BERLIN. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will seiner Partei wieder mit einem Nein zu einem Krieg zum Wahlerfolg verhelfen. Am Wochenende forderte er den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan bis 2015. Damit setzte Schröder den Kanzlerkandidaten seiner Partei, Frank-Walter Steinmeier, erheblich unter Druck.Schröder sagte bei einer Veranstaltung in Westfalen, in den nächsten fünf Jahren müsse der Einsatz internationaler Truppen in Afghanistan beendet sein: "Wir brauchen ein Datum", erklärte Schröder einen Tag nach dem von der Bundeswehr angeordneten verheerenden Luftangriff in Nordafghanistan.Schröders Satz weckte Erinnerungen an das Jahr 2002. Damals verweigerte er eine deutsche Beteiligung am sich abzeichnenden Irak-Krieg. Das sicherte der SPD den Wahlsieg. Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, will zwar nach der Wahl mit den Afghanen einen Abzugsfahrplan für die Bundeswehr verhandeln. Doch lehnte er es bislang ab, einen Zeitpunkt für das Ende des Einsatzes zu nennen.Steinmeier sagte der Süddeutschen Zeitung, die internationale Truppenpräsenz werde länger als 2015 dauern. Dabei könne es sich nur um einen Zeitraum von Jahren, nicht aber von Jahrzehnten handeln. "Aber eine konkrete Jahreszahl könnte in Afghanistan von den Falschen als Ermutigung verstanden werden." SPD-Parteichef Franz Müntefering wandte sich in der ARD ebenfalls gegen eine konkrete Festlegung.Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach gestern Abend eine umfassende Aufklärung des umstrittenen Nato-Luftangriffs gegen die Tanklaster. Deutschland werde der Nato alle relevanten Informationen bereitstellen, sagte sie. "Wenn es zivile Opfer gegeben hat, dann werde ich das natürlich zutiefst bedauern." Zugleich kündigte sie eine neue Afghanistan-Konferenz noch in diesem Jahr an mit dem Ziel, Afghanistan verstärkt auf einen Abzug internationaler Truppen vorzubereiten.Derweil wächst die Kritik an der Informationspolitik von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Dieser erklärte erneut, es seien nur Aufständische getötet worden. Dagegen gehen Nato, EU, Isaf und afghanische Behörden davon aus, dass mehrere Zivilisten starben.Vizekanzler Steinmeier übte indirekt Kritik an Jung, indem er auf zivile Opfer verwies. "Entscheidend ist, dass der Vorfall schnellstmöglich und rückhaltlos aufgeklärt wird. Wir müssen deutlich machen, dass wir alles tun, um zivile Opfer zu vermeiden", sagte Steinmeier der Berliner Zeitung. Eines sei klar: "Wir werden die Taliban nur besiegen, wenn wir die Unterstützung der afghanischen Bevölkerung haben und gemeinsam gegen den Terrorismus vorgehen."Die Grünen forderten eine Regierungserklärung der Kanzlerin im Bundestag zum Vorfall.Tagesthema Seite 2 Leitartikel Seite 4------------------------------"Es darf keinen Krieg gegen die Zivilbevölkerung geben." Grünen-Chefin Claudia Roth
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