Friedrich Merz hat angekündigt, für Entlastung bei den Benzinpreisen zu sorgen. „Wir müssen handeln“, sagt er am Dienstag. Und sie sind ja wirklich hoch und eine Belastung für Menschen, die das Auto brauchen, aber den Preis einer Tankfüllung nicht einfach aus dem Ärmel schütteln können. Dass der Bundeskanzler den Benzinpreis zur Chefsache macht, hat aber noch einen übergeordneten Sinn. Im Grunde signalisiert er damit, dass er an der Macht bleiben möchte.
Denn Benzin erzeugt nicht nur die Energie, die man zum Autofahren braucht. Mit Benzin wird Politik gemacht, so wie früher mit Brot. Einst war der Preis für Brot die Basis des sozialen Friedens in einer Gesellschaft. Das wussten schon die Römer mit ihrem panem et circenses. Und in Frankreich wurde der Brotpreis 200 Jahre lang staatlich festgelegt, bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.
Heute ist das, was einst der Brotpreis war, der Benzinpreis. Er ist ein Symbol für die grundlegenden materiellen Bedürfnisse der Menschen in Deutschland.
In der Empörung steckt ein Ressentiment
Dieser Preis steht für das Versprechen, dass die Politik es den Leuten, gerade den sogenannten kleinen Leuten ermöglicht, ihr Leben zu fristen. Und umgekehrt steckt in der Empörung über die hohen Benzinpreise ein Ressentiment, nämlich die Vorstellung, dass „die da oben“ Steuern auf das Benzin erheben und voller Missachtung für „die da unten“ sind oder sich wenigstens um ihr Wohlergehen keinen Deut scheren.
Das will Friedrich Merz nun ändern. Es geht um ein Signal: Ich schaue nicht auf euch herab, ich kümmere mich um euch. Es geht um die politische Stabilität im Land und letztlich um das Fortbestehen seiner Macht. Der Benzinpreis spielt hier eine Schlüsselrolle.
Kuchen statt Brot
Der französischen Königin Marie-Antoinette wird fälschlicherweise der Satz „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen“ zugeschrieben, den sie über das Volk gesagt haben soll, das in seiner Not vor ihrem Schloss protestierte. So als sei es kein Problem, das zufällig gerade fehlende Grundnahrungsmittel mit einer teureren Speise zu ersetzen.
Sie hat diesen Satz nie gesagt, aber die Zuschreibung steht für das, was die Leute von ihr dachten: dass sie als Angehörige der Eliten des Ancien Régime blind gegenüber den sozialen Problemen der Zeit sei. Diesen Vorwurf will sich Friedrich Merz, Teil der politischen Elite des Landes, nicht gefallen lassen.
Dass der Benzinpreisdeckel in der Woche vor dem nächsten Wahlsonntag – Berlin und Mecklenburg-Vorpommern – kommt oder wenigstens angekündigt wird, honi soit qui mal y pense.
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