Klimaveränderungen in der späten Eiszeit haben den Lebensraum der Neandertaler einer neuen Studie zufolge nicht großflächig zerschnitten. Ein internationales Forschungsteam kommt in einer am Dienstag im Fachjournal Communications Earth & Environment veröffentlichten Arbeit zu dem Ergebnis, dass bewohnbare Gebiete quer durch Europa und Asien miteinander verbunden blieben – bis kurz vor dem Verschwinden dieser frühen Menschenform vor rund 40.000 Jahren.
Neandertaler (Homo neanderthalensis) sind eine ausgestorbene Menschenform, die vor mindestens 400.000 Jahren in Europa auftrat. Sie lebten als Jäger und Sammler und ernährten sich vielseitig, unter anderem von Jagdbeute, Pflanzen, Fisch und Meeresfrüchten. Lange galten sie als an kalte Klimazonen angepasst. Heute gehen Fachleute davon aus, dass sie in unterschiedlichen Umwelten zurechtkamen.
Die Autoren um Masoud Yousefi von der Universität Teheran haben mit Computermodellen nachgezeichnet, wo die Neandertaler leben konnten und wie ihre Lebensräume zusammenhingen.
Untersucht wurde der Zeitraum von der letzten Warmzeit vor etwa 130.000 Jahren bis kurz vor dem Aussterben. Grundlage sind Modelle, die mehrere statistische Verfahren kombinieren, sowie detaillierte Daten zum damaligen Klima.
Kerngebiete blieben über Jahrtausende stabil
Die günstigsten Lebensräume lagen den Berechnungen zufolge über die gesamte Zeit hinweg in denselben Regionen: in Westeuropa, im nördlichen und östlichen Mittelmeerraum, entlang der Schwarzmeerküste und südlich des Kaspischen Meeres. Große Gebirge wie Alpen, Pyrenäen, Kaukasus und Zagros wirkten laut Studie als Barrieren, die die Ausbreitung behinderten.
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Zwar sei die Fläche bewohnbarer Lebensräume in den letzten rund 60.000 Jahren vor dem Aussterben etwas kleiner geworden, schreiben die Forscher. Der Rückgang sei aber nicht mit einer Zersplitterung der Landschaft einhergegangen. Wichtige Wanderrouten quer durch Eurasien seien erhalten geblieben, örtlich sei die Verbindung zwischen den Lebensräumen sogar enger geworden.
Kalte Winter setzten die Grenzen
Als wichtigsten Einflussfaktor für die Verbreitung nennen die Autoren die Durchschnittstemperatur im kältesten Monat. Strenge Winter hätten die Grenzen des Lebensraums stärker geprägt als andere Klimafaktoren. Auch die Niederschläge in den trockensten Monaten hätten eine Rolle gespielt, vor allem im Mittelmeerraum und in der Levante.
Die Ergebnisse stützten die verbreitete Annahme nicht, wonach eine klimabedingte Aufsplitterung der Lebensräume das Aussterben der Neandertaler ausgelöst habe, heißt es in der Studie. Wahrscheinlicher seien ökologische und demografische Ursachen, darunter das Zusammentreffen mit dem sich ausbreitenden modernen Menschen (Homo sapiens).
Die Autoren verweisen zudem auf eine jüngere Untersuchung an Erbgut aus den Zellkraftwerken der Neandertaler, die auf eine Vermischung der Populationen kurz vor deren Verschwinden hindeutet.
Kein Mangel an Erfindergeist
Auch an fehlender Innovationsfähigkeit dürfte das Verschwinden der Neandertaler nach dem Stand der Forschung nicht gelegen haben. Frühere Studien deuten darauf hin, dass die Jäger und Sammler auf Klimaveränderungen mit technischen Neuerungen reagierten – etwa mit sogenannten Keilmessern, universellen Steinwerkzeugen, die während der Weichsel-Eiszeit vor rund 115.000 Jahren aufkamen.
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