Wahlkämpfer der Grünen stehen am Straßenrand und applaudieren jedem vorbeikommenden Radfahrer. Sie halten dabei Schilder hoch: „Grüne wählen!“, „Für mehr Radwege“. Der Applaus, hier an der Linienstraße, das ist direkte Ansprache. Man fühlt sich als strampelnder Radler gut und gewürdigt. Um auch die letzte Wählerstimme für sich zu bekommen, darf keine Mühe zu groß sein.
So wie alle Parteien machen die Grünen natürlich auch Haustürwahlkampf. Wer nicht aufpasste, dem konnte es passieren, dass bei ihm am Wochenende plötzlich Ricarda Lang vor der Wohnungstür stand.
„Wachsam sein“: Spranger setzt bei Wahlen auf „Gretchen-KI“
Aber man muss sich schon etwas einfallen lassen, um Wählerstimmen zu ergattern. Dabei sollte man sich nicht genieren und relativ schmerzfrei sein. Die Klatscher-Aktion am Straßenrand war schon nicht schlecht. Doch so richtig Stimmung kommt auf, wenn man sich das Tanzvideo der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Reinickendorfs anschaut. Man sieht, wie sich die fünf zappelnden Menschen auf die bevorstehenden Sommerferien freuen.
Viele Grüne sind ja bekanntlich Tanztalente. Aus dem Deutschen Bundestag kennen wir manchen Tanzfilm. Auch von den Grünen in Sachsen-Anhalt kursieren einige krasse Tanzvideos im Netz, die den dortigen Wahlkampf versüßen.
Grüne stehen am Straßenrand und applaudieren.
© Berliner Zeitung
Befürworter werten derartige Darbietungen als lockeren, modernen Umgang mit Politik und nahbaren Ausdruck von Lebensfreude. Irgendjemand wird sich davon bestimmt einfangen lassen für die dortige Landtagswahl am 6. September.
Am Freitag gibt’s in Kreuzberg gratis Pommes
Bei CDU und AfD gibt es bislang eher langweilige Infostände und einen Kugelschreiber als kleine Aufmerksamkeit. Das ist nicht so spannend wie die Geschenke der drei linken Parteien: So spendierten die Grünen vor einem Einkaufszentrum am Kurt-Schumacher-Platz in Reinickendorf kostenlos Eis. Und am Montagmorgen gaben der Spitzenkandidat Werner Graf, der gern Regierender Bürgermeister von Berlin werden möchte, und der Direktkandidat Bogusz Schmidt am Kurt-Schumacher-Platz Filterkaffee aus.
Und diesen Freitag, ab 17 Uhr, gibt es übrigens gratis Pommes frites. Werner Graf und die Bundesvorsitzende der Grünen, Franziska Brantner, spendieren am Kottbusser Damm in Kreuzberg 200 Portionen. Vielleicht lässt sich ja jemand mit frittierten Kartoffelstücken rumkriegen, um die Öko-Partei zu wählen.
Stets gut gelaunt: die Grünen, die gewählt werden möchten.
© Screenshot Facebook
Auch andere glauben, dass die Masche „Wes Brot ich ess …“ bei aufgeklärten Bürgern funktioniert. Die Kandidaten der Linken etwa verteilen Döner in Marzahn und in Schöneberg „Eis für alle!“ Und der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach verteilt in Steglitz-Zehlendorf Döner für drei Euro statt für acht. „Der Rest geht auf uns!“, lautet die SPD-Werbung.
Es gab ja auch schon mal einen SPD-Bundestagsabgeordneten in Köpenick, der auf seine Wiederwahl hoffte, indem er den Leuten Beutel mit Frühstücksbrötchen an die Wohnungs- und Gartentüren hängte. Genützt hat es ihm nichts. Vielleicht sollten die Sozis – nach dem Vorbild der Grünen – mehr Tanzeinlagen präsentieren.
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