Spritpreise

Benzin maximal 1,99 Euro: Total deckelt Sprit in Frankreich – Deutschland lehnt neue Entlastung ab

Total deckelt Benzin in Frankreich auf 1,99 Euro je Liter. An drei Ferienwochenenden gilt das auch für Diesel – die Bundesregierung lehnt neue Hilfen ab.

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Autos warten an einer TotalEnergies-Tankstelle in Frankreich. Der Konzern deckelt dort erneut die Spritpreise.

Autos warten an einer TotalEnergies-Tankstelle in Frankreich. Der Konzern deckelt dort erneut die Spritpreise.

© JEAN-CHRISTOPHE VERHAEGEN

Frankreich-Urlauber können ihre Tankkosten in den kommenden Wochen etwas besser kalkulieren. Der Energiekonzern TotalEnergies führt an seinen rund 3300 Tankstellen im französischen Mutterland erneut feste Preisobergrenzen ein. Benzin darf dort ab sofort höchstens 1,99 Euro je Liter kosten, Diesel maximal 2,25 Euro.

Ein staatlicher Tankrabatt ist das zwar nicht, für Autofahrer wirkt die Grenze dennoch direkt an der Zapfsäule. Der Kontrast zu Deutschland ist deutlich: Trotz stark gestiegener Spritpreise plant die Bundesregierung vorerst keine neuen Entlastungen.

Kein Tankrabatt vom Staat: So funktioniert der Preisdeckel

Das Unternehmen begründet die Entscheidung mit den erneut eskalierten Kämpfen im Nahen Osten und dem Anstieg der internationalen Ölpreise. TotalEnergies stelle damit jene Regelung wieder her, die bis Ende Juni für das gesamte französische Tankstellennetz gegolten habe, teilte der Konzern am Mittwoch mit.

Die Obergrenzen sind keine Einheitspreise. Tankstellen, die ihren Kraftstoff günstiger anbieten können, dürfen weiterhin darunterbleiben. Finanziert wird die Maßnahme auch nicht aus dem französischen Staatshaushalt. TotalEnergies begrenzt die eigenen Verkaufspreise und verzichtet damit gegebenenfalls auf einen Teil seiner Marge.

Diesel an drei August-Wochenenden für höchstens 1,99 Euro

Für Urlauber gibt es im August eine zusätzliche Regelung. An den großen Reisewochenenden vom 1. bis 2. August, vom 15. bis 16. August sowie vom 29. bis 30. August begrenzt TotalEnergies auch den Dieselpreis an seinen französischen Autobahntankstellen auf 1,99 Euro je Liter. Dort gilt dann für Benzin und Diesel dieselbe Obergrenze.

Wie groß die Ersparnis tatsächlich ausfällt, hängt von der Tankstelle und der Kraftstoffsorte ab. Der Liter SP95-E10 kostete am Mittwochvormittag in Frankreich durchschnittlich 2,026 Euro. Für SP98 wurden im Mittel 2,116 Euro verlangt. Der Benzindeckel kann damit besonders bei höherpreisigen Stationen und bei SP98 spürbar werden.

Beim Diesel lag der landesweite Durchschnitt dagegen bei 2,139 Euro und damit unter der allgemeinen Total-Obergrenze von 2,25 Euro. Der Dieseldeckel dürfte daher zunächst an vielen normalen Tankstellen kaum greifen. Interessanter ist für Reisende die Sondergrenze von 1,99 Euro an den drei August-Wochenenden auf den Autobahnen. Die französischen Kraftstoffpreise waren innerhalb einer Woche um 4,25 Prozent bei SP95-E10 und um 6,8 Prozent beim Diesel gestiegen.

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Ölpreis steigt wegen des Iran-Kriegs

TotalEnergies hatte seine landesweite Preisgrenze erst Ende Juni wieder eingeschränkt. Nach der zwischenzeitlichen Beruhigung im Iran-Krieg galt der Deckel im Juli und August nur noch an 1200 Tankstellen in ländlichen Gebieten sowie zu ausgewählten Reisezeiten an Autobahnen. Mit dem erneuten Anstieg der Ölpreise wird die Regelung nun wieder auf das gesamte Netz ausgeweitet.

Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg am Mittwoch zeitweise um 3,45 Prozent auf 94,15 US-Dollar je Barrel. Händler fürchten, dass die neuen Kämpfe und Drohungen gegen Schifffahrtswege im Roten Meer die Ausfuhr von Öl aus der Region erneut erschweren könnten.

Die Preise in Frankreich liegen bereits deutlich über dem Niveau vom 27. Februar, dem Tag vor Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran. Diesel verteuerte sich seitdem nach Berechnungen auf Grundlage französischer Regierungsdaten um mehr als 24 Prozent.

TotalEnergies profitiert von hohen Ölpreisen

Die Preisgrenze besitzt in Frankreich auch eine politische Dimension. TotalEnergies hatte im ersten Quartal einen bereinigten Nettogewinn von 5,8 Milliarden US-Dollar ausgewiesen. Das waren 51 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die hohen Ölpreise und gute Geschäfte im Rohstoffhandel hatten die Einnahmen des Konzerns kräftig steigen lassen.

Premierminister Sébastien Lecornu forderte TotalEnergies daraufhin auf, außergewöhnliche Gewinne auf einem schnellen und für Verbraucher sichtbaren Weg weiterzugeben. Der Konzern erklärte, genau dies geschehe durch die Preisgrenzen an seinen Tankstellen. Linke Parteien verlangen dagegen eine Sondersteuer auf Gewinne, die Energiekonzerne infolge des Krieges erzielen.

Auch für das zweite Quartal rechnet TotalEnergies mit höheren Einnahmen aus der Ölproduktion und dem Raffineriegeschäft. Der Konzern bezifferte den durchschnittlichen Brent-Preis für diesen Zeitraum auf rund 97 US-Dollar je Barrel, 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Bundesregierung plant keinen neuen Tankrabatt

Während der französische Konzern seine Preisgrenze wieder ausweitet, sind in Deutschland vorerst keine neuen Maßnahmen vorgesehen. Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte am Montag in der Bundespressekonferenz, die Bundesregierung habe ihre bisherigen Entlastungen beendet. „Momentan sind keine neuen Entlastungsmaßnahmen geplant.“

Deutschland werde abhängig von der weiteren Entwicklung der Angriffe in der Straße von Hormus wohl noch einige Zeit mit starken Preisschwankungen leben müssen, sagte Kornelius. Die Bundesregierung beobachte die Entwicklung, sehe derzeit aber keine Notwendigkeit, erneut über einen Tankrabatt oder eine andere kurzfristige Hilfe zu entscheiden.

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