Sicherheit im Görlitzer Park

Cem Özdemir: Meine 17-jährige Tochter traut sich nicht in den Görli

Der Grünen-Politiker, der seit Jahren in Kreuzberg wohnt, findet die Verhältnisse „inakzeptabel“. Und er wundert sich über die Polizeifeindlichkeit vieler Linker.

Elmar Schütze
Elmar Schütze
2 Min
Cem Özdemir

Cem Özdemir

© Political-Moments/imago

Cem Özdemir also auch. Auch der Landwirtschafts- und Ernährungsminister (Grüne) hat etwas zur Debatte um den Görlitzer Park beizutragen. Im Hause des in Kreuzberg lebenden Ministers gilt Berlins Problem-Grünanlage nicht als gern besuchte Naherholungsfläche.

„Ich habe eine 17-jährige Tochter, die erzählt mir schon sehr lange davon, dass sie in den Görlitzer Park nicht gehen möchte mit ihren Freundinnen. Selbst wenn sie Jungs dabeihaben.“ Schuld seien der  ausufernde Drogenhandel und die Ansprachen der ansässigen Dealer. Das sagte der 57-jährige Politiker dem Podcast „Tekkal & Behroz“ der gleichnamigen Journalisten.

Bei der Gelegenheit berichtete Özdemir davon, dass seine Tochter auch Busse und Bahnen zu bestimmten Zeiten nicht nutze. Vater Özdemir hat dazu eine klare Haltung: „Das ist nicht akzeptabel, das geht nicht. Wenn eine Stadt nicht gewährleisten kann, dass Mädchen und Frauen zu jeder Tages- und Nachtzeit öffentliche Verkehrsmittel benutzen, Parks besuchen können, dort joggen können, und zwar so angezogen, wie sie es für richtig halten.“ 

Zugleich lobte der Realo-Grüne die Polizei. „Reiche Millionäre können sich Sicherheit immer leisten. Ärmere dagegen sind besonders darauf angewiesen, dass der Staat gut funktioniert. Darum habe ich nie verstanden, warum man als Linker, als Liberaler polizeifeindlich sein soll.“ 

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Aber Özdemir und Kreuzberg? Da war doch schon mal was. 2009 befragte die taz den Wahl-Kreuzberger zu Protesten von Bewohnern am Kottbusser Tor gegen einen geplanten Druckraum. Özdemir war auf besondere Weise betroffen: Der Druckraum sollte in seinem Wohnhaus eingerichtet werden.

2014 postete Özdemir ein Video, offenbar auf seinem Balkon, wie er sich einen Eimer Wasser über den Kopf gießt. Es war eine „Ice Bucket Challenge“, eine Eiskübelherausforderung also, die auf die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam machen sollte.

Allerdings sah man auf dem Video nicht nur ein Kreuzberg-Panorama, sondern auch eine Hanfpflanze. Özdemir mochte das Stillleben auf seinem Balkon als „sanftes politisches Statement verstehen“. Jeder Erwachsene solle selbst entscheiden dürfen, ob er Cannabis konsumieren wolle. Dennoch nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Anbaus von Betäubungsmitteln auf – und stellte sie bald wegen Geringfügigkeit wieder ein.

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