Stadtgeschichte

Bauzaungalerie am Kleistpark: Wo einst Chamisso mit seiner Botanisiertrommel umherstreifte

Erst Gemüsefeld, dann Botanischer Garten, heute Kleistpark. Eine Bauzaungalerie in Schöneberg erzählt die Geschichte des Ortes. Die Initiatoren: UdK-Studierende und das Bildlabor.

3 Min
Die Planen sitzen herbststurmsicher: Yiwen Wang, Studentin an der UdK, erzählt die Geschichte des Kleistparks in Bildern,  Grunewaldstraße 8, Schöneberg.

Die Planen sitzen herbststurmsicher: Yiwen Wang, Studentin an der UdK, erzählt die Geschichte des Kleistparks in Bildern,  Grunewaldstraße 8, Schöneberg.

© Bildlabor Kleistpark

„DER PARK. 50 Gründe von 50 Menschen aus 5 Jahrhunderten, den Berliner Kleistpark zu besuchen“, das ist die Einladung.

Yiwen Wang von der Universität der Künste sieht ihre Bilder zur Geschichte des Ortes zum ersten Mal in dieser immensen Größe und Menge, aufgetragen auf Kunststoffplanen an den Bauzäunen des Schöneberger Museumsneubaus.

Das Bildlabor am Kleistpark, für das sich die Hegenbarth Collection des Sammlerpaares Jutta und Christopher Breu engagiert, soll ein Haus der Begegnung werden, für Kunst, Wissenschaft und Stadtgesellschaft. Nach der Grundsteinlegung im März dieses Jahres entstand die Bauzaungalerie in der Grunewaldstraße 8: als Kunst-Open-Air der Museumsgründer und der UdK, als künstlerisches, die Bauzeit über stetig wachsendes Archiv.

Die junge Chinesin Yiwen Wang erzählt die Geschichte des Kleistparks in Motiven

Das Museum der privaten Mäzene soll, mit aller Zuversicht, im Laufe des Jahres 2027 eröffnen und dann ein zugänglicher Ort werden mit Ateliers, Werkstätten, Räumen für Restaurierung und Art Handling sowie Co-Working-Spaces – dazu mit Begegnungscafé. Und mit Kunstausstellungen: etwa der rund 1700 Blätter und Bilder der privaten Josef-Hegenbarth-Sammlung sowie Werken von Caspar David Friedrich, Rembrandt, Picasso und zeitgenössischen Künstlern wie Günther Uecker.

Hegenbarth (1889–1962), der in Dresden und Prag lebte und wirkte, war ein bedeutender deutscher Grafiker, Illustrator und Satiriker, dessen Nachlass teils die Kunstsammlungen Dresden bewahren. Noch nie aber wurde sein Lebenswerk einmal umfänglich gezeigt. Das soll sich mit dem neuen Museum ändern.

Bis dahin haben Studierende der UdK am Bauzaun das Sagen, genauer: das „Bilden“. Die junge Chinesin Yiwen Wang erzählt die Geschichte des Kleistparks in Motiven vom kurfürstlichen „landwirtschaftlichen Mustergarten“, der sich hier nach 1600 befand und dem 200 Jahre später der erste Botanische Garten Berlins nachfolgte.

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Yiwen Wang mit ihrer Buchedition zur Bauzaungalerie über die Geschichte des Kleistparks

Yiwen Wang mit ihrer Buchedition zur Bauzaungalerie über die Geschichte des Kleistparks

© Bildlabor Kleistpark

Alles zu einer unterhaltsamen Erzählung verbunden

Ihre Illustrationen der Historie entstanden  nach intensiven Recherchen zunächst als Buch-Edition (im Selbstverlag) über den beliebten Stadtpark. Dann „wuchsen“ die Motive vom Miniatürlichen zum Makroskopischen, und zusammen sind diese Illustrationen über fünf Jahrhunderte wahrlich 50 Gründe, den Park zu erleben.

Die Künstlerin verbindet historische Persönlichkeiten, überlieferte Ereignisse und heutige Beobachtungen zu einer unterhaltsamen Erzählung. Denn bevor der heutige Botanische Garten in Lichterfelde entstand, strömten die Leute in den später, 1911, nach dem Dichter Heinrich von Kleist benannten Park. Von 1819 bis 1839 wirkte hier der Naturforscher und Dichter Adelbert von Chamisso als „Pflanzenaufseher“.

Ihm widmet Yiwen Wang selbstredend einige Motive, neben den namenlosen Flanierern durch den beliebten Stadtpark, die „grüne Lunge“ des Stadtbezirks, die nun mehr auf eine liebevolle Sanierungskur wartet.

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