Attacke galt Abgeordneter Martina Münch

Rechtsextremer Anschlag auf SPD-Büro

Martin Klesmann
2 Min

COTTBUS. Rechtsradikale haben in der Nacht zum Donnerstag einen Anschlag auf das Cottbuser Bürgerbüro der SPD-Landtagsabgeordneten Martina Münch verübt. Die beiden Frontscheiben ihres Büros in der Mühlenstraße seien mit drei schweren Pflastersteinen eingeworfen worden, sagte Martina Münch gestern. In einem der Fenster habe ein Plakat mit der Aufschrift "Gemeinsam gegen Rechts" gehangen. "Das Plakat ist offenbar mit einem gezielten Pflastersteinwurf zerfetzt worden", sagte Münch. "So etwas hinterlässt einen nicht unbeeindruckt." Die Polizei hat eine vierköpfige Ermittlungsgruppe gebildet und fahndet nach den Tätern, die laut Polizeisprecher Berndt Fleischer in der rechtsextremen Szene der Stadt vermutet werden. Wie die Polizei mitteilte, war am Tatort ein mit "NS-Aktionsbündnis Cottbus" unterzeichnetes Bekennerschreiben gefunden worden.Gestern Mittag sah sich die Abgeordnete den Schaden zusammen mit einem Glaser an, eine Notverglasung wurde eingerichtet, am Dienstag sollen die neuen Fenster kommen. "Dann werde ich wieder ein solches Plakat hineinstellen", sagte Martina Münch, die sich seit Jahren gegen den Rechtsextremismus im Land engagiert. "Wir dürfen uns von solchen Taten nicht einschüchtern lassen." Sie habe die Vermutung, dass die rechte Szene im Land derzeit wieder mobil mache. Sie erinnerte an den jüngsten Aufmarsch von Rechtsextremisten in Halbe und den am Wochenende geplanten Marsch von Rechtsradikalen durch Senftenberg. Münch rief zu einer Gegendemonstration am Sonnabend in Senftenberg auf.Bereits in den vergangenen Monaten waren Cottbuser Institutionen, die sich offensiv gegen Rechtsextremisten wandten, attackiert worden. So hatten vermutlich rechtsradikale Täter am 23. September alle 17 Scheiben des Pavillons an der Cottbuser Stadtpromenade mit Steinen eingeworfen. Dort wurde seinerzeit das Stück "Hallo Nazi" aufgeführt, das sich gegen rechte Gewalt richtet. Das Stück handelt von der Begegnung eines bekennenden Neonazis mit einem polnischen Schwarzarbeiter.Auch beim Cottbuser Piccolo-Theater war jüngst eine Fensterscheibe eingeworfen worden, hinter der ein Anti-Nazi-Plakat hing. Die Landtagsabgeordnete Münch sieht Cottbus dennoch nicht als rechte Hochburg. "Wir haben ein Problem. Aber das noch größere Problem tritt doch auf dem platten Land auf, wenn Jugendliche überhaupt keine Infrastruktur, keine Angebote mehr vorfinden."Während des Landtagswahlkampfes 2004 war in Potsdam das Bürgerbüro des damaligen PDS-Landtagsabgeordneten Lothar Bisky attackiert worden.------------------------------Foto: Bedroht: Martina Münch, SPD.

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