Ölmarkt

Aramco räumt Zentrale: Ölpreis zieht nach Huthi-Attacken auf Saudi-Arabien an

Der saudische Ölkonzern schickt Mitarbeiter in Dhahran nach Hause. Brent erreicht nach Angriffen auf Energieanlagen und Flughäfen den höchsten Stand seit fünf Monaten.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Öltanks in einer Anlage des saudischen Ölkonzerns Aramco in Abqaiq

Öltanks in einer Anlage des saudischen Ölkonzerns Aramco in Abqaiq

© Stanislav Krasilnikov/imago

Die anhaltenden Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien treiben die Ölpreise auf den höchsten Stand seit fünf Monaten. Brent-Rohöl aus der Nordsee notierte am Freitagmorgen bei 112,96 US-Dollar je Barrel (159 Liter), wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Marktdaten von 00.30 Uhr UTC meldete.

Am Donnerstag war der Preis um rund vier Prozent gestiegen und schloss damit auf dem höchsten Niveau seit dem 4. Mai. Die US-Sorte WTI gab am Freitagmorgen leicht nach auf 98,12 Dollar.

Auslöser der Preissprünge sind nach Angaben von Reuters Sorgen um weitere Lieferausfälle aus der Golfregion. Der staatliche saudische Ölkonzern Saudi Aramco forderte seine Beschäftigten am Donnerstag auf, die Konzernzentrale im ostsaudischen Dhahran zu verlassen und von zu Hause aus zu arbeiten. Das berichtete Reuters unter Berufung auf sechs mit dem Vorgang vertraute Personen aus dem Unternehmensumfeld.

Es sei offenbar die erste derartige Evakuierung seit Beginn des Iran-Krieges. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa, die sich auf informierte Kreise beruft, wurde das Wohngebiet in Dhahran nicht geräumt. Die Büros von Aramco verteilen sich auf mehrere Gebäude.

Huthi bekannten sich zu Angriff auf Konzernzentrale

Die pro-iranischen Huthi hatten sich am Mittwoch der vergangenen Woche zu einem Angriff auf die Aramco-Zentrale bekannt. Zwei Aramco-Beschäftigte sagten der Nachrichtenagentur AFP, „die drei obersten Stockwerke“ eines Gebäudes seien „weg“. AFP-Journalisten erhielten nach eigenen Angaben keinen Zugang zu dem Bereich und konnten die Schilderungen nicht überprüfen.

Saudi-Arabien ist nach dpa-Angaben seit Monatsbeginn fast täglich Angriffen der vom Iran unterstützten Miliz ausgesetzt. Die Huthi feuerten in den vergangenen Wochen wiederholt Drohnen und Raketen aus dem Jemen auf saudische Flughäfen ab.

In der Nacht zum Donnerstag waren bei einem Angriff auf den internationalen Flughafen König Fahd in Dammam im Osten des Landes nach Angaben der saudischen Zivilluftfahrtbehörde zwei Menschen getötet und acht verletzt worden. Der Flughafen liegt rund 37 Kilometer nördlich von Dhahran. B

ei einem weiteren Vorfall kamen nach Angaben des saudischen Energieministeriums am Mittwoch zwei Menschen ums Leben, als die saudische Luftabwehr eine Drohne abfing, die eine Anlage des Ölfeldes Shaybah in der Wüste Rub al-Chali angreifen sollte. Shaybah fördert nach Angaben des Portals The National rund eine Million Barrel Rohöl pro Tag.

Preisanstieg vor allem wegen Angst vor neuen Ausfällen

Der jüngste Preisanstieg geht nach Einschätzung von Marktbeobachtern weniger auf einen akuten Einbruch der Rohölexporte zurück als auf die Furcht vor weiteren Lieferausfällen. Analysten von Morgan Stanley bezifferten die Rohölexporte aus dem Nahen Osten in der Woche vor dem 23. Oktober auf rund 17 Millionen Barrel pro Tag, nach durchschnittlich etwa 18 Millionen vor Beginn des Iran-Krieges.

Saudi-Arabien und andere Golfstaaten haben ihre Exporte nach Angaben des Branchendienstes Energy Connects teilweise über alternative Pipelines, Häfen am Roten Meer und Umladungen auf See umorganisiert. Nach Daten des Analysehauses Kpler erreichten die Transporte durch die Straße von Hormus im Oktober 11,7 Millionen Barrel täglich – rund 82 Prozent des Vorkriegsniveaus.

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Eine vollständige Normalisierung der Ölversorgung ist damit laut Energy Connects jedoch nicht erreicht. Die Exporte raffinierter Produkte wie Diesel und Benzin lägen weiterhin deutlich unter dem Vorkriegsniveau. Hinzu kämen gestiegene Transport- und Versicherungskosten sowie das Risiko neuer Angriffe.

Anfang Oktober war bereits die zentrale Ost-West-Pipeline des Königreichs nach einem Angriff auf eine Pumpstation östlich von Riad vorübergehend außer Betrieb. Die Leitung mit einer Kapazität von rund sieben Millionen Barrel täglich dient als Umgehungsroute für die Straße von Hormus.

Das US-Außenministerium ordnete nach Angaben von Reuters an, einen Teil der Diplomaten und deren Angehörige aus Saudi-Arabien abzuziehen. Weitere Familienangehörige sollen aus mehreren US-Missionen in der Region zurückgeholt werden. Washington hat Forderungen Riads nach einem direkten Eingreifen gegen die Huthi bislang zurückgewiesen.

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