BERLIN. Die Arbeitslosenzahlen sind im August längst nicht so dramatisch gestiegen wie befürchtet. Mit einer leichten Zunahme auf 3,472 Millionen waren im vergangenen Monat lediglich 9 000 Menschen mehr ohne Job als im Juli. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 276 000 Arbeitslose mehr. Die Arbeitslosenquote stieg um moderate 0,1 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Als Wahlkampfthema dürfte die Arbeitslosigkeit nun ausscheiden. Selten sah es am Arbeitsmarkt vor einer Wahl so stabil aus, wie derzeit. Ähnlich niedrige Arbeitslosenzahlen gab es zuletzt vor der Bundestagswahl im Oktober 1994 mit knapp unter 3,5 Millionen Erwerbslosen. Skeptiker befürchten jedoch, dass sich Unternehmen aus wahltaktischen Überlegungen derzeit noch mit Entlassungen zurückhalten.Die Unternehmen müssten auch nach der Bundestagswahl alles tun, um Entlassungen in der Krise zu verhindern, forderte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). "Sollte sich herausstellen, dass die bisherige Kooperation wahltaktisch motiviert war, hätte das schwerwiegende Folgen für den sozialen Frieden", warnte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) wies die Spekulation zurück. Er sei sich "völlig sicher", dass sich Arbeitgeber nicht extra mit der Kündigung von Mitarbeitern zurückhielten. BA-Chef Frank-Jürgen Weise hielt Gerüchte, wonach es Stillhalteabkommen der Arbeitgeber mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gebe, mit Entlassungen bis nach der Wahl zu warten, für haltlos. "Es gebe keine Motivation eines Unternehmers, wenn an einer Stanze zehn Leute keine Arbeit haben, der Frau Merkel zuliebe diese Löcher in die Luft stanzen zu lassen", sagte er. Auch der Experte des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Hilmar Schneider, hielt den Verdacht für unrealistisch. "Solch ein Verhalten kann sich kein Unternehmen mit roten Zahlen leisten", sagte er der Berliner Zeitung. Zudem wäre es unklug, weil niemand wissen könne, welchen Effekt der geringe Arbeitslosenanstieg auf die Wahl habe.Schneider rechnet ab Herbst mit einem stärkeren Ansteigen der Arbeitslosigkeit. Diese werde aber nicht dramatisch ausfallen. "Wir bleiben deutlich unter vier Millionen", sagte er. In den kommenden Monaten würden die Betriebe entscheiden, ob sie eine Perspektive für die Zukunft hätten. "Ein weiteres Jahr Kurzarbeit werden die Firmen nicht mitmachen", prognostizierte Schneider.Nach Ansicht von BA-Chef Weise sei das unerwartet glimpfliche Abschneiden vor allem der Kurzarbeit zu verdanken. "Vor allem diese stabilisiert den Arbeitsmarkt", sagte er. Seit Zuspitzung der Wirtschaftskrise im Oktober 2008 bis Ende August hätten insgesamt 125 000 Unternehmen für zusammen 3,4 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit beantragt, teilte die BA mit. Doch sind offensichtlich viele Anträge rein vorsorglich gestellt worden. Tatsächlich hätten nach den aktuellen Daten vom Juni nur 1,4 Millionen Menschen in 50 000 Betrieben kurzgearbeitet. Unterstelle man bei dieser Maßnahme einen Arbeitsausfall von einem Drittel, seien dadurch bisher etwa 500 000 Vollzeitstellen gerettet worden, hieß es.Osten ist stabiler als WestenJedoch macht sich in den Zahlen die Änderung der Zählweise der BA zum 1. Mai bemerkbar. Seitdem werden die von privaten Vermittlern betreuten Jobsuchenden nicht mehr in der BA-Statistik als arbeitslos geführt. Ohne diese Änderung hätte die Arbeitslosigkeit um 25 000 zugelegt.Insgesamt zeigte sich die Entwicklung im Osten stabiler als im Westen. Während die Arbeitslosenzahlen in den alten Bundesländern gegenüber dem Vormonat um 21 000 auf 2,4 Millionen stieg, sank sie im Osten sogar um 12 000. Ein Faktor sei die früher einsetzende übliche Herbstbelebung, weil die Schulferien in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt eher zu Ende gingen als sonst. In Berlin sei die Situation dagegen noch von der Urlaubszeit geprägt, in der Betriebe weniger Personal suchten. Die Arbeitslosigkeit stieg im August im Vergleich zum Juli um 2 943 auf 242 029. Die Arbeitslosenquote kletterte um 0,2 Punkte auf 14,4 Prozent. In Brandenburg sank dageben die Zahl der Erwerbslosen um 131 Menschen auf 162 002. Die Arbeitslosenquote verharrte auf 12,1 Prozent.------------------------------Grafik: Arbeitslosenquoten im Augst 2009Foto: Stabile Beschäftigung, gute Konsumlaune: Im Einzelhandel stieg der Umsatz von Juni auf Juli real leicht an.
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