Traditionsunternehmen

Aufschrei zeigt Wirkung: Späth’sche Baumschulen vor Bebauung gerettet

Tausende Unterschriften und Protest haben offenbar Wirkung gezeigt: Die historische Kernfläche der Späth’schen Baumschulen bleibt erhalten. Gebaut werden soll trotzdem.

4 Min
1720 wurden die Späth’schen Baumschulen gegründet. Nun ist das älteste produzierende Unternehmen Berlins offenbar gerettet.

1720 wurden die Späth’schen Baumschulen gegründet. Nun ist das älteste produzierende Unternehmen Berlins offenbar gerettet.

© Daniela Incoronato

Es war eine böse Überraschung, als Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) im Frühjahr dieses Jahres angekündigt hatte, dass auf einem Teil der Späth’schen Baumschulen Wohnungen gebaut werden sollen. Flächen des Traditionsunternehmens müssten dem Wohnungsbau – dem neuen Stadtquartier „Dreieck Späthsfelde“ – weichen.

Der Aufschrei war groß. Werde der Plan umgesetzt, hätten sein Unternehmen keinen einzigen Quadratmeter mehr, „wo irgendwie eine Pflanze in der Erde wächst“, erklärte Seniorchef Holger Zahn damals der Berliner Zeitung. Die Unterstützung von Anwohnern, Besuchern und auch der Bezirkspolitik ließ nicht lange auf sich warten.

Innerhalb von vier Wochen wurden 22.302 Unterschriften für den Erhalt der grünen Oase in Treptow gesammelt, die die Betreiber der Späth’schen Baumschulen samt der rund 7500 Kommentare Anfang Juli dem Senator übergaben. Damit kam Bewegung in die Planungen für das neue Stadtquartier.

Nun ist die Zerschlagung des Traditionsunternehmens offenbar vom Tisch. Zunächst teilte die Senatsverwaltung mit, dass der Betrieb der Baumschule und die bestehenden kulturellen Nutzungen am Standort „planungsrechtlich gesichert werden“.

Nun hat auch der Senat das Struktur- und Nutzungskonzept für das neue Stadtquartiert „Dreieck Späthsfelde“ beschlossen und den Standort gesichert – mit Weltacker und dem 3,5 Hektar großen Arboretum der Humboldt-Universität (HU), zu dem mehr als 4000 Pflanzenarten gehören.

Die Baumschulenflächen mit Pflanzenverkauf, Hofladen, Gasthaus, Kräutergarten, blauer Märchenhütte, Baumschulenmuseum, historischem Kontorgebäude und der Schwarzen Scheune würden als grüne Oase nicht tangiert, heißt es vom Senat.

Seniorchef Holger Zahn steht in einem Gewächshaus der Späth’schen Baumschulen, die Pächter des historischen Areals sind.

Seniorchef Holger Zahn steht in einem Gewächshaus der Späth’schen Baumschulen, die Pächter des historischen Areals sind.

© Paul Zinken/ Berliner Zeitung

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Neben der Kernfläche der Späth’schen Baumschulen würden auch Orte wie das Garten-Biotop am Karpfenteich erhalten bleiben. Weltacker, Obstbaumflächen und Schaugärten sollen in die neu anzulegenden Grün- und Freizeitflächen des neuen Stadtquartiers integriert werden.

„Mit dem vorliegenden Konzept wird der besondere Charakter des Gebiets mit den Späth’schen Baumschulen und dem Arboretum der HU Berlin erhalten und gestärkt“, heißt es in der Mitteilung des Senats. Aus dem Beschluss des Senats geht zudem hervor, dass auch bestehende Kleingartenflächen in das „klimaresiliente, nutzungs- und sozialgemischte Stadtquartier“ einbezogen werden sollen.

Schon länger ist bekannt, dass das Gebiet bebaut werden soll. Bis zu 2500 Wohnungen sollen auf dem 100 Hektar großen „Dreieck Späthsfelde“ entstehen und rund 5000 Menschen ein neues Zuhause finden. Das „Dreieck Späthsfelde“ gehört zu den 24 Standorten, an denen das Land berlinweit neue Stadtquartiere für insgesamt 130.000 Menschen errichten will. Derzeit befinden sich die Planungen im Stadium der vorbereitenden Untersuchungen.

Senior-Chef spricht von einem Kompromiss

Senior-Chef Holger Zahn sagt zu der neuen Entwicklung: „Der große öffentliche Aufschrei gegen die Bebauungspläne der Flächen der Späth’schen Baumschulen ist auch in der Senatsverwaltung angekommen.“ Die starke Unterstützung der Menschen in Berlin und dem Umland habe zu den Änderungen in den Planungen geführt. Der Protest habe sich gelohnt. „Sogar mehr als das: Wir konnten damit eine Bebauung bis an unseren historischen, versiegelten Gewerbehof heran verhindern.“

Zahn spricht allerdings von einem Kompromiss. „Auch die überarbeiteten Planungen – so wie sie uns intern vorlegt wurden – sehen eine Bebauung von Teilen unserer Kernflächen zwischen Königsheideweg und Ligusterweg vor. Gleichzeitig haben wir ein Grün- und Freiflächenband um unseren Gewerbehof herum und zwischen historischem Gewerbehof und Ligusterweg erreicht, dass dafür sorgen soll, dass die Späth’schen Baumschulen weiterhin als grünes Zentrum erlebbar bleiben.“

Allerdings, so Zahn weiter, werde man die eigentliche Baumschulenproduktion in Berlin einstellen müssen „und ausschließlich unsere Flächen in Königs Wusterhausen bewirtschaften, sollten die Planungen umgesetzt werden“. Denn das zugesagte Grün- und Freiflächenband sei als öffentliche Grünfläche ausgewiesen.

Die Späth’schen Baumschulen in Treptow-Köpenick wurden 1720 gegründet. Damit sind sie die älteste produzierende Einrichtung ihrer Art in Berlin. 150.000 Menschen besuchen die grüne Oase im Ortsteil Baumschulenweg jedes Jahr. Nicht nur zum Pflanzenkauf, auch zu kulturellen Veranstaltungen und Festen.

So findet auf dem gesamten Areal am 19. und 20. September das diesjährige Traditionsfest statt. Beim Gartenmarkt werden rund 120 Aussteller ihre Pflanzen anbieten. Ein Bühnenprogramm mit Live-Musik, Märchenaufführungen, Kremserfahrten und Baumklettern stehen auf dem Programm.

Der Weltacker bietet ein Mitmachforum an, auch das Arboretum öffnet seine Tore. Der Eintritt kostet zehn Euro (ermäßigt sechs Euro), er dient dem Erhalt des historischen Geländes. Kinder bis 16 Jahre sind kostenlos dabei.

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