POTSDAM. Wenn es um neue Investoren geht, konkurriert Brandenburg häufig mit EU-Beitrittsländern. Dabei gilt es als großer Erfolg, dass sich Rolls-Royce 2007 entschieden hat, seine Forschungsabteilung aus dem britischen Derby nach Dahlewitz (Teltow-Fläming) zu verlegen. Die Stimmung am Stammsitz des Triebwerksbauers dürfte dabei aber kaum besser gewesen sein, als derzeit bei Nokia in Bochum.Angesichts des geplanten Nokia-Umzuges von Bochum nach Rumänien spricht Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) von "Subventionsheuschrecken". Der SPD-Landrat der betroffenen Region ruft zum Boykott des Handy-Herstellers auf und findet Unterstützung auf Bundesebene. Es dürfe kein "Subventionshopping" geben, sagt der Brandenburger Europaabgeordnete Christian Ehler (CDU). Er verweist darauf, dass das EU-Parlament 2007 durchgesetzt habe, dass bei Betriebsverlagerungen zuvor gezahlte EU-Subventionen offengelegt werden müssten. Aber er sagt auch: "Wir sollten vorsichtig sein mit unseren Beschwerden." Auch Brandenburg habe von Firmenverlagerungen häufig profitiert, lockte Investoren mit günstigen Lohn- und Förderbedingungen.Im Fall von Rolls-Royce soll Brandenburg Derby bei der Förderung ausgestochen haben. Von 15 Millionen Euro ist die Rede. Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) sprach von einem "Meilenstein für die Region".Detlef Stronk, Chef der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB), erwartet von Dahlewitz langfristige Impulse. Zwar geht es bei Rolls-Royce nur um einige Hundert Arbeitsplätze - aber um hoch qualifizierte. Zudem stärkt die Ansiedlung der Entwicklungsabteilung die Bindung des Unternehmens an die Region. Das entspricht genau den Zielen der Wirtschaftsförderer: "Wir wollen nicht die flache Produktion, sondern interessante Ansiedlungen mit mehr Wertschöpfung", sagt Stronk. Dabei sei von Vorteil, dass in der Mark eher Mittelständler agierten. Ein Plus sei auch die Qualität und Verfügbarkeit von Arbeitskräften, deren Flexibilität und hohe Produktivität. Dabei sind die Arbeitskosten gar nicht mehr ausschlaggebend.Während auch westdeutsche Firmen früher gleich weiter gen Osten strebten, werden heute auch ostdeutsche Standorte geprüft. Mehrfach setzte sich Brandenburg dabei gegen osteuropäische Konkurrenz durch. So entschied sich der Automobilzulieferer Magna Intier, der erst in die Slowakei wollte, für Finsterwalde, Yamaichi Electronics für Frankfurt (Oder) statt Tschechien.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]