Festnahme

Vom Top-Spion zum Verdachtsfall: Wer ist Ex-BND-Chef August Hanning?

Festnahme wegen Spionageverdachts: Eine Hausdurchsuchung bringt Ex-BND-Chef August Hanning ins Visier der Ermittler. Wer ist der Mann, der den Dienst prägte?

3 Min
August Hanning, der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND)

August Hanning, der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND)

© Michael Kappeler/dpa

Der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) August Hanning ist wegen Spionageverdachts festgenommen worden. Die Spionagevorwürfe kamen nur deshalb ans Licht, weil Ermittler dessen Anwesen aufgrund des Prozesses um die Entführung der Kinder von Christina Block durchsuchten. Wer ist der Mann, der sieben Jahre den BND leitete?

Als Angela Merkel Ende 2005 das Kanzleramt übernahm, holte sie einen Mann in die zweite Reihe der Sicherheitspolitik, der die deutsche Nachrichtendienstlandschaft bereits sieben Jahre lang von ihrer Spitze aus geformt hatte: August Hanning. Zum 1. Dezember 2005 wechselte er als Staatssekretär ins Bundesministerium des Innern. Dort verantwortete er ein weites Feld – von Polizeiangelegenheiten über innere Sicherheit, Migration und Integration bis hin zu Flüchtlingsfragen, europäischer Harmonisierung, Krisenmanagement und dem Behördenfunk BOS. Am 10. November 2009 wurde er in den einstweiligen Ruhestand versetzt, Nachfolger wurde Klaus-Dieter Fritsche.

Vom Umweltressort zum Häftlingsfreikauf in Ost-Berlin

Hanning, Sohn eines Besitzers von zwei Ziegeleien, absolvierte 1966 das Abitur in Osnabrück und studierte Rechtswissenschaft in Freiburg im Breisgau und Münster. 1981 kam Hanning erstmals ins Bonner Bundeskanzleramt, zunächst im Umweltressort. Eine prägende Phase folgte zwischen 1986 und 1990: Als Geheimschutzbeauftragter an der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin war er auch für den Häftlingsfreikauf zuständig – jenes diskrete Verfahren, mit dem die Bundesregierung politische Gefangene aus der DDR freikaufte.

Nach seiner Rückkehr ins Kanzleramt 1990 wurde Hanning enger Mitarbeiter von Bernd Schmidbauer, dem damaligen Beauftragten für die Nachrichtendienste des Bundes. 1996 stieg er dort zum Abteilungsleiter und Koordinator der Nachrichtendienste des Bundes auf – eine Position, die ihn für den nächsten Karriereschritt empfahl.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Acht Jahre an der Spitze des BND

Am 17. Dezember 1998 übernahm Hanning als Nachfolger von Hansjörg Geiger die Leitung des Bundesnachrichtendienstes. In seine Amtszeit fiel eine strategische Weichenstellung: die Entscheidung, den BND von Pullach bei München nach Berlin zu verlegen. Hanning begründete den Umzug damit, dass sich der Geheimdienst auch örtlich in der Nähe der Regierung befinden solle. Er verstand den BND als Dienstleister der Bundesregierung – ein Rollenverständnis, das intern wie extern Reaktionen hervorrief.

Mit dem Wechsel ins Innenministerium 2005 verließ Hanning die operative Welt der Spionage, blieb der inneren Sicherheit aber auf höchster Verwaltungsebene erhalten – bis zu seinem Ausscheiden Ende 2009.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner