finanzministerin Wilma Simon. Die allerdings nur unter dem Vorbehalt, dass ihr Sparkurs nicht gefährdet wird. Als Ersatz für Simon stünde Wolfgang Hackel parat, bisher CDU-Fraktionschef. Wahrscheinlich ist, dass Bauminister Hartmut Meyer seinen Posten behält. Vor allem, weil ihm sonst Chancen auf den Fraktionsvorsitz eingeräumt werden. Mit dem machtbewussten Meyer drohte Stolpe ein starker Widerpart im Palament. Doch schon beim Meyer-Ministerium ist offen, ob es erhalten bleibt. Allseits wird davon ausgegangen, dass Jörg Schönbohm das Wirtschaftsministerium übernimmt. Aus Gründen der öffentlichen Wahrnehmung, aber auch, weil er als ungebundener CDU-Fraktionschef für Stolpe eine Gefahr darstellte. Dafür wird der CDU-Chef eine Stärkung des Ressorts einfordern: Zum Beispiel ein Wirtschafts- und Infrastrukturministerium nach Thüringer Muster. In der Diskussion ist aber auch ein "Zukunftsministerium", das Wirtschaft und Wissenschaft vereint. Dies würde die Zukunft von SPD-Chef Steffen Reiche in Frage stellen. Ginge die Wissenschaft an Schönbohm, wäre die Kultur dem Bildungsministerium zuzuschlagen. Dafür gilt die CDU-Frau Beate Blechinger als aussichtsreichste Kandidatin. Nicht nur, weil sich die CDU im Wahlkampf in der Bildungspolitik engagiert hat. Aus innerparteilichen Rücksichten kann die Frauen-Quote nicht völlig außer Acht gelassen werden. Doch spricht viel dafür, dass Stolpe Reiche nicht fallen lässt. Er zählt zu den Begründern der Ost-SPD und steht dem Landesverband seit fast zehn Jahren vor. Ein anderes Ministeramt für Reiche spekuliert wird mit der Nachfolge von Regine Hildebrandt gilt als unwahrscheinlich. Daher dürfte die Kabinettsreform kleiner ausfallen und Reiche seinen Posten behalten. Wer Hildebrandt nachfolgt, ist ungewiss: Die SPD will das Ressort nicht abgeben, hat aber keinen Nachfolger. Besiegelt scheint nur die Zusammenlegung von Agrar- und Umweltministerium. Dafür kommen SPD-Fraktionschef Wolfgang Birthler und der bisherige Agrarminister Gunter Fritsch in Frage. Doch selbst Birthlers SPD-Unterbezirk Uckermark spricht sich für Fritsch aus. Genauso wie der Fraktions-Agrarpolitiker Karsten Wiebke.Beim Justiz- und beim Innenressort ist sogar die Parteienverteilung noch offen. Erhebt die CDU Anspruch auf das Innenressort, könnte der bisherige SPD-Amtschef Alwin Ziel Justiz übernehmen. Der als CDU-Kandidat gehandelte einstige Schweriner Innenminister Armin Jäger rechnet sich keine Chancen aus: Er habe von den Spekulationen aus der Presse erfahren, sagte Jäger am Freitag. Der ihm gut bekannte Schönbohm habe ihn noch nicht gefragt.KOALITIONSVERHANDLUNGEN Am Sonntag müssen sich SPD und CDU über die neue Landesregierung einigen // Manfred Stolpe (SPD) wird Regierungschef bleiben. // Steffen Reiche (SPD) ist wieder als Kulturminister im Gespräch. // Wolfgang Birthler (SPD) wird als Umweltminister genannt // Beate Blechinger (CDU) könnte Bildungsministerin werden // Jörg Schönbohm (CDU) wird neuer Wirtschaftsminister // Wilma Simon (SPD) wird weiter das Finanzressort leiten. // Alwin Ziel (SPD) ist als Innen- oder Justizminister im Gespräch // Hartmut Meyer (SPD) soll als Bauminister im Amt bleiben // Gunter Fritsch (SPD) ist als Umweltminister im Gespräch. // "Die Spekulationen um die Zusamen- setzung des neuen Kabinetts bereiten mir Freude. " M. Stolpe
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