Yes, er kann beim nächsten Mal auch durchs Brandenburger Tor gehen - fast schon tröstlich klingt es, was der Regierende Bürgermeister in seinem Glückwunschbrief an den künftigen US-Präsidenten Barack Obama verspricht. Klaus Wowereit (SPD) verkneift es sich in dem Schreiben von gestern jedenfalls nicht, auf den diplomatisch nicht unkomplizierten Berlin-Besuch des einstigen Kandidaten im Juli anzuspielen. "Gern erinnere ich mich an unser Treffen im Hotel Adlon nahe dem Brandenburger Tor", erzählt Wowereit und formuliert eine Art Einladung: "Ich würde mich freuen, wenn Sie die ausgezeichneten Kontakte möglichst bald mit Ihrem nächsten Besuch vertiefen würden." Dann, so der Regierende weiter, "wird sicher auch Gelegenheit sein, das Brandenburger Tor nicht nur von fern zu sehen, sondern an diesem historischen Ort auch eigene Eindrücke zu sammeln."Im Sommer wollte der Demokrat mitten im US-Wahlkampf am liebsten am Brandenburger Tor auftreten und dort - in seiner einzigen öffentlichen Rede in Europa - vom Wandel in der Weltpolitik reden, den er einzuleiten gedenke. Wowereit war dafür, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ebenfalls. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), bisher stets loyal mit George W. Bush, äußerte ein "gewisses Befremden" über die Absicht, die Veranstaltung am Tor, dem symbolträchtigsten Ort der deutschen Hauptstadt, abzuhalten. Obamas Wahlkampfmanagement reagierte, am Ende wurde die Rede an die Siegessäule verlegt. Rund 200 000 Menschen kamen, als Obama davon sprach, dass Amerika keinen besseren Partner als Europa habe. Auf einen Gang durchs Brandenburger Tor, eigentlich Standard für jeden wichtigen Berliner Gast, verzichtete der Amerikaner jedoch ganz, um keine missverständlichen Bilder zu produzieren. "Das hätte wie eine Trotzreaktion gewirkt", sagt einer der Berliner Beobachter.Der Berlin-Besuch scheint dem Wahlsieger dennoch in guter Erinnerung geblieben zu sein. In seiner Dankesrede nach der Bekanntgabe des Ergebnisses erwähnte er den Mauerfall, um seinen Wahl-Slogan "Yes, we can" (zu Deutsch etwa: "Ja, wir schaffen es") mit Beispielen zu belegen. "Ein Mann hat den Mond betreten, eine Mauer ist in Berlin gefallen, eine Welt hat sich mit Hilfe unserer Wissenschaft und unserer Fantasie vernetzt", sagte Obama. Und fügte hinzu: "Yes, we can."Ob Berlin als weltpolitische Bühne mit Obama eine wichtigere Rolle spielen wird als mit Bush, scheint so zumindest möglich. Die deutsche Hauptstadt habe den neuen US-Präsidenten "ganz offenbar beeindruckt", sagte Senatssprecher Richard Meng gestern. In den letzten Jahren sei die "Emotion" im Verhältnis Deutschland zu den USA zu kurz gekommen, mit Obama komme dies aber wieder. Wowereit erinnert denn auch in seinem Brief an die "begeisterte Aufnahme", die der 47-jährige US-Gast "bei den Bürgerinnen und Bürgern meiner Stadt" gefunden habe. Die Berliner hätten die Unterstützung des amerikanischen Volkes in den Zeiten der Teilung nicht vergessen, so Wowereit.Auch die Berliner CDU verbindet mit Obamas Wahl Hoffnungen für Berlins künftige Rolle. Die Hauptstadt sei "ein bedeutendes Symbol für die tiefe deutsch-amerikanische Freundschaft", sagte der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Frank Henkel. Obama habe in seiner Berliner Rede angedeutet, dass er "an diese besondere, historisch gewachsene Beziehung anknüpfen möchte". In welcher Weise weiß zwar noch niemand. Aber es scheint ziemlich sicher, dass alles mit einem Gang durchs Brandenburger Tor beginnen wird.------------------------------Foto: Im Juli sprach Barack Obama an der Siegessäule vor 200 000 Zuhörern. Da war er noch Kandidat. Als US-Präsident wird er seine nächste Rede an die Berliner vermutlich am Brandenburger Tor halten.
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