Energiekrise

Russlands Engpässe erreichen Zentralasien: Kirgisistan braucht Benzin und Diesel

Nach Angriffen auf russische Raffinerien sucht Kirgisistan neue Bezugsquellen. Kasachstan will Exporte nur zulassen, wenn die eigene Versorgung gesichert bleibt.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
2 Min
Eine Gazprom-Neft-Tankstelle in der kirgisischen Region Tschüi

Eine Gazprom-Neft-Tankstelle in der kirgisischen Region Tschüi

© Joerg Boethling/imago

Kirgisistan hat sechs Staaten offiziell um stabile Treibstofflieferungen gebeten. Angefragt wurden nach Angaben des kirgisischen Energieministeriums die Regierungen Russlands, Kasachstans, Belarus', Aserbaidschans, Usbekistans und Turkmenistans. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstagmorgen unter Berufung auf eine Mitteilung des Ministeriums.

Hintergrund sind Engpässe bei den Lieferungen aus Russland, das nach ukrainischen Drohnenangriffen auf mehrere Raffinerien selbst mit einer angespannten Kraftstoffversorgung zu kämpfen hat. Kirgisistan bezieht nach Angaben von Reuters mehr als 90 Prozent seines Benzins aus Russland. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte vergangene Woche erklärt, Moskau erwäge ein Ausfuhrverbot für Diesel.

Reserven noch ausreichend

Die Bestände im Land seien derzeit ausreichend, die Lieferungen liefen wie geplant, teilte das Energieministerium in Bischkek dem kasachischen Nachrichtenportal Zakon.kz zufolge mit. Man ergreife Maßnahmen, um die Energiesicherheit und eine stabile Versorgung des Binnenmarktes zu gewährleisten. Parallel liefen Verhandlungen zur Diversifizierung der Bezugsquellen. Im Juni hatte die Regierung Preiskontrollen für einen Teil des Kraftstoffverkaufs eingeführt.

Der kirgisische Verband der Ölhändler berichtete laut Reuters, an einzelnen Tankstellen fehle die Sorte AI-95. Vorräte der stärker nachgefragten Sorte AI-92 reichten noch für 30 bis 45 Tage. Diesel, der für die Erntesaison entscheidend ist, sei weiter verfügbar.

Kasachstan bremst Ausfuhren

Das kasachische Energieministerium erklärte am 1. Juli 2026 laut Zakon.kz, oberste Priorität habe die ununterbrochene Versorgung des eigenen Marktes. Ausfuhren seien nur möglich, wenn der Bedarf der kasachischen Bevölkerung und der Wirtschaft nicht gefährdet werde.

Die Ukraine greift seit Längerem systematisch russische Raffinerien und Öl-Exportanlagen an, um Moskau von Einnahmen aus dem Ölgeschäft abzuschneiden. Nach Angaben des ukrainischen Mediums The Kyiv Independent haben mehr als 20 russische Regionen Beschränkungen für den Kraftstoffverkauf verhängt.

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