Angela Merkel und Gerhard Schröder amüsieren sich beim SPD-Fest, aber die Grünen sind die lieberen Gäste

Kanzlertreff

Holger Schmale
2 Min

Er trinkt Rotwein. Sie trinkt Weißwein. Er war Bundeskanzler, sie ist Bundeskanzlerin. Und noch nie seit dem Machtwechsel vor 20 Monaten waren die beiden einander so nah wie gestern Abend. Dicht aneinander gedrängt sitzen Gerhard Schröder und Angela Merkel am Biertisch unter einem weißen Sonnenschirm, der sich nun als nützlicher Regenschutz erweist. Die SPD-Bundestagsfraktion feiert ihr Sommerfest, und die CDU-Vorsitzende hält es aus Gründen der Klimapflege für angebracht, den Genossen Koalitionspartnern ihre Aufwartung zu machen. Dass es so kuschelig werden würde, hat sie wohl nicht erwartet. So klingt es zunächst auch gar nicht, als Fraktionschef Peter Struck das Fest eröffnet und fast wehmütig an rot-grüne Zeiten erinnert. Er begrüßt Schröder als einen "besonderen Freund, den wir alle schmerzlich vermissen". Und: "Ich will nicht verschweigen, lieber Gerd, dass es mir lieber wäre, wenn du heute noch Bundeskanzler wärst." Beifall. Dann begrüßt Struck die einstige Regierungspartnerin und Grünen-Kollegin Renate Künast sehr herzlich. Die große Koalition sei doch schwieriger als Rot-Grün, sagt er. "Vielleicht wird's mal wieder was."Alsdann begibt sich Künast zu dem Tisch, an dem Schröder schon sitzt, auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier, bald auch Ulla Schmidt und schließlich Jürgen Trittin. Eine kleine rot-grüne Kabinettsrunde, die sich prächtig amüsiert, bis Struck aufspringt, neue Gäste sind zu begrüßen. Die Kanzlerin kommt und wird unter einem roten Schirm zum Ehrentisch geleitet: Erst ein Händedruck mit Schröder, dann ein Knuff auf seine Schulter. Sie fädelt sich auf den Platz neben ihn, und dann plaudern die beiden bei dem einen und dem anderen Glas Wein sehr angeregt und heiter miteinander. Mag sein, dass die Grünen die lieberen Gäste sind. Aber sie ist die Kanzlerin, was hilft's - so könnte man auch manche Grimasse von Peter Struck verstehen. Es wird noch Currywurst gereicht, und nach einer guten höflichen Stunde verabschiedet sich Angela Merkel. Jetzt kann das Fest richtig losgehen.------------------------------Foto: Angela Merkel und Gerhard Schröder

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