Welt-GEsundheitsgipfel

Berlin gegen Ebola: Charité bildet 120 Klinikbeschäftigte in Afrika aus

Während in Berlin der World Health Summit tagt, zeigt ein Charité-Team, wie es Ebola-Kranke versorgt.

5 Min
Alabali Radovan (2.v.l.), Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, beobachtet ein Charité-Team bei einer Ebola-Übung.

Alabali Radovan (2.v.l.), Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, beobachtet ein Charité-Team bei einer Ebola-Übung.

© Jordis Antonia Schlösser

Dem Patienten geht es nicht gut, er wird beatmet. Eine Ärztin und eine Intensivpflegekraft der Charité stehen an seinem Bett, kümmern sich um ihn. Sie tragen dicke Schutzkleidung, dazu Schutzmaske und Schutzbrille. Der Patient ist blass, was daran liegt, dass seine Haut aus hellem Gummi ist und es sich bei ihm um eine Puppe für Übungszwecke handelt.

Die Szenerie unter einem Baldachin ist im Hof des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, kurz BMZ, in Berlin-Kreuzberg aufgebaut. Das Charité-Team demonstriert gerade Ministerin Reem Alabali Radovan (SPD), was es nur wenige Tage zuvor in Afrika getan hat. Es hat medizinischem Personal dort gezeigt, wie es am besten Menschen medizinisch versorgt, die sich mit dem Ebola-Virus infiziert haben. Und das sind Tausende.

Das BMZ finanziert dieses Programm, bei dem die Spezialisten aus Berlin helfen, der Epidemie etwas entgegenzusetzen. Sie grassiert im Osten der Demokratischen Republik Kongo, weitet sich inzwischen aber auch auf benachbarte Regionen aus. In Uganda wurden 20 Fälle und zwei Tote bestätigt. Kenia meldete am 6. Oktober seinen ersten Fall; ein Kenianer, der aus dem Kongo zurückkehrte und in Nairobi starb.

Patrik Mbundi, Generalsekretär der Ostafrikanischen Gemeinschaft, am Rande einer Ebola-Übung in Berlin.

Patrik Mbundi, Generalsekretär der Ostafrikanischen Gemeinschaft, am Rande einer Ebola-Übung in Berlin.

© Jordis Antonia Schlösser

World Health Summit: Aus Krisen gestärkt hervorgehen

Die Charité-Mitarbeiter machen nun genau das, was das Thema des diesjährigen World Health Summit ist, des Berliner Welt-Gesundheitsgipfels, zu dem sich internationale Experten in der deutschen Hauptstadt versammelt  haben. „From Crisis to Resilience: Innovating for Health“, ist der Kongress überschrieben. Aus Krisen gestärkt hervorgehen, das ist die Strategie, über die gesprochen werde soll.

Der Kampf gegen Krankheiten ist längst keine Angelegenheit mehr einzelner Staaten. Die Gesellschaften weltweit sind mobil, bewegen sich problemlos von einem Ende der Erde zum anderen, und mit ihnen auch Erreger. Wenn die Corona-Pandemie eines eindrucksvoll bewiesen hat, dann das: Gesundheit muss global gedacht werden, nationale Egoismen rächen sich früher oder später.

Ebola grassiert vor allem in der DR Kongo. Im Mai machten erstmals Meldungen über die Epidemie weltweit die Runde. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist sie weiterhin außer Kontrolle. Von insgesamt mehr als 4000 Toten geht die WHO mittlerweile aus un ungefähr 1000 zeitgleich aktiven Fällen. „Es sind jede Woche neue Regionen betroffen“, sagt Maximilian Gertler.

Maximilian Gertel, Ebola-Experte der Charité.

Maximilian Gertel, Ebola-Experte der Charité.

© Jordis Antonia Schlösser

Charité-Arzt: „Wahnsinnig hohe Sterberate“

Der Charité-Arzt ist Epidemiologe, Intensivmediziner und Tropenmediziner. Er war zwei Tage vor der Vorführung beim BMZ aus der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa zurückgekehrt. „Also nicht direkt aus dem Ausbruchsgebiet“, sagt Gertler. Das Virus, berichtet er, „breitet sich allerdings mit einer Dynamik aus, die wir von solchen Ausbrüchen bisher nicht kannten.“ Ebola wird mittels Körperflüssigkeiten übertragen und verläuft sehr häufig tödlich.

Zwar sind bereits Menschen in Kenia und Uganda erkrankt, vor allem die Reiseaktivitäten wohlhabender Bürger erhöhen das Risiko. Doch hochgerechnet 65 Prozent der Infektionen bleiben in der jeweiligen Gemeinde. Die Sterberate beträgt etwa 50 Prozent. „Das ist wahnsinnig hoch.“ Und das ist einer der Gründe, warum sich die Epidemie bislang im  Kongo und in Ostafrika ausbreitet.

„Die meisten Menschen, die sich infizieren, schaffen es nicht mehr, weit zu reisen“, sagt Miriam Songa Stegemann, Oberärztin auf der Sonderisolierstation der Charité auf dem Campus Virchow. Sie sieht momentan keine größere Gefahr, dass sich das Virus nach Europa ausbreiten könnte. Lediglich Frankreich meldete im Juni einen importierten Fall.

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Zwei Mitarbeiter der Charité, die wenige Tage zuvor noch in der DR Kongo im Einsatz waren.

Zwei Mitarbeiter der Charité, die wenige Tage zuvor noch in der DR Kongo im Einsatz waren.

© Jordis Antonia Schlösser

Stegemanns Station geriet ins Blickfeld der Öffentlichkeit, als sie den an Ebola erkrankten US-Arzt Peter Stafford aufnahm und schließlich Anfang Juni als geheilt entlassen konnte. Er hatte eine Kombinationstherapie aus einem experimentellen Antikörperpräparat und einem antiviralen Medikament erhalten. „Für den jetzt aufgetretenen Bundibugyo-Subtyp gibt es keine offiziell zugelassene Standardtherapie“, sagt Stegemann. Es würden größere Studien laufen,, ergänzt sie, auch im Ausbruchsgebiet. „Aber bis Medikamente einsetzbar sind, wird es dauern.“

Die medizinische Versorgung vor Ort sei deshalb wichtig, die intensivmedizinische vor allem. „Wir wissen, dass sie die Mortalität senkt und die Prognose verbessert“, sagt die Oberärztin. Doch der bewaffnete Konflikt im Osten der DR Kongo lässt eine solche Versorgung kaum zu, erschwert der Bevölkerung den Zugang zu einem funktionierenden Gesundheitssystem.

Ein weiteres Problem: „Es fehlen gut geschulte Fachkräfte.“ An diesem Punkt setzen die Experten der Charité an, sie trainieren Personal von vor Ort, das bereits Vorkenntnisse mitbringt. „Multidisziplinäre Teams aus Pflegekräften und Ärzten“, sagt Stegemann.

Ministerin Radovan: „Brauchen internationale Unterstützung“

Maximilian Gertler und seine Kollegen waren zuletzt in Nairobi/Kenia und in Kampala/Uganda im Einsatz. In Kinshasa haben Absolventen des Programms bereits angefangen, ihrerseits Personal zu trainieren.. „Für den Fall, dass dort Patienten mit Ebola zu behandeln sind“, sagt der Charité-Mediziner. Rund 120 Beschäftigte an Kliniken bilden die Berliner aus.

Der Tansanier Stephen Patrick Mbundi ist an diesem Morgen in den Hof des BMZ gekommen, um sich für das Engagement der Deutschen zu bedanken. „Das ist extrem wichtig.“ Der Generalsekretär der Ostafrikanischen Gemeinschaft hat die Vorführung unter dem Baldachin verfolgt und anschließend die Bedeutung der Schulungen für die Situation in der Region betont, die sei nämlich weiterhin dramatisch.

Auch Alabali Radovan hat auf die Rolle der Berliner Universitätsmedizin verwiesen. „Ein Vorzeigevorhaben, aber wir brauchen jetzt internationale Unterstützung.“ Die Ministerin hat sogleich auf die Wechselwirkung des Programms hingewiesen. „Wichtig ist dieser Austausch zwischen zum Beispiel der Charité Berlin und eben dem Gesundheitspersonal vor Ort in der Demokratischen Republik Kongo, damit auch wir lernen.“

Das war so eine Art freie Übersetzung des Mottos, unter dem der World Health Summit  dieser Tage in Berlin steht: „Von der Krise zur Resilienz – Innovationen für die Gesundheit.“

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