BERLIN. Mit demonstrativen Beileidsbezeugungen hat die Bundesregierung am Freitag versucht, die politischen Folgen der Ermordung einer Ägypterin in Dresden zu minimieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach am Rande des G8-Gipfels Ägyptens Präsident Husni Mubarak ihre Anteilnahme aus. Sie habe ihre Empörung über die Tat geäußert und im Namen der deutschen Bevölkerung kondoliert, so ein Sprecher. Außenminister Frank-Walter Steinmeier schrieb in einem Beileidstelegramm an seinen ägyptischen Kollegen Ahmad Ali Abul-Gheit: "Wir stehen dafür ein, dass sich in Deutschland jeder ungeachtet seiner Herkunft, seiner Nationalität oder seines Glaubens sicher fühlt." Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie hätten in Deutschland keinen PlatzEin aus Russland stammender Deutscher hatte die 31 Jahre alte schwangere Marwa S. am 1. Juli im Landgericht Dresden mit 18 Messerstichen getötet. Das Gericht wollte eine Beleidigungsklage der Ägypterin gegen den 28-Jährigen Täter verhandeln. Er soll die Frau als "Islamistin", "Moslemschlampe" und "Terroristin" bezeichnet haben. Der Mann der Ägypterin, der zu Hilfe eilen wollte, wurde im Gerichtssaal von dem Täter verletzt und von einem Polizisten irrtümlich durch einen Schuss verwundet.Nach der Tat kam es in Ägypten zu Protestkundgebungen gegen Deutschland. In der ägyptischen Stadt Alexandria soll jetzt eine Straße nach der getöteten Frau benannt werden. Während es dort nach den ersten Protesten ruhig blieb, demonstrierten am Freitag im Iran mehrere hundert Menschen in Teheran gegen den Umgang mit der Bluttat in Deutschland. Der deutsche Botschafter wurde ins iranische Außenministerium einbestellt. Auch muslimische Organisationen in Deutschland warfen der Bundesregierung vor, nicht angemessen auf den rassistisch motivierten Mord reagiert zu haben.Eine für Sonnabend in Dresden geplante Trauerfeier, an der SPD-Chef Franz Müntefering und Vertreter des Zentralrats der Muslime teilnehmen wollen, soll helfen, die politischen Wogen in dem Aufsehen erregenden Fall weiter zu glätten.
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