Amerikanische Airportbetreiber wollen ab Januar Flugplatz Drewitz zum Frachtzentrum ausbauen

Luftbrücke in die Lausitz?

Jürgen Schwenkenbecher
4 Min

FORST. Der Flugplatz Drewitz gilt als nicht sonderlich aufregend. Neun Angestellte reichen derzeit aus, um das magere Aufkommen an Geschäfts- und Sportfliegern abzufertigen. Noch im Januar 2004 stufte ein Cottbuser Ökonomieprofessor den Flugplatz als wirtschaftlich bedeutungslos ein. Geht es nach der Ankündigung des Landrats von Spree-Neiße, Dieter Friese (SPD), soll sich das Gutachten des Professors ein Jahr später als überholt erweisen. Am Montag unterzeichnete Friese einen Vorvertrag, der den Betreibern des internationalen Flughafens von Erie (US-Bundesstaat Pennsylvannia) die Übernahme des Flugplatzes zusichert. Das neu gegründete Tochterunternehmen Erie Drewitz International (EDI) will am östlichsten Flugplatz Deutschlands, mitten in der Lausitz, ein Logistikzentrum errichten. 25 bis 30 Millionen Euro wollen die Erie-Betreiber in das Projekt fließen lassen, von Fördermitteln ist nicht die Rede. Zu Einzelheiten, was transportiert werden soll und welche Cargo-Fluggesellschaften eingebunden sind, will der Landrat nichts sagen. "Über die wirtschaftlichen Aktivitäten haben wir Stillschweigen vereinbart", sagte Friese, der am Wochenende von einer Reise nach Erie zurückkehrte. Er kündigte aber an: "Wir geben alle Unterstützung, verwaltungstechnisch und politisch." Die politische Unterstützung wird auch nötig sein - vor allem aber die vom Land. Denn der Plan von einer Luftbrücke in die Lausitz ist zwar nicht neu, aber nach wie vor nicht unumstritten. So gern Investoren in Brandenburg gesehen sind, so kompliziert wird die Sache, wenn davon die Belange des Flughafens Berlin Brandenburg International BBI betroffen sind. Dort soll der internationale Flugverkehr für die Region gebündelt werden. Deshalb darf auch die Billigfluglinie Ryanair nicht Neuhardenberg anfliegen. Im Falle Drewitz wäre eine Zurückweisung amerikanischer Investoren durch die Landesbehörden allerdings pikant. Denn ausgerechnet das Potsdamer Wirtschaftsministerium und die landeseigene Zukunftsagentur Brandenburg hatten die nach Europa drängenden Unternehmer auf die Idee mit Drewitz gebracht. Im Oktober 2002 flogen der damalige Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) und Landrat Friese eigens nach Erie, um ein "Memorandum of agreement" zu unterzeichnen. Auch zwei Jahre später ist Friese gewiss, dass das Land hinter dem Projekt steht. So sicher ist das freilich nicht. Zwar teilte der Fürniß-Nachfolger Ulrich Junghanns (CDU) - nach seinen Worten war das Land in die Beratungen aktiv eingebunden - am Wochenende mit, das Land wolle die Luftbrücke "verkehrsrechtlich" unterstützen. Doch das für das Verkehrsrecht zuständige Infrastrukturministerium will in die Freundlichkeiten nicht einstimmen. Etwaige Anträge, dass in Drewitz künftig auch große Maschinen ständig landen und starten dürfen, würden an der Luftverkehrskonzeption gemessen - und die stelle eben Schönefeld in den Mittelpunkt, heißt es. Die Flughafengesellschaft hatte schon mehrmals deutlich gemacht, dass in Schönefeld genug Platz sei.Schönefeld stand für die Amerikaner aber nie zur Debatte. "Wir brauchen einen uneingeschränkten 24-Stunden-Betrieb", sagte der Erie-Vertreter Günter Jucho. Der sei in Schönefeld nicht gegeben. Schon der Planfeststellungsbeschluss schreibe vor, dass nachts nur leisere Flugzeuge zugelassen sind. "Die schweren Transportmaschinen sind einfach zu laut", sagte Jucho. "Wir betrachten uns als Ergänzung zum BBI." Besonders amerikanische Firmen seien an dem Projekt "sehr offensiv interessiert". Sie erhofften sich so die Märkte in Osteuropa zu erobern. Auch Landrat Friese ist an einem schnellen Geschäftsabschluss interessiert. Denn der Flugplatz ist stark defizitär. Allein 380 000 Euro stellt der Landkreis als Hauptgesellschafter für 2005 bereit, um die Verluste auszugleichen. Davon übernimmt EDI die Hälfte, sagt Friese. "Wir sparen Geld und bekommen Arbeitsplätze." In Erie seien durch eine Freizone, die auch für Drewitz beantragt werde, einige hundert Arbeitsplätze entstanden.------------------------------Tower mit Fahrstuhl // Drewitz: Der Flugplatz Drewitz entstand aus einem ehemaligen DDR-Militärflugplatz. Nach der Wende wurde er mit 4,6 Millionen Euro gefördert. Er erhielt u.a. eine neue Anbindung, ein Abfertigungsgebäude und einen neuen Tower mit Fahrstuhl. Hauptgesellschaf-ter ist der Landkreis Spree-Neiße.Technik: Die Start- und Landebahn ist 2 484 Meter lang und 45 Meter breit. Zugelassen ist der Flugplatz bisher für Turboprop-Maschinen (30 Tonnen) und strahlgetriebene Flugzeuge (20 Tonnen). Größere Flugzeuge (bis 80 Tonnen) können auf Antrag landen und starten. Instrumentenflug ist möglich.Plan: Ab 1.1.2005 übernimmt die neu gegründete Gesellschaft Erie Drewitz International (EDI) den Flugbetrieb, 2006/07 auch die Eigentumsrechte.Investition: EDI will in Drewitz mit 25 bis 30 Millionen Dollar ein Logistikzentrum errichten. Dazu soll u.a. die Landebahn verlängert werden. Eine Freizone (keine Zölle) ist vorgesehen.------------------------------Karte: Drewitz, 15 Kilometer von Cottbus entfernt, war einst NVA-Flugplatz.------------------------------Foto: Frachtflugzeuge transportieren jedes Jahr zehntausende Tonnen Güter von Kontinent zu Kontinent. Vor allem bei hochwertigen Waren macht sich der schnelle, wenn auch teure Weg bezahlt.

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