Auch international wenig Verständnis für Ziels Vorstoß

Kaum einer will Preußen wiederhaben

Martin Klesmann
2 Min

POTSDAM. Wenig Freunde hat sich Sozialminister Alwin Ziel (SPD) mit seinem jüngsten Vorschlag gemacht: Das angestrebte gemeinsame Bundesland Berlin-Brandenburg solle den Namen Preußen erhalten. "Die beiden Länder sind alte preußische Kernländer, daher würde sich der Name eignen", hieß es aus Ziels Ministerium. Die Landesregierung ist über Ziels Vorstoß überhaupt nicht glücklich. "Das lenkt von den eigentlichen Fragen der Fusion ab", sagte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), der die Länderehe angesichts der desolaten Haushaltslage Berlins jüngst für "tot" erklärt hat. Selbst Ministerpräsident Manfred Stolpe zeigte sich verärgert. Die Fusion bereite auch ohne das Reizthema Preußen genug Probleme, teilte die Staatskanzlei mit. In Berlin lehnten CDU-Landeschef Eberhard Diepgen und PDS-Wirtschaftssenator Gregor Gysi Ziels Vorschlag in seltener Einmütigkeit ab. Der Name Preußen für Berlin-Brandenburg sei "doch eine Schuhnummer zu groß", sagte Diepgen. Historiker verwiesen darauf, dass der Staat Preußen wesentlich größer gewesen sei - seinerzeit gehörten nicht nur große Teile des heutigen Polen bis ins nun russische Königsberg zu den Kernlanden Preußens, sondern auch die Region Halle, ab 1815 sogar die Rheinlande.Die polnische Botschaft in Berlin reagierte denn auch äußerst zurückhaltend auf Ziels Vorstoß. "Erst wenn wir uns von der Seriosität des Vorschlages überzeugt haben, werden wir dazu Stellung nehmen", sagte ein Sprecher am Freitag.London akzeptiert Preußen Es geht also um Preußen, das 1618 an die brandenburgische Linie der Hohenzollern kam. Diese machten Preußen schließlich im 18. Jahrhundert auf Grund der durchmilitarisierten Gesellschaft, aber auch wegen einer liberalen Einwanderungspolitik zu einer Großmacht. Mit der Reichsgründung 1871 wurden die preußischen Könige zu deutschen Kaisern. Wilhelm II. war 1914 wesentlich mitschuldig an der Entfesselung des Ersten Weltkrieges. 1947, nach dem Ende der NS-Diktatur, wurde Preußen auf Beschluss des alliierten Kontrollrates als "Hort des Militarismus" aufgelöst. Allein die britische Botschaft teilte am Freitag mit, dass London nichts gegen ein Bundesland Preußen habe. "Wir würden das akzeptieren", sagte eine Sprecherin. Die Vertretungen der USA, Russlands und Frankreichs wollten den Vorschlag lieber nicht kommentieren.Sehr wohl anfreunden könnten sich mit dem Namen Preußen der einstige Berliner CDU-Kultursenator Christoph Stölzl und der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger. "Das ist die Klammer, die Berlin endlich sinnvoll mit seinem Umland verbindet", sagte Stölzl nach einem Zeitungsbericht. Enzensberger würde der historischen Korrektheit wegen lieber von "Kleinpreußen" sprechen. (mak. )

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