MITTE. Sich an lauen Sommerabenden in einen Liegestuhl fläzen, die Füße in den warmen Sand graben und dazu einen Cocktail schlürfen - das wird im Monbijoupark nicht mehr möglich sein, jedenfalls nicht mehr in dieser Form. Die Zeiten der alten Strandbar Mitte mit einem richtigen Sandstrand sind vorbei, denn der Bezirk hat eine Fläche an der Monbijou- straße sowie einen Teil der neu gestalteten Spreepromenade ausgeschrieben.Gesucht wird ein Betreiber für "Sommergastronomie mit Kulturangebot", heißt es in der Ausschreibung, die am 29. Februar endet. Man wolle die in vielen Reiseführern aufgeführte Attraktion erhalten und zeigen, dass Berlin "offen, kreativ und lebendig ist", sagt Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD). Auf dem Plateau an der Straße soll Gastronomie von April bis September möglich sein. Am Spreeufer, wo sich im vergangenen Sommer die Strandbar befand, darf ein Teil der Promenade genutzt werden, um Liegestühle, kleine Tische und Sonnenschirme aufzustellen, es darf auch bedient werden, aber einen Tresen will Gothe dort nicht mehr haben. Auch Werbung etwa auf den Schirmen ist verboten. "In einer Grünanlage ist das nicht zulässig", sagt Gothe. Die Zwischennutzungen während der Bauzeit seien vorbei. Deshalb müssen die Flächen ausgeschrieben werden, um Klagen von möglichen Konkurrenten von Theater und Bar auszuschließen.Damit hat Gothe die Bezirksverordneten düpiert. Denn zwischen den Parteien gab es die Absprache, dass das Hexenkessel-Theater weiter im Monbijoupark bleiben kann und die Strandbar geduldet wird, um den Großteil der Theaterproduktionen zu finanzieren. "Jetzt eine Ausschreibung vorzunehmen, ohne uns zu informieren, ist schon ein starkes Stück", kritisiert Frank Bertermann von den Grünen. Die Linken werfen dem Stadtrat vor, den Willen des Bezirksparlaments ins Gegenteil zu verkehren: "Wir wollen keinen Tresen im Monbijoupark mit einem Clown dahinter", sagt Sven Diedrich. Und die CDU hat beim Stadtrat eine "gewisse autistische Neigung ausgemacht". Fraktionschef Thorsten Reschke: "Ihnen fehlt der Respekt gegenüber den Bezirksverordneten." Gothe akzeptiert aber nur einen Vorwurf: "Ich hätte im Ausschuss über die Ausschreibung informieren müssen", sagt er.Für das Hexenkessel Hoftheater und die Strandbar könnte die Ausschreibung nach neun erfolgreichen Jahren den Abschied vom Monbijoupark bedeuten, sollte ein anderer Bewerber den Zuschlag erhalten. Theaterchef Christian Schulz sieht das "sportlich": "Wir haben ein überzeugendes Konzept und mit der Märchenhütte auch bewiesen, dass wir ein Winterangebot haben", sagt er. Details, welche Ideen er für dieses Jahr hat, will er lieber nicht nennen. Schulz: "Wir gehen in die Ausschreibung rein und treten an, um zu gewinnen."------------------------------Park an der SpreeDer Monbijoupark wird von der Oranienburger Straße und der Spree begrenzt. Er wurde in den Jahren 2004 bis 2007 für 3,3 Millionen Euro umgestaltet. Außer neuen Wegen entstanden weite Wiesenflächen und eine breite Uferpromenade.Das Hexenkessel Hoftheater spielt seit 1999 im Monbijoupark, 2007 besuchten mehr als 30 000 Zuschauer die Vorstellungen. Die Strandbar Mitte gehört zum Theater, sie existiert seit 2002. Sie war die erste Strandbar in Berlin und wurde weltweit zu einem Aushängeschild der Stadt.------------------------------Foto: Faulenzen an der Spree - im Monbijoupark soll das zwar weiter möglich sein, aber nicht mehr am Sandstrand.
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