Auszeichnungen

Alternativer Nobelpreis geht an vier Preisträgerinnen auf drei Kontinenten

Die diesjährigen Auszeichnungen würdigen den Einsatz für Menschenrechte und Demokratie sowie gegen Diskriminierung und die Macht großer KI-Konzerne.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Ole von Uexküll verkündet die Preisträger des Right Livelihood Award während einer Pressekonferenz im Kulturhaus in Stockholm.

Ole von Uexküll verkündet die Preisträger des Right Livelihood Award während einer Pressekonferenz im Kulturhaus in Stockholm.

© Jessica Gow/dpa

Der Alternative Nobelpreis 2026 geht an die pakistanische Menschenrechtsanwältin Jalila Haider, die äthiopisch-US-amerikanische KI-Forscherin Timnit Gebru sowie an zwei von Frauen geführte Organisationen aus Georgien und dem südlichen Afrika. Das gab die Right-Livelihood-Stiftung am Mittwoch in Stockholm bekannt.

Ausgewählt wurden die Preisträgerinnen laut der Nachrichtenagentur dpa aus 200 Nominierungen aus 72 Ländern. Die Preisverleihung findet am 1. Dezember in Stockholm statt.

Die Stiftung würdigt nach eigenen Angaben Menschen und Gruppen, die sich gegen Systeme zur Wehr setzen, die Menschen an den Rand drängten. Geschäftsführer Ole von Uexkull, Neffe des Gründers, erklärte laut der Agentur AFP, die Ausgezeichneten schrieben Regeln neu, von denen „Autokraten, Patriarchen und die mächtigsten Männer des Silicon Valley glaubten, sie allein dürften sie schreiben“.

Erste Hazara-Anwältin kämpft für Minderheit

Die 1984 geborene Jalila Haider ist nach Angaben der Right-Livelihood-Stiftung die erste Anwältin aus der schiitisch-muslimischen Minderheit der Hazara in Pakistan. Ihre 2011 gegründete Kanzlei hat demnach mehr als 7000 Fälle übernommen und unter anderem die Wiederherstellung der Bewegungsfreiheit für 600 politische Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger erstritten.

Menschenrechtsanwältin Jalila Haider aus Pakistan

Menschenrechtsanwältin Jalila Haider aus Pakistan

© Right Livelihood/dpa

Im Jahr 2018 zwang Haider mit einem siebentägigen Hungerstreik gegen gezielte Tötungen von Hazara den Chef der pakistanischen Streitkräfte an den Verhandlungstisch, wie die Stiftung mitteilte.

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Frauennetzwerk schützt Land und Saatgut

Die Rural Women's Assembly wird laut Right Livelihood für den Zusammenschluss von mehr als 178.000 Kleinbäuerinnen in elf Ländern des südlichen Afrikas ausgezeichnet. Das Netzwerk verteidige Land, Saatgut und Selbstbestimmung gegen Agrarkonzerne und patriarchale Strukturen.

Mercia Andrews, regionale Koordinatorin der Bewegung Rural Women

Mercia Andrews, regionale Koordinatorin der Bewegung Rural Women's Assembly von Kleinbäuerinnen im südlichen Afrika

© Right Livelihood/dpa

Nach Angaben der Nachrichtenagentur epd hat die Organisation an 24 Standorten hunderte indigene Saatgutsorten dokumentiert und schützt sie vor Kommerzialisierung.

Repressionen gegen georgische Juristen

Die 1994 gegründete Georgian Young Lawyers' Association (GYLA) wird laut dpa für ihren Einsatz zum Schutz der Demokratie in Georgien geehrt. Die Anwaltsvereinigung habe seit ihrer Gründung 1,5 Millionen kostenlose Rechtsberatungen geleistet und vor Gericht Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen sowie einen freien Bildungszugang für Kinder erstritten.

Tamar Oniani, vorsitzende der georgischen Organisation Georgian Young Lawyers

Tamar Oniani, vorsitzende der georgischen Organisation Georgian Young Lawyers' Association

© -/Right Livelihood/dpa

Nach den seit 2024 verschärften Regeln für ausländisch finanzierte Organisationen musste die Organisation bis 2026 alle neun regionalen Büros schließen. Mitarbeiter seien laut Stiftung bedroht und als Verräter bezeichnet worden.

Forscherin warnt vor Macht der KI-Konzerne

Die 1983 in Äthiopien geborene Timnit Gebru forscht nach Angaben von AFP in den USA zu den Risiken Künstlicher Intelligenz und leitet das von ihr gegründete Institut DAIR. Gebru war 2020 von Google entlassen worden, nachdem sie in einer wissenschaftlichen Arbeit vor verzerrten Datensätzen, ökologischen Kosten und weiteren Risiken großer Sprachmodelle gewarnt hatte. Sie ist zudem Mitgründerin der Initiative Black in AI, die sich für mehr Teilhabe schwarzer Menschen in der KI-Forschung einsetzt.

Die US-Informatikerin Timnit Gebru

Die US-Informatikerin Timnit Gebru

© Right Livelihood/dpa

Der Right Livelihood Award wurde 1980 vom schwedisch-deutschen Philanthropen Jakob von Uexkull ins Leben gerufen und wird traditionell kurz vor den Nobelpreisen bekanntgegeben.

Zu den bekannten früheren Preisträgern zählen laut AFP der belarussische Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki, der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden und die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg.

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