Die USA haben offenbar mehrere europäische Länder darüber informiert, dass bereits vertraglich vereinbarte Waffenlieferungen voraussichtlich später als geplant eintreffen werden. Grund dafür sei der Iran-Krieg, der amerikanische Waffenbestände beanspruche, berichtete Reuters unter Berufung auf fünf mit der Angelegenheit vertraute Quellen.
Betroffen sind demzufolge mehrere Länder in Europa, darunter im Baltikum und Skandinavien. Die Namen einiger Länder sollten auf Wunsch der Quellen nicht genannt werden, da einige von ihnen an Russland grenzen und Informationen über Waffenlieferungen als sensibel gelten, hieß es.
Lieferungen verschiedener Munitionstypen betroffen
Die verzögerten Lieferungen umfassen laut Reuters verschiedene Typen von Munition, inklusive solcher, die sowohl für offensive als auch für defensive Zwecke eingesetzt werden können. Die Waffen wurden über das sogenannte Foreign Military Sales-Programm (FMS) erworben, ein Programm, bei dem ausländische Regierungen mit logistischer Unterstützung Washingtons US-Rüstungsgüter kaufen.
US-Beamte informierten ihre europäischen Partner dem Bericht zufolge in den vergangenen Tagen in bilateralen Mitteilungen über die Verzögerungen. Das Weiße Haus und das US-Außenministerium verwiesen auf Anfrage an das Pentagon, das sich laut Reuters nicht äußerte.
Seit Beginn der Iran-Kampagne hat Teheran Hunderte ballistische Raketen und Drohnen auf Golfstaaten abgefeuert. Die meisten wurden abgefangen, unter anderem mit PAC-3-Patriot-Abfangraketen – genau jenem System, auf das auch die Ukraine zum Schutz ihrer Energie- und Militärinfrastruktur angewiesen ist.
USA bauten Waffenbestände ab
Bereits vor dem Iran-Konflikt hatten die USA dem Bericht zufolge aufgrund des Ukraine- und des Gaza-Kriegs Waffenbestände im Milliardenwert abgebaut, darunter Artilleriesysteme, Munition und Panzerabwehrraketen.
Europäische Vertreter beklagen laut Reuters, die Verzögerungen brächten sie in eine schwierige Position. US-Beamte rechtfertigen die Umverteilung damit, dass die Waffen für den Einsatz im Nahen Osten gebraucht würden, und kritisieren, dass die Europäer die USA und Israel nicht bei der Öffnung der Straße von Hormus unterstützen.
Unter US-Präsident Donald Trump drängte Washington die europäischen Nato-Partner verstärkt dazu, mehr US-Rüstungsgüter zu kaufen, auch über das FMS-Programm, um die Verantwortung für Europas Verteidigung stärker auf die Europäer zu verlagern. Verzögerungen bei US-Waffenlieferungen haben in Europa laut Reuters das Interesse an heimischen Waffensystemen verstärkt.
EU und Nato streiten um Autorität bei Aufrüstung in Europa - Bericht
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]