Im Jahr 2025 haben in Deutschland 570.000 Menschen Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) bezogen. Das waren 42.700 Personen oder sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit.
Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Studentinnen und Studenten aus: Ihre Zahl sank um acht Prozent. Damit erreicht die staatliche Ausbildungsförderung einen neuen Tiefstand seit dem Jahr 2000. Zur Einordnung: Deutschlandweit sind rund 2,9 Millionen Menschen an Hochschulen eingeschrieben, hinzu kommen etwa 11,5 Millionen Schüler.
Langfristiger Trend
Der Abwärtstrend ist nicht neu. Nach Angaben des Studentenwerks Schleswig-Holstein, über die der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtete, ist die Zahl der geförderten Studierenden im Land in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Viertel gesunken. 2015 hätten dort 15.499 der 54.206 Studierenden Bafög erhalten, derzeit seien es 11.617 von 55.246 Eingeschriebenen. Im Schnitt bekämen die Empfänger in Schleswig-Holstein 676 Euro monatlich.
Rund 70 Prozent der grundsätzlich Berechtigten stellten laut Studentenwerk gar keinen Antrag. Als Gründe nannte die Einrichtung die Sorge vor Verschuldung und die verbreitete Annahme, das Elterneinkommen liege ohnehin über den Freibeträgen.
Aufstieg durch Leistung? Von wegen: In Deutschland zählt die soziale Herkunft
Der Rückgang fällt in eine laufende Reform des Bafög. Nach Angaben der SPD soll der monatliche Grundbedarf in zwei Stufen angehoben werden: zunächst zum Wintersemester 2027/28 von derzeit 475 auf 503 Euro, anschließend zum Sommersemester 2029 auf 563 Euro. Künftig sollen die Sätze nach einem festen Verfahren regelmäßig überprüft und an die Grundsicherung angepasst werden. Grund für die Verzögerung ist ein Finanzierungsvorbehalt im Koalitionsvertrag.
Verbände kritisieren Reformtempo
Das Deutsche Studierendenwerk begrüßte die Einigung grundsätzlich. Vorstandsvorsitzender Matthias Anbuhl sprach von einem „guten und wichtigen Signal“ nach Monaten der Unsicherheit. Er kritisierte jedoch, dass die Wohnkostenpauschale voraussichtlich erst zum Sommersemester 2027 steige und nicht wie ursprünglich angekündigt zum Wintersemester 2026/2027.
Die derzeitige Pauschale von 380 Euro decke die tatsächlichen Mieten nicht: Ein einfaches WG-Zimmer koste im Bundesschnitt bereits 512 Euro. Zudem werde die volle Angleichung des Grundbedarfs an die Grundsicherung erst zum Sommersemester 2029 erreicht. Positiv bewertete Anbuhl den geplanten Wegfall des Leistungsnachweises nach dem vierten Semester und die zugesagte Vereinfachung des Antragsverfahrens.
Der Verband FZS übte deutlich schärfere Kritik: Der Referentenentwurf vom 22. Juli bleibe hinter den Zusagen des Koalitionsvertrags zurück. Kritisiert wird unter anderem, dass die bisherigen Ausnahmeregelungen für Studierende über 45 Jahre gestrichen werden sollen. Besonders betroffen wären laut FZS Personen, die wegen Kindererziehung oder anderer Sorgearbeit später ins Studium einsteigen.
Auch die schrittweise Streichung der Wohnkostenpauschale für Studierende, die bei den Eltern wohnen, lehnt der Verband ab. Der FZS beanstandete zudem das Verfahren: Den Verbänden seien weniger als 72 Stunden für eine schriftliche Stellungnahme eingeräumt worden.
Reibungspunkt in der Koalition
In der Union hatte es zuletzt Vorbehalte gegen weitere Leistungsausweitungen gegeben. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Wiebke Esdar wertete das Verhandlungsergebnis hingegen als Erfolg: Es sei gelungen, alle vereinbarten Leistungsverbesserungen „in voller Höhe zu sichern“, sagte sie laut Deutscher Presse-Agentur.
Die stellvertretende Unionsfraktionschefin Inge Gräßle (CDU) sprach von schwierigen Gesprächen und betonte, Aufgabe der Koalition sei es, „wieder für Wirtschaftswachstum zu sorgen“.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und das Bündnis „Bafög retten“ fordern eine automatische Anpassung an die Preisentwicklung, eine Ausweitung des Berechtigtenkreises sowie stärker digitalisierte Anträge.
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