An Straßenbäumen wurden seltsame Schäden entdeckt. Hunde könnten das angerichtet haben

Mit viel Biss

Claudia Fuchs
4 Min

Die Bäume sehen aus wie geschält: Die Rinde ist verschwunden, in dem hellen Holz darunter sind Rillen zu erkennen. Fast 40 beschädigte Bäume hat das Natur- und Grünflächenamt von Treptow-Köpenick in der Wattstraße und Umgebung in Oberschöneweide gezählt. Auffällig daran: Beschädigt sind die Bäume alle zur Bürgersteig-Seite.Im Bezirk Treptow-Köpenick ist man überzeugt, dass Hunde die Verursacher sind - und hat Anzeige bei der Polizei erstattet. "Die Rinde wurde regelrecht nach oben abgerissen, in der Holzschicht darunter sind Bissspuren", sagt Barbara Primus-Gyocsi von der Bauminspektion im Bezirk. Sie glaubt, dass Hundehalter ihre Tiere auf die Bäume gehetzt haben. "Ich habe so etwas im Schlesischen Busch gesehen. Dort lassen die Hundehalter ihre Tiere an Ästen hochspringen und sich festbeißen."Die Bäume in Oberschöneweide sind nicht die einzigen, die solche Spuren aufweisen. Auch an der Caroline-Michaelis-Straße am Nordbahnhof in Mitte wurden Bäume beschädigt. Und auch im Schlosspark Lichterfelde wurden Ende Mai Schäden an 15 Bäumen und Büschen festgestellt. Auch dort ist man überzeugt, dass die Spuren von so genannten Kampfhunden stammen. "Die Bäume weisen typische Verbiss-Spuren auf", sagt der Umweltstadtrat von Steglitz-Zehlendorf, Uwe Stäglin (SPD). Er sei schockiert, dass die Bäume mutwillig beschädigt wurden. Einige wiesen so schwere Verletzungen auf, dass "die Versorgung mit Nährstoffen nicht mehr gewährleistet" sei. Auch Steglitz-Zehlendorf hat Anzeige bei der Polizei erstattet.Dort sind derzeit nur die beiden angezeigten Fälle bekannt, einen Verdacht gibt es nicht. "Von weiteren Fällen ist uns auch nichts bekannt", sagt ein Polizeisprecher. Er könne aber nicht ausschließen, dass auch woanders Bäume solche Schäden aufweisen. "Normalerweise schalten die Bezirke bei Baumschäden ja nicht die Polizei ein."Jürgen Götte vom Straßen- und Grünflächenamt Mitte kennt solche Schäden ebenfalls - weiß aber, dass auch andere Tiere Spuren an der Baumrinde hinterlassen. "Bisamratten schälen die Bäume regelrecht ab", sagt er. Dabei werde die Rinde aber nur bis zu einer Höhe von etwa 60 Zentimetern entfernt, "höher kommen die Bisamratten nicht", so Götte. Allerdings seien die großen Nager nur dort zu finden, wo es Wasser gibt. "Im Tiergarten hatten wir mal welche. Ihr Wirkungskreis beträgt aber nur 200 bis 300 Meter um den Bau herum." Götte glaubt, dass die Schäden am Nordbahnhof von Hunden stammen. In flagranti habe man aber noch niemanden erwischt. Allerdings seien die Chancen, jemanden zur Verantwortung zu ziehen, sehr gering. "Machen Sie das mal, wenn der Kampfhund gerade am Baum hängt", sagt Götte. Tierarzt Roderich Sondermann aus Mahlsdorf, selbst Hundehalter und auf die Behandlung von Hunden spezialisiert, hat Zweifel, dass Hunde für all diese Schäden verantwortlich sind. "Von allein macht ein Hund so etwas nicht", sagt er. Natürlich würden Hunde gern auf Stöcken "herumkauen". Allerdings würden dabei nicht vorrangig die Fangzähne eingesetzt, sondern die Backenzähne. "Hunde sind keine Nager", sagt der Veterinär. Allerdings würden einige Halter ihre Hunde darauf trainieren, an Äste zu springen, um sich dort zu verbeißen. "Aber in vertikal stehende Bäume zu beißen - das kann ich mir nicht vorstellen.""Ich wüsste aber nicht, was es sonst für ein Tier sein könnte", widerspricht Barbara Primus-Gyocsi von der Bauminspektion Treptow-Köpenick. Sie vermutet sogar, dass einige Bäume an der Attacke zugrunde gehen. "In der Rinde verlaufen die Leitungsbahnen, wenn die vollständig unterbrochen sind, gehen die Bäume ein." Aber auch die anderen Bäume werden unter den Schäden leiden: "Fehlt die Rinde, sind die Bäume anfällig für Pilze."------------------------------Seit 2004 regelt ein Gesetz die HundehaltungRasselisten: Nachdem im Sommer 2000 ein fünfjähriger Junge in Hamburg von zwei Hunden zerfleischt wurde, definierten die Bundesländer sogenannte Rasselisten mit gefährlichen Arten und reglementierten deren Haltung.Kampfhunde: In Berlin wurden fünf Arten als besonders gefährlich eingestuft - Pitbull, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier Tosa Inu sowie ihre Kreuzungen. Halter brauchen seitdem eine Genehmigung, das Tier muss auf seine Wesensart untersucht werden.Hundegesetz: 2004 trat in Berlin ein Hundegesetz in Kraft, der Staffordshire Bullterrier wurde von der Rasseliste gestrichen. Seit 2000 wurden 7 201 gefährliche Hunde angemeldet, in Berlin gibt es insgesamt 100 000 Hunde.Beißvorfälle: Die Zahl der Beißvorfälle durch Kampfhunde ist rückläufig. Laut Senat wurden im Jahr 2001 exakt 106 Menschen verletzt, 2004 waren es 88, 2008 nur noch 23.------------------------------Foto (3) :Hunde oder Ratten? Der beschädigte Baum (linkes Foto) in der Wattstraße in Oberschöneweide weist Kratzspuren auf. Stark beschädigt wurde auch der andere Baum. Diese Schäden sind allerdings typisch für Bisamratten. Die großen Nager schälen den unteren Teil des Baumrinde regelrecht ab.Pitbull-Mischlinge gelten auch als gefährlich.

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