Angestellte der Bildungsverwaltung lösen Konflikte zwischen Lehrern, Eltern und Schülern

Die drei von der Beschwerdestelle

Martin Klesmann
4 Min

Das Hochhaus der Bildungsverwaltung am U-Bahnhof Spittelmarkt, sechster Stock: Am Ende des Ganges hat Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) sein Büro - ein paar Türen davor sitzen die drei Mitarbeiter des neu geschaffenen Beschwerdemanagements innerhalb der Bildungsverwaltung. Hier laufen vor allem zahlreiche Klagen von Eltern auf - mehrere hundert waren es bisher. "Es gibt da so Dauerbrenner", sagt Oberschulrat Benno Linne. Bevorzugtes Beschwerde-Thema sei der Übergang von der Grundschule zur Oberschule. Wer kriegt eine Empfehlung fürs Gymnasium und wer nicht? "Und auch die Frage, warum mein Kind ausgerechnet an diese Grundschule muss, taucht immer wieder auf", sagt Linne.Gemeinsam mit der Juristin Helga Dittmann-Pätsch und dem Oberschulrat Dirk-Christian Stötzer bildet Linne seit April ein festes Team. Täglich gehen Mails und Anrufe bei ihnen ein, darunter von wütenden Eltern. Manchmal rufen sogar Großväter an. Die drei aus der Beuthstraße sehen sich als Problemlöser. "Wir haben Durchgriffsrecht auf alle Ebenen", sagt der selbstbewusste Oberschulrat Linne. Die Beschwerdemanager können die Schulleiter direkt telefonisch mit einem Problem konfrontieren, ohne dass sie die Erlaubnis des Abteilungsleiters oder der regionalen Schulaufsicht brauchen. Das mache vieles einfacher.Oft können die drei Beschwerdemanager helfen: Sie finden aufgrund ihrer Kontakte schnell eine neue Schule für einen Jungen, dessen Eltern sich mit dem Direktor der bisherigen Schule so sehr verkracht hatten, dass gar nichts mehr geht. Mitunter ermuntern die Beschwerdemanager aber auch Lehrer, sich bei Eltern und Schülern zu entschuldigen. Als zu Beginn des Schuljahres zu wenig Schulhelfer für behinderte Kinder da waren, nahm sich Linne der Sache an - und in drei Tagen war das Problem erst einmal gelöst, wie selbst betroffene Eltern bestätigen."Wichtig ist, dass alle wissen, was der Kern des Konflikts ist", sagt Helga Dittmann-Pätsch, auch ausgebildete Mediatorin. "Wir versuchen das Problem dann für alle Beteiligten optimal zu lösen."Besonders viele Anfragen und Beschwerden erhalten die drei Beschwerdemanager aus dem Berliner Südwesten. Man kann nur vermuten, dass die bildungsbürgerlichen Eltern aus Steglitz-Zehlendorf um den schulischen Erfolg ihrer Kinder besonders bemüht sind. Nahezu berüchtigt sind in der Verwaltung die Eltern aus Prenzlauer Berg. Sie gelten als sehr eigenwillig.Der besonnene Oberschulrat Stötzer ist im Team für die Schulorganisation zuständig, er ist viel unterwegs, berät Schulen. Letztens gab es zum Beispiel an einer Zehlendorfer Schule Klagen, dass dort 32 Schüler im Physikunterricht sitzen - der Physikraum aber nur 24 Plätze bietet. Stötzer schlug daraufhin einfach Teilungsunterricht vor - 16 Schüler lernen im Klassenzimmer erst einmal die Theorie, und die anderen 16 Schüler experimentieren im Physikraum. "Die eine zusätzliche Lehrerstunde haben wir noch gefunden", sagt Stötzer. Er hat sich auch darum gekümmert, dass bei den Ganztagsgrundschulen die Lehrer länger bleiben als bis mittags um halb zwei.Ein weiteres Thema ist der Unterrichtsausfall. Frau Dittmann-Pätsch erinnert sich an eine Mutter, die sich am Telefon bitter beklagt hatte, weil eine Lehrerin Unterricht ausfallen ließ, um zur Beerdigung einer verstorbenen Kollegin zu gehen. Dabei sei das doch nachvollziehbar. Für Oberschulrat Stötzer ist Unterrichtsausfall nicht immer etwas Schlimmes: "An einer Schule, an der kein Unterricht ausfällt, ist auch nichts los", sagt er. Schließlich würde ein Tag der offenen Tür, ein Museumsbesuch, eine Gedenkstättenfahrt statistisch gesehen immer als Unterrichtsausfall gewertet.Immer wieder gibt es besondere Aufreger. Dann steht das Telefon kaum still. Das war so, als die Klausuren für den Mittleren Schulabschluss wiederholt werden mussten, weil sie vorab bekannt geworden waren. Auch beim jüngsten Erzieher-Streik gab es viele Klagen. Da habe man vielen Anrufern erst einmal erklären müssen, dass der Senator sich in einen Tarifkonflikt gar nicht einmischen darf. Linne: "Es war ein bisschen wie Staatsbürgerkunde."Beschwerdestelle: Tel. 90 26 58 33, 90 26 54 52 oder 90 26 60 30.------------------------------Foto: Die Problemlöser Benno Linne, Helga Dittmann-Pätsch und Hans-Christian Stötzer (v. l.) in der Bildungsverwaltung

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner