BERLIN. In der Partei Die Linke droht einer der prominentesten Vordenker und kritischen Köpfe ins Abseits zu geraten. Bei der Aufstellung der Bundesliste für die Europawahl im kommenden Juni hat André Brie, bisher Abgeordneter in Straßburg, nur noch geringe Aussichten auf eine Nominierung. Der geschäftsführende Parteivorstand der Linken machte gestern in Berlin einen Listenvorschlag, ohne dass sich Brie auf einem der aussichtsreichen Plätze findet. Reformer in der Partei sehen das als eine Art Strafmaßnahme gegen den unbequemen Politiker an.Brie war von 1990 bis 1992 PDS-Vizevorsitzender und vertritt die Partei seit 1999 als einer von gegenwärtig sieben Abgeordneten im Europäischen Parlament. Er hat wiederholt angemahnt, die Linke dürfe keine reine Protestpartei bleiben, sondern müsse sich programmatisch und politisch auf ein Regieren zusammen mit der SPD einstellen. Der 58-Jährige geriet auch mehrmals mit Ko-Parteichef Oskar Lafontaine in Konflikt. Dieser brauche "Opposition in der Partei", sagte Brie im vergangenen Jahr. Außerdem kritisierte er, der von der Linken geforderte Mindestlohn von 8,44 Euro könne kleine Betriebe überfordern. Auch in den Querelen der Dresdner Linken bezog der gebürtige Schweriner Stellung und machte sich so in den ostdeutschen Landesverbänden der Partei, in der eigentlich die Reformer dominieren, etliche Gegner.Bei der gestrigen Listenaufstellung hatte Brie zwar die Unterstützung seines Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern für eine erneute Kandidatur, wie Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sagte. Für die ersten 16 Plätze aber wurden andere Kandidaten nominiert, an der Spitze der Parteivorsitzende Lothar Bisky. Lafontaine nahm an der Sitzung nicht teil. Selbst bei einem guten Europa-Wahlergebnis im kommenden Juni rechnet die Parteispitze kaum mit mehr als rund einem Dutzend Linken-Abgeordneten in Straßburg. Brie will nun versuchen, noch auf einen der vorderen Listenplätze zu kommen. Die letzte Entscheidung liegt beim Europa-Parteitag in Essen Anfang März. Er sehe diesem Treffen "mit Gelassenheit entgegen", sagte Brie der Berliner Zeitung. Schließlich habe er in Straßburg "gute und anerkannte Arbeit" geleistet.
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