POTSDAM. Während die siebenköpfige SPD-Koalitionsgruppe stringent und ungemein zügig den am Montag beginnenden Verhandlungsmarathon mit der CDU vorbereitet, nehmen in der Partei die persönlichen Spannungen zu. Bleibender Unruheherd sind die Spekulationen um Regine Hildebrandts Rückzug. Bewusst oder unbewusst hat die gegen ein rot-schwarzes Bündnis ankämpfende Sozialministerin die Gerüchteküche noch einmal angeheizt, indem sie via Deutscher Presseagentur mitteilen ließ: "Ich habe nie gesagt, dass ich in einer großen Koalition automatisch auch mein Landtagsmandat niederlegen werde, sondern nur, dass ich als Ministerin nicht mehr zur Verfügung stehe." Genau das aber hatten nach jener spektakulären Sitzung des SPD-Landesausschusses vor einer Woche, die die Weichen auf große Koalition stellte, zahlreiche führende SPD-Vertreter bis hin zu Fraktionschef Wolfgang Birthler, aber auch Regierungssprecher Erhard Thomas berichtet.Misstrauen in der ParteiDie Widersprüche machen vor allem eines überdeutlich: Das unter den Sozialdemokraten gut zwei Wochen vor ihrem Sonderparteitag Platz greifende Klima des gegenseitigen Misstrauens. Trotz der allseits öffentlich bekundeten Hoffnung, die populäre Ministerin möge ihr Amt weiterführen, wisse jeder, so ein Vorstandsmitglied, "dass sich auch manche die Hände reiben". Nicht zuletzt Birthler und dem mächtigen SPD-Strategen Rainer Speer wird nachgesagt, ihnen käme der Rückzug Hildebrandts zupass. Ihr behütender Politikstil behagt manchen SPD-Genossen schon lange nicht mehr.Schon die Tatsache, dass Hildebrandts drastische CDU-Beschimpfung "und nun zu den Arschlöchern" aus einer geschlossenen SPD-Vorstandssitzung kurz vor der Richtungsentscheidung in die Öffentlichkeit drang, nährte die Legende einer parteiinternen Intrige. In der dadurch angestoßenen Diskussion legte sich die Ministerin auch öffentlich so sehr auf das von ihr bevorzugte PDS-Bündnis fest, dass ihre Rückzugs-Ankündigung am vergangenen Freitag bereits allgemein erwartet wurde. "Wer das nach außen getragen hat", empört sich der Vorsitzende des Landesausschusses, Manfred Menning, "ist das wahre Arschloch!""Von Verzicht keine Rede"Menning ist sich auch "ziemlich sicher", dass von einem Mandatsverzicht keine Rede war. Die SPD-Vorständlerin Susanne Melior sagt, Hildebrandt habe keine klare Aussage zu ihrer Zukunft als Parlamentarierin getroffen. Ihr Satz "eine Koalition mit der CDU Leute, det kann ick nich!" sei aber vielfach als generelle Rückzugs-Ankündigung verstanden worden. Schließlich seien ihrer Rede auch Appelle gefolgt, wenigstens im Landtag zu bleiben. Für wieder andere SPDler, die aber nicht genannt werden wollen, bezogen sich Hildebrandts Worte "eindeutig" auf beide Ämter.Offen bleibt, was Regine Hildebrandt selbst mit ihrer verspäteten Richtigstellung bezweckt. Persönlich äußern mag sie sich schon seit Tagen nicht mehr. Auch wohlmeinende Parteifreunde können sich schwer vorstellen, wie sich die Ex-Ministerin in eine die SPD-CDU-Regierung tragende Fraktion einreihen sollte: "Regine als arbeitsmarktpolitische Sprecherin eine abenteuerliche Vorstellung."Ministeriums-Sprecher Thomas Wendt versucht es mit einer ganz einfachen Erklärung: Der täglich eingehenden Nachfragen um ihre Zukunft überdrüssig, habe seine Chefin nur klarstellen wollen, dass alles offen sei auch die Frage ihrer Zukunft als Parlamentarierin.
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