Symbolik

Benzinpreis: Merz möchte keine Marie-Antoinette sein

Friedrich Merz will die Benzinpreise senken. Dahinter steckt mehr als Sozialpolitik: Der Benzinpreis ist heute, was früher der Brotpreis war.

3 Min
Benzinpreise am 15. September in Berlin

Benzinpreise am 15. September in Berlin

© Achille Abboud/Imago

Friedrich Merz hat angekündigt, für Entlastung bei den Benzinpreisen zu sorgen. „Wir müssen handeln“, sagt er am Dienstag. Und sie sind ja wirklich hoch und eine Belastung für Menschen, die das Auto brauchen, aber den Preis einer Tankfüllung nicht einfach aus dem Ärmel schütteln können. Dass der Bundeskanzler den Benzinpreis zur Chefsache macht, hat aber noch einen übergeordneten Sinn. Im Grunde signalisiert er damit, dass er an der Macht bleiben möchte.

Denn Benzin erzeugt nicht nur die Energie, die man zum Autofahren braucht. Mit Benzin wird Politik gemacht, so wie früher mit Brot. Einst war der Preis für Brot die Basis des sozialen Friedens in einer Gesellschaft. Das wussten schon die Römer mit ihrem panem et circenses. Und in Frankreich wurde der Brotpreis 200 Jahre lang staatlich festgelegt, bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

Heute ist das, was einst der Brotpreis war, der Benzinpreis. Er ist ein Symbol für die grundlegenden materiellen Bedürfnisse der Menschen in Deutschland.

In der Empörung steckt ein Ressentiment

Dieser Preis steht für das Versprechen, dass die Politik es den Leuten, gerade den sogenannten kleinen Leuten ermöglicht, ihr Leben zu fristen. Und umgekehrt steckt in der Empörung über die hohen Benzinpreise ein Ressentiment, nämlich die Vorstellung, dass „die da oben“ Steuern auf das Benzin erheben und voller Missachtung für „die da unten“ sind oder sich wenigstens um ihr Wohlergehen keinen Deut scheren.

Das will Friedrich Merz nun ändern. Es geht um ein Signal: Ich schaue nicht auf euch herab, ich kümmere mich um euch. Es geht um die politische Stabilität im Land und letztlich um das Fortbestehen seiner Macht. Der Benzinpreis spielt hier eine Schlüsselrolle.

Kuchen statt Brot

Der französischen Königin Marie-Antoinette wird fälschlicherweise der Satz „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen“ zugeschrieben, den sie über das Volk gesagt haben soll, das in seiner Not vor ihrem Schloss protestierte. So als sei es kein Problem, das zufällig gerade fehlende Grundnahrungsmittel mit einer teureren Speise zu ersetzen.

Sie hat diesen Satz nie gesagt, aber die Zuschreibung steht für das, was die Leute von ihr dachten: dass sie als Angehörige der Eliten des Ancien Régime blind gegenüber den sozialen Problemen der Zeit sei. Diesen Vorwurf will sich Friedrich Merz, Teil der politischen Elite des Landes, nicht gefallen lassen.

Dass der Benzinpreisdeckel in der Woche vor dem nächsten Wahlsonntag – Berlin und Mecklenburg-Vorpommern – kommt oder wenigstens angekündigt wird, honi soit qui mal y pense.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner