Tradition

Ausgeblasene Eier only: Der Saalfelder Ostereierbaum hat wieder aufgerüstet

Seit 1965 gibt es den geschmückten Baum in der thüringischen Kurstadt. Jedes Jahr schmücken Tausende handbemalte Eier den weltberühmten Apfelbaum im Schlosspark.

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Wenn man den Baum vor lauter Eiern nicht sieht: Saalfeld

Wenn man den Baum vor lauter Eiern nicht sieht: Saalfeld

© Karina Hessland/imago

Das thüringische Saalfeld hat nicht nur seine berühmten Feengrotten und ist ein bekannter Kurort - seit 61 Jahren kann es zudem auch auf eine ganz andere Sehenswürdigkeit stolz sein, welche dem Ort schon viele Besucher und einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde eingebracht hat: seinen Ostereierbaum. 10.000 ausgeblasene Eier, zum Teil schon mehrere Jahrzehnte alt, werden an eben diesem jedes Jahr kurz vor Ostern sorgfältig aufgehängt. Gründungseltern dieser schönen Tradition waren 1965 Christa und Volker Kraft, die den Apfelbaum in ihrem Garten jährlich schmückten, und – weil jedes Jahr neue Eier dazukamen – zu einer kleinen, lokalen Berühmtheit wurden.

Kastanie treib zu stark aus

50 Jahre später, 2015 also, fühlten sich die Krafts inzwischen zu alt für den aufwändigen Osterzauber, aber weil der Ort den Baum liebt und er zu einer wahren Touristensensation wurde, gründeten jüngere Saalfelder den Verein „Freunde des Saalfelder Ostereierbaums e. V.“, und dieser kümmert sich nun seitdem ums Schmücken des regionalen Kunstwerks. Allerdings nicht mehr am Apfelbaum der Krafts. 2016 noch kamen die handbemalten Eierschalen an eine Kastanie auf dem Saalfelder Boulevard. Weil die aber zu stark austrieb, während die Eier hingen (und das tun sie lange über Ostern hinaus), und somit alles verrutschte, wurde vor sechs Jahren wieder ein Apfelbaum für die Ostereierpracht gepflanzt – und zwar im Schloßpark der Stadt.

Den musste der Denkmalschutz zunächst erst einmal erlauben, denn diese Art Obstbaum war in der ursprünglichen Bepflanzung des Schloßparks nicht vorgesehen. Als es dann das „Ja“ gab, spendierte die Stadt die Anschaffungskosten – quer durch alle politischen Fraktionen. Und CDU-Bürgermeister Steffen Kania gab dieses Jahr für den Baum sogar 200 Euro aus seinem privaten Portemonnaie dazu.

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Auch die Krafts kamen in diesem Jahr wieder vorbei, um zuzuschauen, wenn der Baum seine Pracht angelegt bekommt. Sie hätten seinerzeit, als sie sich selbst zu alt fühlten, die Eier für 10.000 Euro an einen Liebhaber verkaufen können, aber sie vermachten sie ihrer Stadt. „Und zwar kostenlos“, erzählt Vereinsmitglied Reinhardt Bähring. „So handeln nur echte Lokalpatrioten!“ Auch den Krafts zuliebe und weil sie es selbst so wollen, kommen nur ausgeblasene Eier an den Baum. „Plastikeier haben bei uns nichts verloren“, sagt Bähring, „für die ist höchstens an einer Hecke Platz.“

Dieses Jahr kamen auch um die 300 Kinder, um mitzuhelfen und neue Eier zu spenden. Wenn dann, weit nach Ostern, die Eier wieder abgehängt werden in Saalfeld, dauert das im Schnitt immer vier Tage. Und die kalkigen Schmuckstücke kommen dann zurück in ihre  Eierpackungen und diese in den Vereins-Lagerraum, bevor 2027 wieder das nächste Osterfest vor der Tür steht. 

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