Ratgeber

Hochzeitsrede richtig gut schreiben: Fünf Tipps vom Profi

Wer jemals eine Rede, zumal für eine Hochzeit, geschrieben hat, kennt die Angst vorm ersten Satz. Wie man eine coole Hochzeitsrede schreibt, erklärt ein Experte.

Nicole Schulze
5 Min
Laufen die jetzt in den Hafen der Ehe ein? Selbst wenn Phrasen passend erscheinen, sollte man sie vermeiden.

Laufen die jetzt in den Hafen der Ehe ein? Selbst wenn Phrasen passend erscheinen, sollte man sie vermeiden.

© imago/Panthermedia

Eigentlich ist Matthias Müller-Krey freiberuflicher Redenschreiber und Ghostwriter, arbeitet für namhafte Dienstleister und Firmen. Aber der Friedrichshainer Unternehmer sorgt nicht nur bei Weihnachtsfeiern und Jubiläen für die passenden Worte, sondern auch bei Hochzeiten.

Jetzt, in der warmen Jahreszeit, wird besonders viel geheiratet. Klar: Keine Braut möchte im dicken Mantel vorm Standesamt fotografiert werden, sondern im schicken Hochzeitskleid, und frieren will man auch nicht unbedingt. Deshalb sind die Sommer-Termine stadtweit Wochen und Monate im Voraus ausgebucht.

Üblicherweise werden bei Hochzeiten auch Reden gehalten, meistens vom Brautvater und den Trauzeugen, wobei die Regeln heutzutage nicht mehr ganz so streng sind. Nun ist es jedoch nicht jeder oder jedem gegeben, die richtigen Worte zu finden, einen schönen Erzählbogen zu spannen und einen pointenreichen sowie kurzweiligen Text zu stricken.

Das sei kein Problem, so Matthias Müller-Krey, der einen Hochzeitsrede-Bausatz erstellt hat, bei dem man aus verschiedenen Textbausteinen und Formulierungshilfen auswählen kann (Kosten: ab ca. 29 Euro; einige Passagen sind auch kostenfrei lesbar).

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Kleiner Tipp vorab: Falls Sie vor oder während der Rede aufgeregt sind, geben Sie das ruhig zu. Sagen Sie, dass Sie nervös sind – am besten gleich zu Beginn in Form eines kleinen Witzes. Das lockert Sie und die Gäste auf. Nichts ist entwaffnender als charmante Ehrlichkeit. Was Sie sonst noch beachten sollten, verrät der Redenschreiber hier.

Regel 1: Jede Rede braucht eine klare Botschaft

Matthias Müller-Krey: Bevor man mit dem Schreiben der Hochzeitsrede loslegt, sollten zunächst die Kerninhalte festgelegt werden. Die Auswahl der passenden Botschaft ist nicht schwierig. Die Brautmutter wünscht Glück für die Ehe und nimmt den Bräutigam feierlich in der Familie auf. Der Trauzeuge freut sich für seinen alten Kumpel, dass der wider Erwarten eine so tolle Frau abbekommen hat. Der Bräutigam dankt den Gästen und macht seiner frisch angetrauten Ehefrau eine flammende Liebeserklärung.

Wer zuerst die Kernaussagen festlegt, stellt sicher, dass die Rede später nicht vom Thema abschweift. Außerdem erleichtert es das Schreiben, denn an den Kernbotschaften lassen sich Gags und lustige Anekdoten aufreihen wie Perlen an einer Schnur.

Regel 2: Hochzeitsreden müssen lustig sein

Matthias Müller-Krey: Eine Rede zur Hochzeit ist kein Grundsatzreferat zum Thema Ehe. Sie sollte vielmehr ein unvergessliches Highlight der Hochzeitsfeier sein. Das beste Mittel, das zu erreichen, ist eine ordentliche Prise Humor. Eine witzige Rede zu schreiben, ist nicht kompliziert. Am besten sucht man sich zu jeder Kernaussage eine humorvolle Formulierung oder erzählt eine witzige Anekdote.

Gags gibt es in Büchern, Ratgebern und natürlich im Internet. Viele Webseiten bieten Formulierungsvorschläge für Hochzeitsreden an und auf YouTube kann man sich von zahlreichen lustigen Reden inspirieren lassen.

Regel 3: In der Kürze liegt die Würze

Matthias Müller-Krey: Länger als drei oder vier Minuten sollte eine Hochzeitsrede auf keinen Fall dauern. Fünf Minuten sind absolute Obergrenze. Denn alles, was zu lange weilt, wird langweilig. Die Hochzeitsgäste haben am Tag der Hochzeit in der Regel schon die Worte einer Pfarrerin oder eines Standesbeamten über sich ergehen lassen, und auch bei der Hochzeitsfeier werden in der Regel mehrere Reden gehalten.

Wer das Konzentrationsvermögen seiner Zuhörer nicht überstrapazieren will, sollte sich darum kurz fassen. Wie lange es dauert, einen geschriebenen Redetext vorzutragen, zeigt der Wortzähler des Textverarbeitungsprogramms. 150 Wörter ergeben etwa eine Minute Redezeit. Mehr als 750 Wörter sollte der fertige Text nicht enthalten.

Regel 4: Phrasen vermeiden

Matthias Müller-Krey: Formulierungen wie „endlich unter der Haube“ oder „in den Hafen der Rede eingelaufen“ sind so abgedroschen, dass sie dem Publikum höchstens ein Gähnen entlocken. Das gleiche gilt für den Satz: „Wir haben keine Tochter verloren, sondern einen Sohn hinzugewonnen.“

Diese und ähnliche Kalauer machen nur dann Spaß, wenn sie humorvoll abgewandelt werden. So zum Beispiel: „Als unsere Tochter zu Hause auszog, um beim Bräutigam zu wohnen, war das zunächst eine große Umstellung. Doch heute wissen wir: Wir haben keine Tochter verloren. Wir haben ein Badezimmer dazugewonnen.“

Regel 5: Rede gründlich vorbereiten

Matthias Müller-Krey: Das beste Mittel gegen den großen Bammel vor dem Redeauftritt heißt: üben, üben, üben. Es gilt der Grundsatz: Zu viel Vorbereitung gibt es nicht. Zunächst liest man den Text so oft laut, bis er locker über die Zunge rollt. Später kann man sich dabei auch mit dem Handy aufnehmen und den eigenen Vortrag analysieren.

Am Schluss wird die Rede laut vor einem Probepublikum gehalten. Dabei sollte die Redesituation so genau wie möglich simuliert werden. Je gründlicher jede Einzelheit geplant wird, desto sicherer fühlt sich die Rednerin oder der Redner in dem Augenblick, wo die Gabel das Sektglas berührt.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner