Frösche, Kröten und Molche werden in Berlin immer seltener. Ein neuer Bericht der Stiftung Naturschutz Berlin zeigt, wie dramatisch die Amphibienbestände in der Hauptstadt zurückgegangen sind.
In Berlin wird es stiller an den Teichen und Pfuhlen: Die Bestände von Fröschen, Kröten und Molchen sind in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Das zeigt der neue Berliner Amphibienbericht der Stiftung Naturschutz Berlin. Für die Untersuchung wurden zwischen 2016 und 2023 mehr als 700 potenziell geeignete Gewässer im gesamten Stadtgebiet systematisch erfasst. Mehr als 60 Kartierende – darunter Fachleute, Studierende und Ehrenamtliche – dokumentierten dabei rund 13.000 Fundpunkte.
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Rückgang um 73,5 Prozent
Besonders deutlich wird der Rückgang bei größeren Populationen. An 162 Gewässern wurden zwischen 1978 und 2015 noch mehr als 100 erwachsene Amphibien nachgewiesen. Im Zeitraum 2016 bis 2023 waren es nur noch 43 Gewässer – ein Rückgang um 73,5 Prozent.
Betroffen sind dabei keineswegs nur seltene Arten. Auch Erdkröte, Teichmolch und Teichfrosch, die lange als vergleichsweise häufig und anpassungsfähig galten, kommen immer seltener in größeren Beständen vor.
Vom Moorfrosch bleibt nur ein Tier
Wie drastisch die Entwicklung ist, zeigt das Beispiel des Moorfroschs am Barssee im Grunewald. Anfang der 1980er-Jahre konnten dort regelmäßig mehr als 2000 erwachsene Tiere gezählt werden. Mitte der 1990er-Jahre waren es noch 100 bis 200. Bei der jüngeren Kartierung wurde schließlich nur noch ein einziges Moorfroschmännchen nachgewiesen.
Auch die Wechselkröte ist in Berlin fast verschwunden: Während in den 1990er-Jahren beispielsweise in den Falkenberger Rieselfeldern noch Laichgesellschaften mit rund 300 Tieren beobachtet wurden, lassen sich dort heute nur noch wenige Einzeltiere nachweisen.
Ein blau gefärbter männlicher Moorfrosch sitzt in einem Teich.
© Jens Büttner
Kaum eine Population in gutem Zustand
Auch die detaillierte Bewertung nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) zeichnet ein alarmierendes Bild. 235 Vorkommen wurden umfassend untersucht. Fast 90 Prozent der Populationen befinden sich dem Bericht zufolge in einem „ungünstig-schlechten“ Zustand. Bei der Habitatqualität wurden lediglich zwei Prozent als „günstig“ bewertet.
In der Gesamtbewertung erreichte keine einzige der untersuchten Amphibienpopulationen den angestrebten günstigen Erhaltungszustand. 72 Prozent wurden sogar als „ungünstig-schlecht“ eingestuft.
Viele Ursachen für den Rückgang
Die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig. Zu den wichtigsten Gefährdungen zählen der Verlust und die Verschlechterung von Laichgewässern, der Verlust von Landlebensräumen, Versiegelung und Entwässerung sowie Schadstoff- und Nährstoffeinträge.
Hinzu kommen Straßen und Schächte, invasive Arten wie Waschbär und Sumpfkrebs sowie eingeschleppte Krankheiten. Verschärft wird die Situation durch den Klimawandel: Längere Trockenphasen und zunehmende Hitzewellen setzen den ohnehin geschwächten Populationen zusätzlich zu.
Amphibien als Warnsignal
Dabei sind Amphibien mehr als eine einzelne Artengruppe unter vielen. Weil sie sowohl auf intakte Gewässer als auch auf geeignete Lebensräume an Land und funktionierende Verbindungen zwischen diesen Lebensräumen angewiesen sind, reagieren sie besonders empfindlich auf Veränderungen ihrer Umwelt. Ihr Verschwinden gilt deshalb auch als Warnsignal für den Zustand der Berliner Stadtnatur.
Auffällig ist zudem, dass mehr als die Hälfte der dokumentierten Amphibienvorkommen außerhalb von Schutzgebieten liegt. Stadtbrachen, Kleingärten, Friedhöfe, Parkanlagen und kleine Gewässer können deshalb eine wichtige Rolle für den Erhalt der Arten spielen.
Was jetzt passieren muss und wo die Hoffnung bleibt
Der Bericht sieht trotz der dramatischen Entwicklung noch Möglichkeiten für eine Kehrtwende. Empfohlen werden unter anderem die Renaturierung bestehender Gewässer, der Bau neuer Laichgewässer, die Aufwertung von Landlebensräumen und die Sicherung von Wanderkorridoren.
Außerdem sollen Gefahrenstellen an Straßen und Schächten entschärft, invasive Arten stärker kontrolliert und gefährdete Bestände gegebenenfalls durch wissenschaftlich begleitete Wiederansiedlungen unterstützt werden. Ein dauerhaftes Monitoring soll zeigen, ob die Maßnahmen Wirkung zeigen.
Der Amphibienbericht macht damit deutlich: Es geht nicht mehr nur darum, einzelne seltene Arten zu schützen. Viele Berliner Amphibienbestände sind inzwischen so klein, dass bereits lokale Arten auszusterben drohen.
Gleichzeitig bietet die jetzt vorliegende Datengrundlage die Möglichkeit, Schutzmaßnahmen gezielter zu planen. Die Stiftung Naturschutz Berlin sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf – aber auch noch die Chance, den Rückgang aufzuhalten.
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