Tourismus

Bergwacht Sachsen: Wandersaison geht zu Ende – so viele Notrufe wie noch nie

Mit 162 Einsätzen musste die Bergwacht in der Sächsischen Schweiz so oft ausrücken wie noch nie. Woran das liegt und welche Unfälle am meisten passierten.

4 Min
Eine Frau hatte sich am Saugrund den Knöchel verletzt und musste von der Bergwacht gerettet werden.

Eine Frau hatte sich am Saugrund den Knöchel verletzt und musste von der Bergwacht gerettet werden.

© Bergwacht Sachsen

Die touristische Hauptsaison in der Sächsischen Schweiz ist beendet, Wanderer und Kletterer werden weniger – und auch die Bergwacht des DRK bekommt mal eine Verschnaufpause.

Denn wie die Zahlen aus dem aktuellen Saisonabschluss belegen, wurden die Retter häufiger gebraucht als je zuvor. 162 Mal rückten die ehrenamtlichen Bergretter 2026 aus – ein absoluter Einsatzrekord, bestätigt DRK-Sprecher Kai Kranich der Ostdeutschen Allgemeinen. Im letzten Jahr waren es noch 147 Einsätze, 2019 beispielsweise nur 115.

Während die Zahl der Kletterunfälle mit 17 in den letzten Jahren stabil blieb, wurde auch 84 Mal von Wanderern der Notruf gewählt. Außerdem schlugen in dieser Saison mit 61 Notrufen die „sonstigen Einsätze“ besonders oft zu Buche. Das Durchschnittsalter der in Not geratenen Menschen lag bei 53 Jahren.

Die Bandbreite der Einsätze ist groß: von der Rettung eines jungen Mannes, der 90 Meter in die Tiefe gestürzt war, bis hin zur Bergung eines Handys im August. Das fiel einer Wanderin aus der Hand, als sie an der Wehlsteinaussicht angerempelt wurde. Das Telefon fiel 70 Meter in die Tiefe. Kein medizinischer Notfall, aber ein Einsatz für die Bergwacht, die sich am steilen Felsen abseilte und das Handy bergen konnte. Ein sogenannter „sonstiger Einsatz“ in der Bergwacht-Statistik.

Der einsatzstärkste Monat war der Mai mit 34 Alarmierungen – nicht ungewöhnlich durch das Pfingstwochenende und den Männertag, an dem traditionell auch viele Dresdner als Tagestouristen zum Wandern ins Elbsandsteingebirge kommen.  Der zweitstärkste Einsatzmonat war dieses Jahr der Juli mit 28 Notrufen.

Letzter Hüttendienst der Saison

Am vergangenen Wochenende waren die Rettungswachen im Bielatal und in Rathen zum letzten Mal planmäßig besetzt. Während es im Bielatal ruhig blieb, wurden sieben Bergretter der Bergwacht Dresden am Sonntagmittag in den Niederen Saugrund gerufen. Eine 62-jährige Wanderin war im früheren Waldbrandgebiet umgeknickt und hatte sich vermutlich das Sprunggelenk verletzt.

Eine Notärztin seilte sich vom Rettungshubschrauber „Christoph 62“ an einer Seilwinde zu ihr ab und versorgte sie. Dann trugen Helfer die Patientin mit der Gebirgstrage durchs unwegsame Gelände zum Rettungswagen.

„Natürlich bekommen Wanderer weiterhin Hilfe, auch wenn die Berghütten nicht mehr besetzt sind. Unsere Alarmgruppen aus lokalen Bergrettern im Gebiet des Elbsandsteingebirges übernehmen dann den Großteil der Einsätze“, sagt Kranich. In der Hauptsaison wurden sie von Kolleginnen und Kollegen aus ganz Sachsen unterstützt.

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Der Sturm schlug eine 2 km Schneise in den Wald. Die Bäume begruben den Imbiss am Amselsee (Mitte) unter sich. Auch die Hütte der Bergwacht wurde beschädigt.

Der Sturm schlug eine 2 km Schneise in den Wald. Die Bäume begruben den Imbiss am Amselsee (Mitte) unter sich. Auch die Hütte der Bergwacht wurde beschädigt.

© Claudia Lord/Ostdeutsche Allgemeine

Wenn die Bergrettung selbst Hilfe braucht

Vor rund drei Monaten verwüstete ein Wirbelsturm über dem Amselsee in Rathen Teile der Sächsischen Schweiz. Während die Bergretter Verletzte versorgten und nach Betroffenen suchten, wurde ihr eigener Stützpunkt in Rathen ebenso beschädigt. Ein Baum stürzte aufs Dach, Gebälk und Dachziegel brachen.

Die Hütte ist für die Bergwacht weit mehr als ein Gebäude: Seit den Sechzigerjahren starten von dort aus Einsätze. Neben Ausrüstung bietet die Hütte auch Zeit zum Ausruhen zwischen den Einsätzen. Nach der Beschädigung zog das Team übergangsweise in das Gemeindehaus, das der Kurort Rathen bereitstellte. Vom Ausweichquartier aus absolvierten die Bergretter weitere 45 Einsätze.

Dafür war die Hilfsbereitschaft enorm. Über 740 Menschen spendeten für die Reparatur des Hüttendaches. Bis Ende Oktober kamen so 340.000 Euro zusammen. Eine einzelne Kletterfreundin steuerte fast 200.000 Euro bei. Die Radeberger Exportbierbrauerei gab 55.000 Euro, die Volksbank Pirna e.G. 15.000 Euro.

Die Hütte der Bergwacht in Rathen kann dank Spendengeldern repariert und modernisiert werden.

Die Hütte der Bergwacht in Rathen kann dank Spendengeldern repariert und modernisiert werden.

© Bergwacht Sachsen

Das Unwetter machte sichtbar, was ohnehin überfällig war. Zwar deckt die Versicherung die Dachschäden – doch die in die Jahre gekommene Hütte braucht eine grundlegende Modernisierung: zwei getrennte Sanitärbereiche, Schlafplätze für bis zu zehn Personen sowie eine zeitgemäße Küche und Aufenthaltsräume. Das ist jetzt alles mit den Spenden möglich, los geht es mit der Reparatur des Daches. 

Die Wiedereröffnung der Rathener Hütte soll mit dem Saisonbeginn 2027, an Ostern, erfolgen. Danach soll sie zu einem sachsenweiten Ausbildungsstützpunkt für die Bergwacht ausgebaut werden.

Landesleiter Hannes Markert zeigte sich überwältigt: „Ich bin unendlich dankbar für die unglaubliche Summe, die gespendet worden ist. Dies stellt ein starkes Zeichen der Anerkennung für den Einsatz der ehrenamtlichen Bergretterinnen und Bergretter dar. Keine Worte können unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Dieser Rückenwind wird uns tragen, um mit vollem Einsatz für alle Natur- und Bergfreunde da sein zu können.“

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