Olympia-Absage

Staatsminister Schuster nach Berliner Olympia-Aus: „Sachsens Chancen bleiben gewahrt“

Berlins Olympia-Rückzug trifft den Osten: Sachsen setzt auf KölnRheinRuhr und ein Signal für die Region – Brandenburg drückt die Daumen für die übrigen Bewerber.

5 Min
Sachsens Sportminister Armin Schuster möchte Standorte seines Bundeslandes für Olympia im Spiel halten

Sachsens Sportminister Armin Schuster möchte Standorte seines Bundeslandes für Olympia im Spiel halten

© Steffen Proessdorf/Imago

Es ist ein Lehrstück über die Kosten unzuverlässiger Politik: Zwei Tage vor der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat Berlin seine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 zurückgezogen.

Mit ihr verschwindet das Konzept „Berlin+“ – und damit die bislang einzige Bewerbung, in der Ostdeutschland nicht Statist, sondern Gastgeber gewesen wäre. Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern waren Partner, Schleswig-Holstein sollte die Segelwettbewerbe stemmen. Nun bleibt das Nachsehen.

Woidke und Hoffmann: Diplomatisches Bedauern

Die Brandenburger Landesregierung reagierte mit einer gemeinsamen Erklärung von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Sportminister Gordon Hoffmann (CDU). „Schade, dass das olympische Feuer vorerst nicht in Berlin entfacht wird“, erklärte Woidke. Das Konzept sei „ein starkes Zeichen für echten Teamgeist über Ländergrenzen hinweg“ gewesen. Sein Appell richtet sich nun nach Westen: „Egal, ob diese an der Isar oder Rhein und Ruhr stattfinden, wir drücken die Daumen. Holen wir die Olympischen Spiele nach Deutschland.“

Bedauert die Absage aus Berlin: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke von der SPD.

Bedauert die Absage aus Berlin: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke von der SPD.

© Imago

Deutlicher – und im Kern durchaus kritisch – äußerte sich Sportminister Hoffmann. Er hätte „gern die Entscheidung im offiziellen Verfahren des Deutschen Olympischen Sportbundes abgewartet“. Ein bemerkenswerter Satz: Der Brandenburger Minister hätte es also vorgezogen, dass Berlin sich dem Wettbewerb stellt, statt vorzeitig das Handtuch zu werfen. Informiert wurde Hoffmann, wie das Ministerium auf OAZ-Anfrage mitteilte, von der Berliner Senatorin für Inneres und Sport über die Absicht des Rückzugs – von einer echten Einbeziehung der Partnerländer in die Entscheidung ist in der Antwort nicht die Rede.

Was in Brandenburg bleibt

Für die märkischen Austragungsorte hält sich der Schaden nach Darstellung des Ministeriums in Grenzen. Die Regattastrecke Beetzsee in Brandenburg an der Havel, im Konzept ein zentraler Baustein, werde unabhängig von Olympia weiterentwickelt – als „überregional bedeutsame Sportstätte Brandenburgs und international anerkannte Regattastrecke für Rudern und Kanurennsport“.

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Der Zuwendungsbescheid war bereits im Mai 2026 beim Kanu-Weltcup übergeben worden. Für die Rennbahn Hoppegarten und den Golfplatz Bad Saarow waren ohnehin nur temporäre Anlagen vorgesehen; bestehende Sportstätten sind vom Rückzug nicht betroffen.

Die Regattastrecke am Brandenburger Beetzsee soll weiterentwickelt werden, hieß es vom zuständigen Ministerium.

Die Regattastrecke am Brandenburger Beetzsee soll weiterentwickelt werden, hieß es vom zuständigen Ministerium.

© Uwe Koch/Imago

Und die Kosten? Hier liefert das Ministerium eine Antwort, die man in Zeiten notorisch überzogener Haushalte selten liest: Dem Land Brandenburg seien „keine zusätzlichen Ausgaben entstanden“; die Bewerbungskosten habe Berlin getragen.

Die Mitarbeit sei im Fachreferat „zeitlich begrenzt als zusätzliche Aufgabe mit vorhandenem Personal“ geleistet worden, neue Stellen wurden nicht geschaffen. Wer die Neigung des deutschen Staatsapparats kennt, jedes Projekt mit einem eigenen Stab zu adeln, darf das anerkennen.

Sachsen: Kosten sind Teil des Regierungshandelns

Auf die Frage nach den finanziellen Aufwendungen – Personal, Planung, Gutachten, Reisen, Kommunikation – antwortete das Staatsministerium knapp, die Kosten seien „Bestandteil des Verwaltungshandelns der Exekutive“ und würden „nicht gesondert erfasst“.

Inhaltlich gibt sich Sportminister Armin Schuster (CDU) kämpferisch. „Berlin+ war ein über die Grenzen der Hauptstadt hinaus breit aufgestelltes und überzeugendes Bewerbungskonzept mit der Sportstadt Leipzig als starkem Juniorpartner“, so Schuster gegenübr der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Sachsens Chancen blieben gewahrt – über die verbliebene Bewerbung KölnRheinRuhr und den Co-Austragungsort Markkleeberg.

Man vertraue darauf, „dass die Bedeutung des ostdeutschen Anteils am Konzept KölnRheinRuhr im Entscheidungsprozess angemessen gewichtet wird, das wäre auch das notwendige gesellschaftspolitische Signal“.

Übersetzt: Der Osten will nicht wieder übersehen werden. Der Kanupark Markkleeberg ist tatsächlich Teil des rheinischen Konzepts – ein schmaler, aber realer Anker. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), der mit Reitsport auf der Neuen Messe und diversen Hallensportarten geplant hatte, nannte den Berliner Rückzug gegenüber Sport im Osten dennoch eine „richtige Entscheidung“: traurig für Leipzig, „aber unterm Strich ist es richtig“.

Die eigentliche Ursache: Wahlergebnisse und Wankelmut

Der schwarz-rote Senat, der die Bewerbung vorantrieb, wurde bei der Abgeordnetenhauswahl abgewählt. Wahlsiegerin Elif Eralp von der Linken ist erklärte Olympia-Gegnerin und befand die Sache bereits einen Tag nach der Wahl für „erledigt“. Auch die Grünen lehnen die Spiele ab. Hinzu kam der DOSB-Evaluierungsbericht vom 22. September: Berlin landete mit knapp 75 Punkten abgeschlagen hinter München (87) und Köln-Rhein-Ruhr (85) – beim Kriterium Stabilität gab es magere 50 von 100 Punkten, während die Konkurrenz 99 und 100 erreichte.

Das ist der Kern: Nicht Sportstätten oder Konzepte haben Berlin zu Fall gebracht, sondern die Unfähigkeit, über eine Legislaturperiode hinaus verlässlich zu sein. Der scheidende Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von einem „traurigen Tag“ und davon, dass „der Stecker gezogen“ wurde. DOSB-Präsident Thomas Weikert lobte immerhin die Fairness des Rückzugs.

Am kommenden Samstag entscheidet der DOSB in Baden-Baden zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr. Hamburg war zuvor per Referendum ausgeschieden – immerhin durch die Bürger. Berlin dagegen scheiterte an sich selbst. Für Ostdeutschland bleibt eine Regattastrecke, ein Kanupark und die Hoffnung, dass man in Baden-Baden wenigstens die Landkarte kennt.

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