Wahlkampf

„Berlin hat keine No-Go-Areas“: Schönenborn zeichnet kurz vor der Wahl positives Bild der Hauptstadt

Jörg Schönenborn spricht in den „Tagesthemen“ über Sicherheit und Kriminalität in Berlin. Er zeichnet kurz vor der Wahl ein positives Bild von Berlin.

4 Min
Jörg Schönenbon, Moderator Tagesthemen, hält Berlin für eine sichere Stadt.

Jörg Schönenbon, Moderator Tagesthemen, hält Berlin für eine sichere Stadt.

© Georg Wendt/dpa

Vier Tage vor der Abgeordnetenhauswahl zeichnet ARD-Moderator Jörg Schönenborn in den „Tagesthemen“ ein deutliches Bild von der Sicherheitslage in der Hauptstadt. „Berlin ist, verglichen mit internationalen Metropolen, eine eher sichere Stadt, die Straftaten gehen zurück. Berlin hat keine No-Go-Areas“, sagte er am Dienstagabend. Doch was davon lässt sich mit Zahlen belegen?

Tatsächlich ist die Zahl der von der Polizei registrierten Straftaten deutlich gesunken. 2025 wurden in Berlin 502.743 Straftaten erfasst – 36.306 oder 6,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Mit Ausnahme des pandemiegeprägten Jahres 2021 war das der niedrigste Stand seit mehr als zehn Jahren. Auch die Rohheitsdelikte, zu denen unter anderem Raub und Körperverletzungen gehören, gingen leicht von 81.460 auf 80.541 zurück. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 der Berliner Innenverwaltung hervor.

Allerdings entwickelten sich einige Deliktgruppen in die andere Richtung. 2025 registrierte die Polizei 3599 Messerangriffe, 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei 1779 Fällen wurde mit einem Messer gedroht; 1759 Messerangriffe ereigneten sich im öffentlichen Raum. Die Zahlen finden sich im Kurzbericht der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025.

Noch deutlicher fiel der statistische Anstieg bei der Schusswaffenverwendung aus: In 1119 Fällen wurde mit einer Schusswaffe gedroht oder geschossen – 453 Fälle beziehungsweise 68 Prozent mehr als 2024. Allerdings ist der Vergleich mit dem Vorjahr nur eingeschränkt aussagekräftig: Seit 2025 wird die Waffenverwendung in der PKS fall- und tatverdächtigenbezogen erfasst. Darauf weist die Polizei in ihrer Kriminalstatistik ausdrücklich hin.

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Sieben kriminalitätsbelastete Orte

Auch Schönenborns Satz „Berlin hat keine No-Go-Areas“ braucht Einordnung. „No-Go-Area“ ist keine amtliche Kategorie der Berliner Polizei. Ob es solche Gebiete gibt, lässt sich deshalb aus der Kriminalstatistik weder bestätigen noch widerlegen.

Sehr wohl weist Berlin jedoch Gebiete mit besonderer Kriminalitätsbelastung aus. Seit dem 1. Juli sind per Rechtsverordnung sieben „kriminalitätsbelastete Orte“ festgelegt: Alexanderplatz, Görlitzer Park/Wrangelkiez, Hermannplatz/Donaukiez, Hermannstraße/Bahnhof Neukölln, Kottbusser Tor, Rigaer Straße und Warschauer Brücke. Das geht aus der Übersicht der Polizei Berlin und der kbO-Verordnung vom 17. Juni 2026 hervor.

Grundlage ist Paragraf 17a des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG). Ein öffentlich zugänglicher Ort darf demnach nur dann als kriminalitätsbelastet eingestuft werden, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass dort Personen Straftaten von erheblicher Bedeutung verabreden, vorbereiten oder verüben.

Die Polizei nennt als Beispiele Raub, Brandstiftung, gefährliche Körperverletzung, gewerbs- oder bandenmäßigen Taschendiebstahl und Rauschgifthandel. An diesen Orten darf sie unter anderem auch ohne konkreten Straftatverdacht die Identität von Personen feststellen sowie Personen und Sachen durchsuchen. Das erläutert die Polizei Berlin auf ihrer Informationsseite zu kriminalitätsbelasteten Orten.

Berlin im internationalen Vergleich

Schwieriger zu überprüfen ist Schönenborns Aussage, Berlin sei „verglichen mit internationalen Metropolen“ eine eher sichere Stadt. Einen konkreten Vergleich oder eine Statistik nannte er in der Sendung nicht. Ein einfacher Vergleich von Polizeistatistiken verschiedener Länder wäre ohnehin problematisch: Eurostat weist darauf hin, dass unter anderem unterschiedliche Straftatdefinitionen, Anzeigequoten, Erfassungs- und Zählmethoden sowie Rechtssysteme die Vergleichbarkeit einschränken. Eurostat erläutert die Grenzen solcher Vergleiche.

Schönenborn zeichnete damit kurz vor der Wahl ein ausgesprochen positives Bild der Berliner Sicherheitslage. Der Rückgang der Gesamtkriminalität um 6,7 Prozent stützt einen Teil seiner Darstellung. Andere Zahlen zeichnen ein differenzierteres Bild: Die Statistik weist mehr Messerangriffe und Fälle von Schusswaffenverwendung aus, wobei die Polizei auf Änderungen bei der Erfassung hinweist. Zudem gibt es sieben kriminalitätsbelastete Orte. Für seine Aussage, Berlin sei im Vergleich mit internationalen Metropolen eine „eher sichere Stadt“, nannte Schönenborn keinen konkreten Maßstab.

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