Jeder neunte Berliner ist stark übergewichtig. Das geht aus dem aktuellen AOK-Gesundheitsatlas hervor. Demnach leiden hochgerechnet etwa 380.000 Einwohner an Adipositas. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, da es sich bei der Zahl nur um die ärztlich diagnostizierten Fälle handelt.
Adipositas oder Fettleibigkeit liegt dann vor, wenn der Body-Mass-Index (BMI) über 30 liegt, der Fettanteil im Körper also übermäßig hoch ist. Rückenschmerzen, Depressionen, Asthma und die Lungenkrankheit COPD sind mögliche Folgeerkrankungen. Laut AOK liegt hier ein rund doppelt so hohes Risiko für adipöse Menschen vor. Auch unter Herzerkrankungen, Diabetes und Dickdarmkrebs leiden an Adipositas Erkrankte deutlich häufiger.
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„Es ist besorgniserregend, dass die Adipositas-Häufigkeit in Berlin stark zugenommen hat. Unser Gesundheitsatlas zeigt, dass Adipositas der wichtigste Risikofaktor für die meisten anderen chronischen Krankheiten ist“, sagt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost.
Aus dem Gesundheitsatlas geht hervor, dass die Zahl der stark Übergewichtigen im vergangenen Jahrzehnt deutlich zugenommen hat. Waren es 2011 noch rund acht Prozent der AOK-Versicherten, die die Diagnose Adipositas erhielten, waren es 2021 schon rund 11 Prozent.
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Der AOK-Gesundheitsatlas gibt auch Aufschluss über die Verteilung adipöser Menschen in den Berliner Ortsteilen. Demnach sind im Kiez rund um die Immanuelkirchstraße in Prenzlauer Berg nur rund sechs Prozent der AOK-Versicherten an Adipositas erkrankt. Weniger adipöse Menschen gibt es sonst nirgendwo in Berlin. Oberspree im Bezirk Treptow-Köpenick verzeichnet hingegen den Höchstwert an adipösen Menschen. Rund 19 Prozent sind hier fettleibig. Also dreimal so viele wie im Kiez rund um die Immanuelkirchstraße.
In sozial benachteiligten Kiezen sind laut AOK besonders viele an Adipositas erkrankte Menschen anzutreffen. Zudem sind die Bewohner dieser Bezirke einem 13 Prozent höheren Risiko für Adipositas ausgesetzt als Bewohner der reichsten Kieze, heißt es im Gesundheitsatlas der AOK.
Entsprechend hoch ist der Anteil adipöser Menschen in Teilen von Kreuzberg, Neukölln, Marzahn-Hellersdorf und Spandau, während Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf weitaus weniger betroffen sind. Zwischen Gebieten mit geringer und hoher Adipositasdichte liegen laut AOK-Gesundheitsatlas oft nur ein paar Hundert Meter. So sind rund um den Arkonaplatz in Berlin-Mitte 7,5 Prozent der AOK-Versicherten von Adipositas betroffen. In der an den Kiez angrenzenden Brunnenstraße haben dagegen 11,5 Prozent der AOK-Kunden die Diagnose Adipositas.
Arbeitslose haben der Erhebung zufolge ein 22 Prozent höheres Risiko für Fettleibigkeit im Vergleich zu Beschäftigten. Die Verteilung könnte laut einer Sprecherin der AOK Nordost auf die sozialen Unterschiede Berlins zurückzuführen sein. Aber auch andere, zum Beispiel demografische Faktoren, könnten eine Rolle spielen.
Deutschlandweit waren laut Robert-Koch-Institut (RKI) 2012 rund 23 Prozent der Deutschen adipös. Neuere Zahlen wurden bislang nicht veröffentlicht. Die AOK-Zahlen sind „annähernd repräsentativ“, da die AOK Nordost eine der größten Krankenkassen in Berlin ist.
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