Die pro-iranischen Huthis haben nach Angaben der Regierung des Jemen die gesamte Küste des Landes am Roten Meer unter ihre Kontrolle gebracht. Sämtliches bislang von jemenitischen Regierungstruppen gehaltenes Gebiet „an der Westküste“ sei an die Huthis gefallen, sagte ein Regierungsbeamter am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.
Ein Armeevertreter erklärte gegenüber AFP, die Miliz habe auch die letzten beiden strategisch wichtigen Inseln in der Region erobert. Nach Mayyun, das auch Perim genannt wird, und Zuqar seien nun Groß- und Klein-Hanisch ebenfalls unter ihre Kontrolle geraten. Ein Regierungsvertreter sagte, die Huthis hätten damit die Übernahme des Gebiets um die Meerenge Bab al-Mandab abgeschlossen.
Reuters berichtete unter Berufung auf vier jemenitische Regierungsquellen, Huthi-Kämpfer hätten am Freitag Mayyun erreicht. Zwei Quellen zufolge zogen sich die Regierungstruppen zuvor von der Insel zurück. Die Miliz nahm demnach auch den gegenüberliegenden Küstenort Dhubab ein. Bereits am Donnerstag hatten die Huthis die Hafenstadt Mokka und die Hanisch-Inseln erobert.
Huthis bekräftigen Blockade
Eine offizielle Erklärung der Huthi-Regierung zur vollständigen Kontrolle über Bab al-Mandab lag Al-Jazeera zufolge zunächst nicht vor. Die Nachrichtenagentur Yemen Press Agency berichtete jedoch unter Berufung auf Quellen vor Ort von der Einnahme des Militärlagers Al-Omari, das die Meerenge überblickt.
Huthi-Militärsprecher Jahja Saree bekräftigte die im Juli ausgerufene Blockade gegen Schiffe aus Saudi-Arabien. Die Schifffahrt sei „für alle Unternehmen sicher, mit Ausnahme der saudiarabischen Schiffe, gegen die bereits zuvor ein Verbot verhängt wurde“, erklärten die Huthi-Streitkräfte in einer von Militärsprecher Jahja Saree auf Telegram veröffentlichten Mitteilung.
Die Miliz werde auf Blockade mit Blockade und auf Eskalation mit Eskalation reagieren, bis die saudischen Angriffe und die Beschränkungen gegen die von den Huthis kontrollierten Gebiete beendet würden.
Auch das Mitglied des Huthi-Politbüros Hasem al-Assad versicherte gegenüber der Zeitung Al-Araby al-Jadeed, für die internationale Schifffahrt bestehe keine Gefahr. Die Huthis greifen allerdings seit Juli saudische Schiffe im Roten Meer an. Schon in den vergangenen Jahren hatten sie Handelsschiffe attackiert, gekapert oder versenkt.
Wichtige Ausweichroute für Saudi-Arabien
Bab al-Mandab verbindet den Golf von Aden mit dem Roten Meer und bildet das südliche Tor zur Schifffahrtsroute durch den Suezkanal. Seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus durch den Iran hat die Meerenge für Saudi-Arabien zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Das Königreich nutzt die Route am Roten Meer verstärkt für seine Ölexporte.
Mit der Einnahme der Küstenorte und Inseln können die Huthis den Schiffsverkehr durch die zweite wichtige Meerenge nun unter Druck setzen.
Jemenitische Regierungstruppen kündigten laut Reuters an, die verlorenen Gebiete zurückerobern zu wollen. Berichte Huthi-naher, saudischer und internationaler Medien deuteten zudem auf saudische Luftangriffe gegen den Flughafen von Mokha hin. Angaben über Opfer oder Schäden lagen zunächst nicht vor.
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