Der französische Energiekonzern TotalEnergies steigt endgültig aus Russlands LNG-Großprojekt Arctic LNG 2 aus. Seine Beteiligung von zehn Prozent wurde an NordLine übertragen, eine Tochter des russischen Projektbetreibers Novatek. TotalEnergies sei damit kein Anteilseigner von Arctic LNG 2 mehr, teilte der Konzern am Donnerstag mit.
Damit wächst der Einfluss Novateks auf das milliardenschwere Projekt in der russischen Arktis weiter. Ursprünglich hielt der Konzern 60 Prozent an Arctic LNG 2. Jeweils zehn Prozent gehörten TotalEnergies sowie den chinesischen Energiekonzernen CNPC und CNOOC. Die übrigen zehn Prozent hält Japan Arctic LNG, ein Gemeinschaftsunternehmen des Handelshauses Mitsui und der staatlichen japanischen Rohstofforganisation JOGMEC.
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Ganz gekappt sind die finanziellen Verbindungen von TotalEnergies allerdings nicht. Der französische Konzern behält das Recht, rund 1,3 Milliarden Dollar von Arctic LNG 2 zurückzufordern. Dabei handelt es sich um seinen Anteil an Darlehen, die die Anteilseigner dem Projekt zur Verfügung gestellt hatten. Eine Rückzahlung könnte nach Angaben von TotalEnergies künftig erfolgen, sofern die geltenden Sanktionen dies zulassen.
Arctic LNG 2 verlädt achtmal so viel LNG wie vor einem Jahr
Der Rückzug erfolgt in einer Phase, in der Russland das sanktionierte Projekt wieder deutlich hochfährt. Nach Daten des Londoner Börsenbetreibers LSEG, die der Berliner Zeitung exklusiv vorliegen, wurden bei Arctic LNG 2 zwischen Januar und Juli 2026 rund 1,71 Millionen Tonnen LNG verladen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 0,21 Millionen Tonnen – die Menge hat sich damit mehr als verachtfacht.
Schon in den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurde mehr LNG verladen als im gesamten Jahr 2025. Dabei sollten die 2023 verhängten US-Sanktionen Arctic LNG 2 eigentlich weitgehend vom internationalen Markt abschneiden. Zeitweise kam das Projekt tatsächlich nahezu zum Stillstand. Inzwischen stehen nach Bloomberg-Informationen jedoch rund 20 Tanker für Transporte aus der Anlage bereit.
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Arctic LNG 2: China nahm seit August 2025 offenbar 41 Ladungen ab
Eine entscheidende Rolle spielt China. Seit August 2025 wurden nach Reuters-Angaben 41 Ladungen mit insgesamt rund 2,6 Millionen Tonnen LNG aus Arctic LNG 2 über das chinesische Terminal Beihai eingeführt. China ist bislang der einzige bekannte Abnehmer. Zugleich soll auch das neue LNG-Terminal Longkou in der Provinz Shandong Lieferungen aus dem sanktionierten Projekt abwickeln können.
Auch beim Ausbau kommt Unterstützung aus China. Zwei dort gefertigte LNG-Module trafen im Juli in der russischen Werft Belokamenka ein. Sie werden für die noch unfertige dritte Produktionsplattform von Arctic LNG 2 benötigt. Ein vollständiger Neustart der Bauarbeiten ist damit allerdings noch nicht belegt.
Auch Deutschland prüfte einst eine Millionen-Garantie
Dabei war Arctic LNG 2 ursprünglich als internationales Großprojekt geplant. Die Anlage ist auf eine Jahreskapazität von knapp 20 Millionen Tonnen LNG ausgelegt. Auch Deutschland spielte zeitweise eine Rolle: 2020 prüfte die Bundesregierung eine Hermes-Exportgarantie von rund 300 Millionen Euro für Lieferungen deutscher Unternehmen an Arctic LNG 2. Zu der staatlichen Absicherung kam es letztlich nicht.
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 änderten sich die Bedingungen grundlegend. Die US-Sanktionen erschwerten Finanzierung, Technologiezugang, Tankerbeschaffung und Vermarktung. Nun verschwindet mit TotalEnergies ein weiterer westlicher Anteilseigner aus dem Projekt.
Arctic LNG 2 selbst verschwindet dagegen nicht. Während Novatek seine Kontrolle ausweitet, bleiben die chinesischen und japanischen Beteiligungen bestehen. Zugleich helfen chinesische Abnehmer, Infrastruktur und Technik Russland dabei, das einst nahezu stillgelegte LNG-Projekt wieder hochzufahren.
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