Machtkampf

Umkämpfte Arktis: Chinas „Schneedrachen“ auf Kurs – USA schicken Küstenwache hinterher

China schickt vier Forschungsschiffe in den hohen Norden. Als zwei von ihnen die US-Wirtschaftszone im Beringmeer passierten, reagierte Washington mit einer Überwachungsoperation.

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Die chinesischen Forschungseisbrecher „Xuelong 2“ und „Xuelong“ während einer Expedition

Die chinesischen Forschungseisbrecher „Xuelong 2“ und „Xuelong“ während einer Expedition

© Gu Tiancheng/imago

Zwei chinesische Polarforschungsschiffe auf dem Weg in die Arktis sind im Beringmeer von der US-Küstenwache beschattet worden. Die amerikanische Reaktion zeigt, wie offen der Machtkampf um die Arktis inzwischen ausgetragen wird. Der Hochseekutter „Munro“ überwachte die „Xuelong“ und die „Xuelong 2“, als sie in Richtung Norden durch die ausschließliche Wirtschaftszone der Vereinigten Staaten und über den erweiterten US-Festlandsockel fuhren. Das teilte die US-Küstenwache mit.

Es seien die ersten chinesischen Schiffe gewesen, die in diesem Jahr auf dieser Route in den Gewässern vor Alaska registriert wurden, erklärte die Behörde. Die „Munro“ habe die beiden Schiffe im Rahmen der Operation „Frontier Sentinel“ während ihrer Durchfahrt „aktiv überwacht“.

Die Mission solle amerikanische Hoheitsrechte schützen und es ermöglichen, schnell auf mögliche „bösartige Aktivitäten“ zu reagieren. Konteradmiral Bob Little sprach von den Aktivitäten geopolitischer Konkurrenten in einer „zunehmend umkämpften Arktis“.

Chinas Schiffe passieren US-Wirtschaftszone ohne Rechtsverstoß

Einen Verstoß gegen internationales Recht nennt die Küstenwache nicht. Ausländische Schiffe dürfen sich in der ausschließlichen Wirtschaftszone der USA und über dem erweiterten Festlandsockel bewegen. Für wissenschaftliche Meeresforschung in diesen Gebieten wäre jedoch vorab eine Genehmigung Washingtons erforderlich. Die dabei erhobenen Daten müssten anschließend mit den Vereinigten Staaten geteilt werden.

Ob die „Xuelong“ oder die „Xuelong 2“ während der Durchfahrt bereits Messungen vorgenommen haben, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Mit Forschern aus Deutschland und Russland: China startet Arktisexpedition

Die beiden Eisbrecher gehören zu Chinas 16. wissenschaftlicher Arktisexpedition. Die Mission startete am 3. Juli in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian und soll bis Anfang Oktober dauern. Neben der „Xuelong“, zu Deutsch „Schneedrache“, und der „Xuelong 2“ ist auch der Eisbrecher „Jidi“ unterwegs. Das Mehrzweckforschungsschiff „Tansuo 3“ soll später hinzustoßen.

Nach Angaben des chinesischen Ministeriums für natürliche Ressourcen sollen die Wissenschaftler unter anderem Meereis, Wasserströmungen, Ökosysteme und die Atmosphäre untersuchen. Geplant sind zudem geologische Forschungen am Gakkelrücken, einem rund 1800 Kilometer langen mittelozeanischen Gebirge zwischen Grönland und Sibirien.

An der Expedition sollen auch Forscher aus Russland, Deutschland und weiteren Ländern beteiligt sein. Peking stellt die viermonatige Mission als Beitrag zur Erforschung des Klimawandels und zum Schutz der Arktis dar.

Chinas „Polare Seidenstraße“

In Washington werden Chinas Forschungsfahrten jedoch längst nicht mehr allein als wissenschaftliche Projekte betrachtet. Peking bezeichnet sich seit Jahren als „arktisnahen Staat“, obwohl das chinesische Festland weit südlich des Polarkreises liegt.

In seinem 2018 veröffentlichten Arktisprogramm kündigte China an, eine „Polare Seidenstraße“ aufzubauen. Dazu gehören neue Schifffahrtsrouten zwischen Asien und Europa, Investitionen in Häfen und Infrastruktur sowie die Beteiligung an der Erschließung von Erdöl, Erdgas und Bodenschätzen. China will zudem bei den Regeln für die Nutzung der Arktis mitentscheiden.

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Das US-Verteidigungsministerium warnt, dass chinesische Polarforschung auch militärisch nutzbare Erkenntnisse liefern könne. Vermessungen des Meeresbodens, Untersuchungen von Strömungen und akustische Messungen können beispielsweise für die Navigation von U-Booten relevant sein. In seiner Arktisstrategie bezeichnete das Pentagon die chinesischen Expeditionen deshalb als Forschung mit möglicher ziviler und militärischer Doppelnutzung.

China weist solche Darstellungen zurück und betont, seine Aktivitäten dienten der Wissenschaft, dem Umweltschutz und der internationalen Zusammenarbeit. Das chinesische Strategiepapier erkennt zugleich die Bedeutung der Arktis für neue Handelswege, Rohstoffversorgung und die eigenen wirtschaftlichen Interessen ausdrücklich an.

Chinesische Schiffe vor Alaska

Die aktuelle Fahrt ist kein Einzelfall. Im Sommer 2025 überwachte die US-Küstenwache zeitweise fünf chinesische Forschungsschiffe in oder nahe der amerikanischen Arktis. Die Behörde sprach damals von einem seit drei Jahren erkennbaren Anstieg der chinesischen Aktivitäten.

Bereits im September 2024 hatte die Küstenwache zwei Schiffe der chinesischen Küstenwache entdeckt, die gemeinsam mit zwei russischen Grenzschutzschiffen im Beringmeer patrouillierten. Nach US-Angaben handelte es sich um den nördlichsten Ort, an dem bis dahin chinesische Küstenwachschiffe beobachtet worden waren.

Die wachsende Zusammenarbeit zwischen China und Russland zählt für Washington zu den größten Sicherheitsfragen im hohen Norden. Gemeinsame Patrouillen, Militärmanöver und chinesische Investitionen in russische Energieprojekte verschaffen Peking Zugang zu einer Region, in der es kein eigenes Staatsgebiet besitzt.

Trump erklärt die Arktis zur Sicherheitsfrage

US-Präsident Donald Trump begründet auch seinen Anspruch auf einen stärkeren Zugriff auf Grönland mit chinesischen und russischen Aktivitäten in der Arktis. Die 2026 veröffentlichte nationale Verteidigungsstrategie der USA warnt vor einem wachsenden Einfluss gegnerischer Staaten „von Grönland in der Arktis“ bis nach Mittelamerika.

Die USA bauen zugleich ihre eigene Präsenz aus. Trump genehmigte 2025 den Bau von bis zu vier neuen Eisbrechern für die Küstenwache. Das Weiße Haus begründete die Entscheidung mit dringenden nationalen Sicherheitsinteressen und der zunehmenden Präsenz anderer Staaten in der Region.

Die beiden chinesischen „Schneedrachen“ dürfen ihre Fahrt nach Norden fortsetzen. Die „Munro“ machte jedoch deutlich, wie Washington künftig auf solche Expeditionen reagieren will: mit eigener sichtbarer Präsenz und einer engmaschigen Überwachung bereits auf dem Weg ins Nordpolarmeer.

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