Literatur

Nach Weimers Buchhandlungspreis-Debakel: Berlin verleiht 2027 eigenen Preis

Franziska Giffey führt einen eigenen Buchhandlungspreis ein. Sechs unabhängige Läden sollen ausgezeichnet werden. Der Börsenverein ist mit im Boot.

2 Min
Franziska Giffey (SPD) führt einen Preis für Berliner Buchhandlungen ein.

Franziska Giffey (SPD) führt einen Preis für Berliner Buchhandlungen ein.

© Carsten Koall

Berlin bekommt ab 2027 einen eigenen Buchhandlungspreis. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe will jährlich sechs unabhängige Buchhandlungen auszeichnen. Für den ersten Jahrgang und die Vorbereitung stellt der Senat 125.000 Euro bereit.

Der neue Preis kommt kurz nachdem der bundesweite Deutsche Buchhandlungspreis heftigen Streit auslöste. Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hatte Anfang März drei von einer unabhängigen Jury ausgewählte Buchhandlungen – darunter die Berliner Buchhandlung „Zur schwankenden Weltkugel“ – von der Preisliste streichen lassen.

Er begründete dies mit „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“. Welche konkreten Vorwürfe gegen die Buchhandlungen vorlagen, wurde nie öffentlich gemacht. Weimer sagte anschließend die für die Leipziger Buchmesse geplante Preisverleihung ab.

Die betroffenen Buchhandlungen gingen juristisch gegen das Vorgehen vor. Im April untersagte das Verwaltungsgericht Berlin Weimer zudem, die Betreiber der „Schwankenden Weltkugel“ als „politische Extremisten“ zu bezeichnen.

Eine unabhängige Jury entscheidet über die Bewerbungen

Der Berliner Buchhandlungspreis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg organisiert. Ausgezeichnet werden ab 2027 sechs inhaber- oder genossenschaftlich geführte Buchhandlungen mit höchstens fünf Filialen und einem Jahresumsatz von weniger als einer Million Euro. Eine unabhängige sechsköpfige Jury soll über die Bewerbungen entscheiden.

Der Große Berliner Buchhandlungspreis ist mit 20.000 Euro dotiert, für zwei weitere Preise gibt es jeweils 12.000 Euro. Die drei übrigen Buchhandlungen auf der Shortlist erhalten jeweils 5000 Euro. Prämiert werden sollen ein besonderes Sortiment, ein überzeugendes Unternehmenskonzept oder ein herausragendes kulturelles Veranstaltungsprogramm.

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Die Wirtschaftssenatorin und Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) verwies auf die mehr als 300 Berliner Buchhandlungen. Sie seien wichtige Kultur- und Begegnungsorte und leisteten unter anderem einen Beitrag zur Demokratiebildung. „Ihnen gelingt, was der Onlinehandel nicht leisten kann“, sagte Giffey.

Miriam Gabriela Möllers, Geschäftsführerin des Börsenvereins Berlin-Brandenburg, bezeichnete Buchhandlungen als Orte des Austauschs und der Debatte und als „unverzichtbaren Teil unseres demokratischen Miteinanders“.

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