Umfrage

Australien: Rechtsaußen-Partei „One Nation“ führt erstmals in Umfrage

Die rechte „One Nation“-Partei in Australien ist erstmals die stärkste Kraft. Zuletzt gab es in dem Land viel Unmut über das Budget der Mitte-links-Regierung.

3 Min
Pauline Hanson, Vorsitzende der One-Nation-Partei, könnte sich vorstellen, Premierministerin Australiens zu werden.

Pauline Hanson, Vorsitzende der One-Nation-Partei, könnte sich vorstellen, Premierministerin Australiens zu werden.

© Lukas Coch/imago

Die rechtspopulistische Partei „One Nation“ hat in einer landesweiten Umfrage erstmals die in Australien regierende Labor-Partei überholt. Auslöser ist nach Einschätzung der Meinungsforscher der Frust vieler Wähler über das jüngste Budget der Mitte-links-Regierung von Premierminister Anthony Albanese.

In der Erhebung von Redbridge Group und Accent Research für den Australian Financial Review kommt One Nation auf 31 Prozent der Stimmen, ein Plus von vier Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat. Labor verliert drei Punkte und liegt bei 28 Prozent. Die konservative Koalition aus Liberal Party und National Party fällt um zwei Punkte auf 20 Prozent.

Im für Australien wahlentscheidenden Zwei-Parteien-System, bei dem die Stimmen nach dem Präferenzwahlrecht verteilt werden, bleibt Labor mit 51 zu 49 Prozent knapp vor One Nation. Befragt wurden zwischen dem 25. und 28. Mai 1005 Wähler, die Fehlertoleranz liegt bei 3,4 Prozent.

Streit um Steuerreform und Wohneigentum

Hintergrund des Stimmungsumschwungs ist das am 12. Mai vorgelegte Bundesbudget, das die größten Änderungen bei den Immobiliensteuern seit Jahrzehnten vorsieht. Die Regierung will den Rabatt auf die Kapitalertragsteuer reduzieren und die steuerliche Absetzbarkeit von Verlusten aus vermieteten Immobilien („Negative Gearing“) auf Neubauten beschränken. Ziel sei es, jüngeren Australiern den Zugang zu Wohneigentum zu erleichtern, wie die Regierung mitteilte. Nach Angaben des Finanzministeriums sollen so in den kommenden zehn Jahren 75.000 Erstkäufer in den Markt eintreten können.

Die Maßnahmen kommen laut Umfrage jedoch in allen Altersgruppen schlecht an. Nur 23 Prozent der Befragten halten das Budget für gut für das Land, 55 Prozent für schlecht. Selbst unter den jüngeren Wählern, die profitieren sollen, glauben nur 26 Prozent der Millennials und 13 Prozent der Generation Z an einen persönlichen Vorteil.

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Hanson erwägt Wechsel ins Unterhaus

Redbridge-Direktor Tony Barry sagte dem Australien Financial Review, 63 Prozent der Wähler sähen das Land auf dem falschen Weg. Diese Stimmung befeuere Anti-Establishment-Tendenzen.

One-Nation-Gründerin Pauline Hanson, deren Partei seit dem Jahr 1997 bislang nur eine Randrolle im Parlament spielte, schloss in einem Interview mit Sky News am Sonntag nicht aus, bei der nächsten Wahl für das Repräsentantenhaus zu kandidieren. „Will ich Premierministerin werden? Ich werde den Job nicht schlechtreden, denn ich glaube, dass ich die Fähigkeit dazu habe“, sagte sie.

Finanzminister Jim Chalmers verteidigte den Kurs der Regierung. Die Sorgen der Bürger über die Wirtschaft seien berechtigt, sagte er vor Journalisten. Anders als die politische Rechte handle die Regierung jedoch konkret.

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