Am Montagmorgen kam der Abrissbagger und zertrümmerte mit einem Erdmeißel die Kellerfundamente. "Am Donnerstag werden dann die Türme von einem größeren Bagger abgerissen", sagte Manuela Damianakis, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Damit ist der jahrelange Streit um das NS-Dokumentationszentrum auf dem Areal Anhalter-/Ecke Wilhelmstraße in Kreuzberg vorerst beendet. Nach dem Baustopp im Jahr 2000 wird jetzt das, was nach den Entwürfen des Schweizer Architekten Peter Zumthor gebaut wurde, abgerissen. Dies hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wegen ausufernder Baukosten verfügt. Zumthors Verfassungsbeschwerde gegen den Abriss war am vergangenen Donnerstag vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gescheitert. Nach Angaben der Stadtentwicklungsbehörde wird jetzt ein Wittenberger Bauunternehmen die Bauten bis Weihnachten abtragen.Gelände wird eingeebnet13 Millionen Euro hat Zumthors Bau bisher gekostet, für den Abriss und die Abtragung veranschlagt die Senatsverwaltung noch mal 160 000 Euro. Nach dem Abriss der Gebäudeteile soll das Gelände eingeebnet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. "Wir wollen den Zustand, der vor den Bauar- beiten herrschte, wieder herstellen", sagte Manuela Damianakis. Zurzeit türmen sich auf dem Gelände hohe bewachsene Berge, Sand und Schutt. Bis zum 8. Mai 2005, dem 60. Jahrestag des Kriegsendes, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Die Stiftung Topographie des Terrors will dann auf dem Areal einen provisorischen Bau errichten. Über die historischen Küchenkeller und die Markierung der Zellenböden soll ein vorläufiges Dach gebaut werden, teilte die Stiftung mit. Geplant ist außerdem eine Ausstellung zur Geschichte des "Hausgefängnisses Gestapo".Auf dem Gelände soll weiterhin eine Gedenkstätte errichtet werden. Von den ursprünglich geplanten 38 Millionen Euro stehen jetzt noch knapp 25 Millionen zur Verfügung. Für Frühjahr 2005 ist ein neuer Ar- chitektenwettbewerb geplant. Andreas Nachama, der geschäftsführende Direktor der Stiftung "Topographie des Terrors", sieht den Abriss als Ergebnis der Berliner Baupolitik: "So wie man Briefmarken sammelt, sammelte man in den 90er-Jahren auch bunte Architekten, die nach Berlin kamen, um etwas zu bauen", sagte er. Es bleibe abzuwarten, ob der neue Wettbewerb einen Entwurf ergebe, der im Kostenrahmen bleibe. Laut Nachama besuchen jährlich 350 000 Besucher die Ausstellung. Es gebe also eine Abstimmung mit den Füßen für eine Gedenkstätte. Feuilleton Seite 23------------------------------Millionen-Ausgaben // Eine Ausstellungshalle stand bis 1995 auf dem Platz an der Niederkirchnerstraße, sie hatte 250 000 Euro gekostet. Das zweistöckige Gebäude hätte für 125 000 Euro zu einer Dauerausstellung ausgebaut werden können. Der Senat und die Stiftung Topographie des Terrors entschieden sich jedoch für einen Neubau. Der Architekt Peter Zumthor gewann 1993 den internationalen Wettbewerb für den Neubau des NS-Dokumentationszentrums. Beginn der Bauarbeiten war am 8. Mai 1995. Im Jahr 2000 stoppte das Abgeordnetenhaus die Arbeiten, weil die Ausgaben nicht mehr einzudämmen waren. Ursprünglich sollte der Bau 18 Millionen Euro kosten, im Jahr 2000 rechnete man aber bereits mit rund 35 Millionen Euro für den Bau.Das Aus für Zumthors Entwurf kam im Mai dieses Jahres. Das Land hatte dem Architekten gekündigt. Daraufhin klagte Zumthor vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Dort wurde seine Verfassungsbeschwerde aber mangels Aussicht auf Erfolg am Donnerstag abgelehnt. Damit war der Weg frei für die Abrissarbeiten.------------------------------Foto: Mai 2005 sollen die Türme endgültig verschwunden sein. Dann gibt es einen neuen Architektenwettbewerb.------------------------------Foto: Unterlag vor Gericht: der Architekt Peter Zumthor.
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