Mit einer Gedenktafel in der Karl-Marx-Allee würdigt das Land Berlin die Architektin und Stadtplanerin Ludmilla Herzenstein. Sie prägte den Wiederaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg, geriet jedoch lange Zeit in Vergessenheit.
Ludmilla Herzenstein wurde am 6. April 1906 in St. Petersburg geboren. Im Alter von 14 Jahren floh sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern vor der russischen Revolution nach Berlin. Hier studierte sie ab 1926 Architektur an der Technischen Hochschule in Charlottenburg. Während ihres Studiums sammelte sie praktische Erfahrungen unter anderem beim Bau der Waldsiedlung Zehlendorf.
Auch während der Zeit des Nationalsozialismus blieb Herzenstein in Berlin. Sie arbeitete in kleineren Architekturbüros und unterstützte 1938 ihre Mutter bei der Flucht aus Deutschland.
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Wichtige Rolle beim Wiederaufbau Berlins
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Herzenstein 1945 nach Berlin zurück. Ein Jahr später wurde sie in ein Planungskollektiv berufen, das den Wiederaufbau der Stadt vorbereiten sollte. Dort untersuchte sie die Bevölkerungsentwicklung der Nachkriegszeit, um den Wohnungsbedarf zu ermitteln und die Planung neuer Wohnungen daran auszurichten.
Besonders prägend war ihr Entwurf für die Laubenganghäuser in der Karl-Marx-Allee 102 bis 104. Die modernen Wohngebäude wurden 1949 begonnen und bereits 1950 fertiggestellt. Bei der damaligen DDR-Führung stießen sie jedoch auf Ablehnung, da diese eine repräsentative, historisierende Architektur bevorzugte. Dadurch gerieten Herzenstein und ihre Arbeit weitgehend in Vergessenheit.
Engagement für die Stadtplanung
Auch in den folgenden Jahrzehnten blieb Herzenstein in der Stadtplanung tätig. Ab 1958 verantwortete sie die Stadtplanung im Bezirk Weißensee und entwickelte Konzepte zur Sanierung von Altbauten in Ost-Berlin. 1966 entwarf sie außerdem die Parkgaststätte Milchhäuschen am Weißen See, die bis heute erhalten ist. Ludmilla Herzenstein starb am 4. August 1994 in Berlin.
Erinnerung an eine bedeutende Architektin
Die Berliner Gedenktafel befindet sich in der Karl-Marx-Allee 104 in Friedrichshain und wurde am 8. Oktober 2026 öffentlich bekannt gemacht. Sie ist Teil des Berliner Gedenktafelprogramms, mit dem das Land Berlin an bedeutende Persönlichkeiten und historische Ereignisse erinnert. Recherche und Organisation übernahm der Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin. Mit der Gedenktafel wird eine Architektin gewürdigt, deren innovative Ideen den Berliner Wohnungsbau der Nachkriegszeit mitprägten.
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