Die Online-Plattform Telepolis kündigt die Kooperation mit dem Deutschen Presserat auf, wie der Chefredakteur Harald Neuber am Wochenende in seinem eigenen Onlinemedium bekannt gab. Der Grund ist demzufolge ein „Hinweis“, den der Presserat wegen der Beschwerde eines Lesers aussprach, obgleich Telepolis dieser Beschwerde vehement widersprochen habe. Zudem habe es Gründe für den Widerspruch vorgebracht. Neuber zeichnete die Genese des Falls in seinem Statement nach.
So habe Telepolis am 6. Dezember 2024 durch einen Leser den Hinweis bekommen, dass es in einem Artikel über den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj einen Übersetzungsfehler gebe. Neuber: „Wir korrigierten den Fehler schnell und transparent, dokumentierten ihn gemäß unserer Redaktionsrichtlinien und hakten die Sache als erledigt ab.“ Gemäß der eigenen Qualitäts- und Transparenzkriterien habe man den Fehler und die Korrektur unter dem Text öffentlich gemacht. Und das alles zeitnah zur Erstpublikation.
„Polemische und falsche Behauptungen über unsere Redaktion“
Dann habe ihn der Presserat informiert, es habe jemand Beschwerde eingelegt. „Der Presserat folgte dem Beschwerdeführer“, so Neuber weiter, „und sprach einen ‚Hinweis‘ gegen Telepolis aus“. Ein „Hinweis“ wird laut den Presserat-Statuten dann ausgesprochen, wenn ein Verstoß gegen den Pressekodex festgestellt, aber nicht für schwerwiegend genug gehalten wird, um eine „Rüge“ auszusprechen. Ein Hinweis wird lediglich dem betroffenen Medium zugestellt, jedoch nicht veröffentlicht.
Neuber, der Telepolis zwischen Mainstream und Alternativmedium einordnet, legte Widerspruch ein. Dem Beschwerdeführer, so seine Argumentation, sei es weniger um die Korrektur eines Fehlers, denn um eine „polemische und falsche Behauptung über unsere Redaktion“, gegangen, da diese angeblich „russische Narrative“ übernähme und die Autoren „nicht zu unterschätzen“ seien. „Wäre es ihm nur um eine Korrektur gegangen, wäre dies über das Meldefeld unter dem Text, per Mail, im Forum, per Telefon, über Social Media und sogar noch per Fax möglich gewesen.“
Der Telepolis-Chefredakteur moniert, dass sich das Gremium offenbar nur sehr oberflächlich mit dem Fall befasst“ hat. Ihm sei nicht ersichtlich, wie dies „zur Motivation oder Verhaltensänderung der Redaktion beitragen soll“. Neuber weiter: „Der Presserat hat sich mit einem solchen Vorgehen mithin jegliche Chance verspielt, als professionelles, selbstkritisches und lernfähiges Gremium zu erscheinen. Stattdessen offenbarte er Behäbigkeit, Selbstgefälligkeit und Sturheit.“
Wandlung zum politischen Kampagnengremium?
Neuber weiß, wie das Gremium künftig besser arbeiten könnte: „Eingaben könnten nur noch angenommen werden, wenn sich der Beschwerdeführer vorab nachweislich um Korrektur des vermeintlichen oder tatsächlichen Fehlers bemüht hat.“ Er bezweifelt allerdings, dass der Presserat das überhaupt möchte? „Hat er sich womöglich zu einem politischen Kampagnengremium gewandelt, dessen Mitglieder sich in dieser Rolle – großzügig finanziert – gefallen?“
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Neuber ist seit 2021 Chefredakteur von Telepolis. Seine anfängliche Haltung zum Presserat beschrieb er seinerzeit so: „Trotz aller Kritik in der Branche am Deutschen Presserat ist es mir wichtig, die Zusammenarbeit mit diesem Gremium fortzusetzen. Ich glaubte und glaube weiterhin an den Wert einer solidarischen und professionellen Selbstkontrolle der freien Presse.“ Dies darf nun als obsolet angesehen werden. „Angesichts des jüngsten Falls, der einem Schildbürgerstreich ähnelt, sehe ich in der Kooperation keinen Sinn mehr.“
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