BERLIN. Die vor einem Jahr ausgebrochene Wirtschaftskrise wird nach Ansicht von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) nicht so viele Menschen den Job kosten wie zunächst befürchtet. Früher sei in Wirtschaftskrisen der Sockel der Arbeitslosigkeit hierzulande stets gestiegen. Dank der Kurzarbeit werde es diesmal nicht mehr Langzeitarbeitslose geben als vor der Krise, sagte Scholz der Berliner Zeitung.Die übergroße Mehrheit der rund 1,4 Millionen Kurzarbeiter müsse sich nicht vor einer Entlassung fürchten, so der Minister. Er gehe davon aus, dass fast alle Betroffenen am Ende der Kurzarbeitsphase wieder voll eingesetzt würden, sagte er. "Die Betriebe nehmen die Kurzarbeit ja nur deshalb in Anspruch, weil sie damit rechnen, dass sie die Beschäftigten spätestens im nächsten Jahr wieder brauchen." Eine erneute Verlängerung des Kurzarbeitergelds sei derzeit nicht notwendig. Da die 24 Monate erst Ende 2010 ausliefen, sei genug Zeit, zu reagieren.Ein weiterer Anstieg der Arbeitslosenzahlen ist laut Scholz zwar nicht zu vermeiden. Der Minister zeigte sich aber davon überzeugt, dass die Krise weniger stark auf den Arbeitsmarkt durchschlägt als mancher Experte annimmt. "Es wird nicht so schlimm werden, wie einige Wirtschaftsforscher noch vor wenigen Monaten prognostiziert haben."Konjunkturexperten hatten im kommenden Jahr mit bis zu fünf Millionen Arbeitslosen gerechnet. Die Prognosen werden inzwischen aber nach unten korrigiert. So erwartet das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 2010 im Schnitt 4,1 Millionen Arbeitslose. Dies wären aber immer noch rund 640 000 mehr als in diesem Jahr.Laut Ökonomen kommt die deutsche Wirtschaft langsam wieder in Schwung. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hob seine Prognose für 2010 um einen Punkt auf 1,2 Prozent an.Finanzminister Peer Steinbrück hat unterdessen als erster führender SPD-Politiker eingeräumt, dass es nach der Bundestagswahl in knapp zwei Wochen womöglich nicht zu einer Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen kommen werde. Er rechne damit, dass die FDP auf ihrem Parteitag am Sonntag eine Ampelkoalition formal ausschließe, sagte Steinbrück. "Also geht es für die SPD darum, Schwarz-Gelb zu verhindern, also geht es für die SPD darum, sich in dieser (großen) Koalition wiederzufinden." Später fügte er hinzu: "Wir suchen nicht die Große Koalition, schließen sie aber auch nicht aus."Politik Seite 5, Wirtschaft Seite 11------------------------------"Die deutsche Wirtschaft erholt sich, aber in langsamem Tempo." Wolfgang Franz, Zentrum für Europ. Wirtschaftsforschung
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