BONN/BERLIN, 28. September. Die schwere Wahlniederlage der Union hat eine Serie von Rücktritten ausgelöst. Nachdem der CDU-Vorsitzende, Bundeskanzler Helmut Kohl, bereits am Sonntag abend seinen Rücktritt ankündigte, hat am Montag auch CSU-Chef Theo Waigel erklärt, er werde sein Amt abgeben. Als künftiger CSU-Vorsitzender steht der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber bereit. Der Wechsel an der Spitze der bayerischen Schwesterpartei soll auf einem Sonderparteitag Anfang kommenden Jahres vollzogen werden. Waigel bezeichnete seinen Rückzug nach zehn Jahren an der CSU-Spitze als seine "ureigenste persönliche Entscheidung". Stoiber habe allerdings von sich aus die Bereitschaft erklärt, den CSU-Vorsitz zu übernehmen. Bis zum Ende der Legislaturperiode 2002 will Waigel einfacher Abgeordneter bleiben.CSU-Generalsekretär Bernd Protzner wird ebenfalls seinen Posten aufgeben. "Ich sehe meine Verpflichtung mit dem Ausscheiden des Parteivorsitzenden als erfüllt an", sagte Protzner. Dagegen erklärte CDU-Generalsekretär Peter Hintze, er sei bis zum Jahre 2000 gewählt und wolle solange im Amt bleiben. Beide Unionsparteien wollen an der bisherigen Fraktionsgemeinschaft im Bundestag festhalten. Sie habe sich bewährt, sagte Kohl in Bonn.Favorit SchäubleWaigel sprach sich dafür aus, daß Wolfgang Schäuble auch in Zukunft die Fraktion von CDU/CSU führen solle. Es wird erwartet, daß sich die Spitzengremien der CDU kommende Woche für Schäuble als künftigen CDU-Vorsitzenden aussprechen werden. Die endgültige Entscheidung soll auf dem Wahlparteitag im November fallen. Kohl betonte, die Ämter des Partei- und Fraktionschefs sollten künftig in einer Hand liegen. Dies sei für eine Oppositionspartei die beste Konstellation.Norbert Blüm, der mit der CDU in Nordrhein-Westfalen das schlechteste Wahlergebnis seit 1949 kassierte, will nach Informationen des ZDF am heutigen Dienstag seinen Rücktritt vom Vorsitz des CDU-Landesverbandes anbieten.Obwohl die Berliner CDU in der Bundestagswahl alle sechs Direktwahlkreise gegen die SPD verloren hat, demonstrierte sie am Montag Geschlossenheit. Eberhard Diepgen werde weiterhin als Spitzenkandidat antreten, hieß es. (po., cr.)
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